Schnecken und Pflanzen: Ein Dream-Team?
Viele Aquarianer fürchten, dass Schnecken ihre mühsam gepflegten Aquarienpflanzen abfressen. Doch diese Sorge ist in den meisten Fällen unbegründet. Die überwiegende Mehrheit der beliebten Aquarienschnecken frisst keine lebenden Pflanzen – sie bevorzugen Algenaufwuchs, abgestorbene Pflanzenteile und Biofilme. Tatsächlich profitieren deine Pflanzen sogar von den Schnecken: Sie befreien die Blätter von Algenbelägen, verwerten absterbende Pflanzenteile und tragen durch ihre Ausscheidungen zur Düngung bei.
Das Geheimnis einer harmonischen Gemeinschaft liegt in der richtigen Artenauswahl. Während Rennschnecken (Neritina), Teufelshörnchen (Clithon) und Turmdeckelschnecken (Melanoides) als absolut pflanzenfreundlich gelten, können Paradiesschnecken (Marisa) und Spitzschlammschnecken (Lymnaea) weichblättrige Pflanzen anfressen. Auch die gefürchtete Apfelschnecke P. canaliculata ist ein reiner Pflanzenfresser – im Gegensatz zu ihrer harmlosen Verwandten P. diffusa.
Pflanzenfreundliche Schneckenarten
Die folgenden Schneckenarten sind für bepflanzte Aquarien bestens geeignet und fressen keine lebenden Pflanzen:
- Rennschnecken (Neritina spp.): Die besten Algenfresser für bepflanzte Becken. Sie fressen ausschließlich Aufwuchs und lassen Pflanzen vollständig in Ruhe.
- Teufelshörnchen (Clithon spp.): Kleine, attraktive Algenfresser, die sich nur von Aufwuchs ernähren.
- Turmdeckelschnecken (Melanoides spp.): Leben im Bodengrund und lockern ihn auf – sie kommen mit Pflanzen gar nicht in Berührung.
- Blasenschnecken (Physella spp.): Fressen bevorzugt Algen und abgestorbene Pflanzenteile.
- Posthornschnecken (Planorbarius): Ernähren sich von Aufwuchs und Resten, lassen Pflanzen in Ruhe.
- Apfelschnecke P. diffusa: Friedliche Art, die nur abgestorbene Pflanzenteile frisst.
Problematisch können dagegen Paradiesschnecken (Marisa cornuarietis), Spitzschlammschnecken (Lymnaea stagnalis) und natürlich die in der EU verbotene P. canaliculata sein – sie fressen auch lebende Pflanzen.
So schützt du deine Pflanzen
Auch bei pflanzenfreundlichen Schneckenarten gibt es einige Maßnahmen, die das harmonische Zusammenleben fördern:
- Ausreichend füttern: Hungrige Schnecken greifen eher zu Pflanzen. Biete regelmäßig Ersatznahrung wie Gemüse und Futtertabletten an.
- Robuste Pflanzen wählen: Anubias, Javafarn, Cryptocorynen und Bucephalandra sind hartblättrig und werden selbst von pflanzenfressenden Schnecken gemieden.
- Kalzium bereitstellen: Schnecken mit Kalziummangel nagen manchmal an Pflanzen, um Mineralstoffe zu gewinnen. Sepiaschalen schaffen Abhilfe.
- Population kontrollieren: Zu viele Schnecken in einem Becken erhöhen den Fraßdruck. Reguliere die Population über die Futtermenge.
Synergieeffekte: Wie Schnecken Pflanzen helfen
Schnecken sind nicht nur harmlos für Pflanzen – sie unterstützen deren Wachstum aktiv auf mehrere Weisen:
Algenentfernung: Schnecken befreien Pflanzenblätter von Algenbelägen, die das Licht blockieren und das Pflanzenwachstum hemmen. Besonders Rennschnecken und Teufelshörnchen leisten hier hervorragende Arbeit.
Düngung: Die Ausscheidungen der Schnecken enthalten Nährstoffe, die von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden. Turmdeckelschnecken, die im Bodengrund leben, bringen diese Nährstoffe direkt an die Wurzeln.
Bodendurchlüftung: Turmdeckelschnecken lockern den Bodengrund auf und verhindern anaerobe Zonen. Dies fördert ein gesundes Wurzelwachstum und verhindert die Bildung von giftigem Schwefelwasserstoff.
Häufige Fehler vermeiden
Der häufigste Fehler ist die falsche Artenauswahl: Wer eine Paradiesschnecke oder Spitzschlammschnecke in ein aufwändiges Pflanzenaquarium setzt, wird Fraßschäden erleben. Informiere dich vor dem Kauf gründlich über die Ernährungsgewohnheiten der gewünschten Schneckenart.
Ein weiterer Fehler ist die Überfütterung: Zu viel Futter führt zu einer Schneckenexplosion, und eine Überpopulation kann auch bei normalerweise pflanzenfreundlichen Arten zu gelegentlichem Pflanzenfraß führen. Füttere gezielt und in kleinen Mengen. Entferne Futterreste nach einigen Stunden.
Zuletzt: Vermeide kupferhaltige Dünger und Medikamente – Kupfer ist für Schnecken tödlich. Viele handelsübliche Pflanzendünger enthalten Kupfer in Spurenelementmischungen. Prüfe die Inhaltsstoffe oder wähle explizit schneckenfreundliche Dünger.
Quellen
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- AquaInfo: Schnecken und Pflanzen – aqua-info.de
- Gastropods.com – gastropods.com
