Süßwasserschnecken

Schneckenarten für Süßwasseraquarien

Schneckenarten für Süßwasseraquarien

Bild: KI generiert

Zusammenfassung

Die Vielfalt der Süßwasserschnecken im Aquarium ist erstaunlich groß. Von winzigen Blasenschnecken über effiziente Rennschnecken bis hin zu farbenprächtigen Apfelschnecken – für jedes Becken gibt es die passende Art. Dieser Ratgeber gibt dir einen umfassenden Überblick.

Überblick: Schneckengruppen im Aquarium

Süßwasserschnecken im Aquarium lassen sich in mehrere Hauptgruppen einteilen, die sich in Größe, Verhalten, Ernährung und Fortpflanzung deutlich unterscheiden. Ein grundlegendes Verständnis dieser Gruppen hilft dir bei der Auswahl der richtigen Schnecke für dein Becken.

Lungenschnecken (Pulmonata): Atmen Luft über eine Lungenhöhle, besitzen keinen Deckel. Dazu gehören Posthornschnecken, Blasenschnecken und Schlammschnecken. Sie sind meist Zwitter und vermehren sich oft stark.

Neritidae (Rennschnecken): Kiemenatmer mit kräftigem Deckel. Hervorragende Algenfresser, die sich im Süßwasser nicht vermehren (Larven benötigen Brackwasser). Dazu gehören Rennschnecken, Teufelshörnchen, Porzellan-Napfschnecken und Steinschnecken.

Apfelschnecken (Ampullariidae): Große Schnecken mit Kiemen und Lunge. Getrenntgeschlechtlich. Dazu gehören Pomacea-Arten, Paradiesschnecken und Zebra-Apfelschnecken.

Turmdeckelschnecken (Thiaridae): Kiemenatmer mit turmförmigem Gehäuse und Deckel. Leben im Bodengrund. Vermehren sich durch Parthenogenese (Jungfernzeugung).

Schnecken für Anfänger

Wenn du gerade erst mit der Schneckenhaltung beginnst, sind folgende Arten besonders empfehlenswert:

Posthornschnecke (Planorbarius corneus): Robust, pflegeleicht, in verschiedenen Farben erhältlich (braun, rot, blau, rosa). Kommt mit nahezu allen Wasserwerten zurecht und eignet sich auch für unbeheizte Aquarien. Die ideale Einsteigerschnecke.

Rennschnecke (Neritina natalensis): Der beste Algenfresser für bepflanzte Becken. Keine Vermehrung im Süßwasser, keine Pflanzenschäden. Braucht mittelhartes bis hartes Wasser und einen gewissen Algenwuchs als Nahrung.

Apfelschnecke (Pomacea diffusa): Die „Charakterschnecke" – groß, farbenprächtig und friedlich. Braucht ein etwas größeres Becken (ab 54 Liter), hartes Wasser und Kalziumergänzung. Legt auffällige Eigelege über der Wasseroberfläche.

Malaiische Turmdeckelschnecke (Melanoides tuberculata): Der unsichtbare Helfer – lockert den Bodengrund auf und verhindert Fäulniszonen. Tagsüber versteckt, nachts aktiv. Vermehrt sich bei Überfütterung stark, aber leicht zu kontrollieren.

Schnecken für bepflanzte Aquarien

In dicht bepflanzten Aquascapes und Pflanzenaquarien brauchst du Schnecken, die garantiert keine lebenden Pflanzen anfressen:

  • Rennschnecken – absolut pflanzenfreundlich, beste Algenfresser
  • Teufelshörnchen – klein, attraktiv, pflanzenfreundlich
  • Turmdeckelschnecken – leben im Boden, berühren Pflanzen nicht
  • Blasenschnecken – fressen nur Aufwuchs und Reste
  • Apfelschnecke P. diffusa – friedlich, frisst nur abgestorbene Teile

Vermeide in bepflanzten Becken: Paradiesschnecken (Marisa), Spitzschlammschnecken (Lymnaea stagnalis) und die in der EU verbotene P. canaliculata.

Schnecken für Kaltwasseraquarien

Nicht alle Schnecken brauchen tropische Temperaturen. Folgende Arten eignen sich für unbeheizte Aquarien und Gartenteiche:

Posthornschnecke (Planorbarius corneus): 4–25 °C, die robusteste Wahl für Kaltwasser.

Steinschnecke (Theodoxus fluviatilis): 10–25 °C, hervorragender Algenfresser für temperierte Becken.

Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis): 4–25 °C, imposant, aber frisst Pflanzen.

Sumpfdeckelschnecke (Viviparus viviparus): 4–25 °C, lebendgebärend und langlebig.

Kleine Schlammschnecke (Radix spec.): 5–25 °C, anspruchslos und robust.

Schnecken für Nano-Aquarien

In kleinen Aquarien (10–30 Liter) solltest du auf kleine Schneckenarten setzen, die das begrenzte Volumen nicht überlasten:

  • Teufelshörnchen (Clithon spp.): 1,5–2,5 cm, ideal ab 20 Liter
  • Blasenschnecke (Physella acuta): 0,5–1,5 cm, ab 10 Liter
  • Posthornschnecke (kleine Zuchtformen): 1–2 cm, ab 10 Liter
  • Rennschnecke: 2–3 cm, ab 30 Liter (1 Exemplar)

Große Apfelschnecken und Paradiesschnecken sind für Nano-Aquarien ungeeignet – sie werden zu groß und belasten das Wasser zu stark. Die Turmdeckelschnecke eignet sich bedingt – achte auf feinen Sand als Bodengrund und eine begrenzte Anzahl (3–5 Stück).

Artenübergreifende Haltungstipps

Unabhängig von der gewählten Schneckenart gibt es einige Grundregeln, die für alle Süßwasserschnecken gelten:

  • Kalk ist lebenswichtig: Alle Schnecken brauchen Kalzium für den Gehäuseaufbau. Biete Sepiaschalen, Eierschalen oder Kalziumsteine an, besonders in weichem Wasser.
  • Kupfer ist tödlich: Prüfe alle Dünger, Medikamente und Wasseraufbereiter auf Kupfergehalt. Selbst Spuren von Kupfer können Schnecken töten.
  • Eingewöhnung: Schnecken sind empfindlich gegenüber plötzlichen Änderungen der Wasserwerte. Gewöhne neue Tiere langsam (Tröpfchenmethode) an dein Aquarienwasser.
  • Abdeckung: Viele Schnecken (besonders Apfelschnecken und Rennschnecken) klettern gerne und können aus offenen Becken entkommen.
  • Vergesellschaftung: Meide schneckenfressende Fische (Schmerlen, Kugelfische, große Buntbarsche), wenn du Schnecken halten möchtest.

Quellen

  1. Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
  2. Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
  3. Gastropods.com – gastropods.com
  4. AquaInfo: Schneckenarten – aqua-info.de

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