Ursachen einer Schneckenplage
Wenn sich Schnecken im Aquarium plötzlich explosionsartig vermehren, liegt das fast immer an einem Überangebot an Nahrung. Schneckenpopulationen regulieren sich über das verfügbare Nahrungsangebot: Ist viel Futter da, vermehren sie sich stark – wird das Futter knapp, stagniert die Population oder geht zurück. Die häufigsten Ursachen für eine Schneckenplage sind:
- Überfütterung: Zu viel Fischfutter, das nicht gefressen wird und auf dem Boden verrottet, ist die Hauptursache.
- Abgestorbene Pflanzenteile: Welke Blätter und Pflanzenreste bieten reichlich Nahrung.
- Zu viel Mulm: Ein dicker Mulmschicht auf dem Bodengrund ist ein Paradies für Schnecken.
- Algenüberwuchs: Starker Algenwuchs bietet zusätzliche Nahrungsquellen.
Wichtig zu verstehen: Die Schnecken sind nicht das Problem – sie zeigen dir an, dass dein Aquarium ein Nährstoffüberangebot hat. Sie sind die Symptombekämpfer, nicht die Ursache.
Prävention: So verhinderst du eine Schneckenplage
Die beste Strategie gegen eine Schneckenplage ist Vorbeugung. Folgende Maßnahmen helfen, die Schneckenpopulation von Anfang an in einem gesunden Rahmen zu halten:
Fütterung reduzieren: Füttere nur so viel, wie deine Fische in 2–3 Minuten fressen können. Entferne Futterreste nach dem Füttern. Reduziere die Fütterungshäufigkeit auf 1–2 Mal täglich.
Pflanzen kontrollieren: Neue Pflanzen vor dem Einsetzen gründlich abspülen oder 2–3 Tage in einer Alaun-Lösung (1 EL Kalialaun auf 1 Liter Wasser) baden. So entfernst du Schneckeneier und Jungschnecken, die als blinde Passagiere mitreisen.
Regelmäßige Pflege: Mulm absaugen, abgestorbene Pflanzenteile entfernen und regelmäßige Wasserwechsel durchführen. Ein sauberes Becken bietet Schnecken weniger Nahrungsgrundlage.
Natürliche Bekämpfung
Wenn die Schneckenpopulation bereits zu groß geworden ist, gibt es mehrere natürliche Methoden zur Kontrolle:
Raubschnecken (Anentome helena): Die Raubturmdeckelschnecke ist der effektivste natürliche Schneckenfeind im Aquarium. Sie frisst andere Schnecken, indem sie ihren Rüssel in das Gehäuse des Opfers einführt. 2–3 Raubschnecken pro 50 Liter können eine Blasen- oder Posthornschneckenpopulation deutlich reduzieren. Die Raubschnecke vermehrt sich langsam und wird selbst nicht zur Plage.
Schneckenfressende Fische: Schmerlen (besonders die Prachtschmerle Chromobotia macracanthus), Kugelfische (Zwergkugelfisch Carinotetraodon travancoricus) und einige Buntbarscharten fressen Schnecken. Beachte aber: Diese Fische benötigen artgerechte Haltungsbedingungen und dürfen nicht allein zum Zweck der Schneckenbekämpfung angeschafft werden.
Schneckenfallen: Lege abends eine überbrühte Gurkenscheibe oder eine Welstablette ins Aquarium. Am nächsten Morgen sammeln sich die Schnecken darauf und können einfach entfernt werden. Wiederhole dies über mehrere Tage.
Warum chemische Mittel keine Lösung sind
Im Handel sind chemische Schneckenbekämpfungsmittel (Molluskizide) erhältlich, die Schnecken abtöten sollen. Von diesen Mitteln ist dringend abzuraten, denn sie haben schwerwiegende Nachteile:
- Sie töten auch nützliche Schnecken und Wirbellose (Garnelen!).
- Die massenhaft absterbenden Schnecken belasten die Wasserqualität enorm und können zu einem Ammoniak-/Nitritpeak führen, der alle Fische gefährdet.
- Kupferhaltige Mittel verbleiben im Wasser und im Bodengrund und können noch monatelang Wirbellose schädigen.
- Das eigentliche Problem (Überangebot an Nahrung) wird nicht gelöst – die Schnecken kommen zurück, sobald die Wirkung nachlässt.
Die einzig sinnvolle Strategie ist die Ursachenbekämpfung: Weniger Futter, mehr Pflege und gegebenenfalls natürliche Fressfeinde einsetzen.
Schnecken als Nützlinge akzeptieren
Ein Umdenken kann helfen: Einige Schnecken im Aquarium sind kein Problem – sie sind nützlich! Sie fressen Algen, verwerten Reste, zeigen dir die Wasserqualität an und dienen manchen Fischen als natürliche Nahrung. Eine moderate Schneckenpopulation gehört zu einem gesunden Aquarium dazu.
Wenn die Schneckenzahl dich dennoch stört, reduziere konsequent die Futtermenge. Die Population wird sich innerhalb weniger Wochen von selbst auf ein niedrigeres Niveau einpendeln. Ergänzend kannst du Raubschnecken einsetzen und regelmäßig Schneckenfallen aufstellen. So erreichst du ein dauerhaftes Gleichgewicht ohne chemische Keule.
Quellen
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
- AquaInfo: Schneckenplage – aqua-info.de
- Gastropods.com – gastropods.com
