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Schokoladengurami (Sphaerichthys osphromenoides)

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Schokoladengurami (Sphaerichthys osphromenoides)

Bildquelle: boban_nz / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Schokoladengurami ist einer der anspruchsvollsten, aber auch schönsten Süßwasserfische in der Aquaristik. Seine samtbraune Grundfärbung mit den cremefarbenen Vertikalstreifen erinnert an eine Tafel Schokolade. Besonders faszinierend: Bei dieser Art ist es das Weibchen, das die befruchteten Eier im Maul ausbrütet – ein seltenes Beispiel für maternale Maulbrut.

Der Schokoladengurami ist einer der anspruchsvollsten, aber auch schönsten Süßwasserfische in der Aquaristik. Seine samtbraune Grundfärbung mit den cremefarbenen Vertikalstreifen erinnert an eine Tafel Schokolade. Besonders faszinierend: Bei dieser Art ist es das Weibchen, das die befruchteten Eier im Maul ausbrütet – ein seltenes Beispiel für maternale Maulbrut.

Steckbrief: Schokoladengurami (Sphaerichthys osphromenoides)
Wissenschaftlicher NameSphaerichthys osphromenoides
OrdnungAnabantiformes
FamilieGuramis (Osphronemidae)
GattungSphaerichthys
Größe4–6 cm
Gewicht2–5 g
Lebenserwartung3–5 Jahre
VerbreitungBorneo, Malaiische Halbinsel, Sumatra
LebensraumSchwarzwasserbäche und Torfsumpfwälder
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 60 Liter
Temperatur24–28 °C
pH-Wert4,0–6,5
Wasserhärte0–4 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Schokoladengurami erreicht eine Körperlänge von 4–6 cm und besitzt einen oval geformten, seitlich abgeflachten Körper. Die Grundfärbung ist ein tiefes Schokoladenbraun bis Rotbraun. Über den Körper verlaufen 4–5 schmale, cremefarbene bis gelbliche Vertikalstreifen, die dem Fisch sein unverwechselbares Erscheinungsbild verleihen.

Geschlechtsunterschiede sind bei genauer Betrachtung erkennbar: Weibchen haben eine gerade verlaufende Unterkieferlinie und zeigen zur Brutzeit eine dunklere Färbung mit rötlichem Kehlbereich. Männchen haben eine leicht abgerundete Unterkieferlinie. Die Bauchflossen enden bei Männchen in einem spitzen, bei Weibchen in einem abgerundeten Zipfel. Das Maul ist klein und leicht oberständig.

Verbreitung & Lebensraum

Der Schokoladengurami kommt auf Borneo, der Malaiischen Halbinsel und auf Sumatra vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst verschiedene Flusssysteme des tropischen Tieflands in Malaysia und Indonesien.

In seiner Heimat lebt er in extremen Schwarzwasserhabitaten: Torfsumpfwälder, Bäche mit gerbstoffreichem, teebraunem Wasser und einem pH-Wert, der oft unter 4,0 liegt. Diese Gewässer sind extrem mineralarm, weich und sauer. Der Untergrund besteht aus Torf und einer dicken Schicht abgefallener Blätter. Die Lichtverhältnisse sind durch das dichte Blätterdach stark gedämpft.

Lebensweise & Verhalten

Der Schokoladengurami ist ein ruhiger, scheuer Fisch, der sich bevorzugt in dicht bepflanzten Bereichen oder zwischen Blättern und Wurzeln aufhält. Er ist ein Labyrinthfisch und kann dank seines Labyrinthorgens atmosphärischen Sauerstoff an der Wasseroberfläche aufnehmen – eine Anpassung an die sauerstoffarmen Schwarzwassergewässer seiner Heimat.

Die Art ist friedlich und zurückhaltend, kann aber innerartlich territoriales Verhalten zeigen, besonders während der Brutzeit. Schokoladeguramis kommunizieren durch subtile Farbveränderungen und Körperhaltungen. Stress und ungeeignete Wasserwerte äußern sich schnell in blasser Färbung und Anfälligkeit für Krankheiten – der Schokoladengurami ist ein empfindlicher Indikator für die Wasserqualität.

Ernährung

In der Natur ernährt sich der Schokoladengurami von kleinen Wirbellosen, Insektenlarven und Zooplankton, die er in seinem nährstoffarmen Habitat findet. Sein kleines Maul ist auf entsprechend kleine Nahrungspartikel spezialisiert.

Im Aquarium ist die Fütterung eine Herausforderung: Viele Tiere akzeptieren Trockenfutter nur zögerlich oder gar nicht. Lebendfutter ist die bevorzugte Nahrung – Artemia, Daphnien, Cyclops und Mückenlarven werden am besten angenommen. Frostfutter wird meist akzeptiert, wenn es langsam an der Wasseroberfläche treibt. Biete kleine Portionen mehrmals täglich an, da der Schokoladengurami ein zurückhaltender Fresser ist, der im Wettbewerb mit gierigeren Arten schnell zu kurz kommt.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Schokoladeguramis ist einzigartig unter den Guramis: Im Gegensatz zu den meisten Labyrinthfischen, die Schaumnester bauen, betreibt das Weibchen maternale Maulbrutpflege. Nach einem intensiven Balzritual legt das Weibchen die Eier auf dem Boden ab, das Männchen befruchtet sie, und das Weibchen nimmt die befruchteten Eier ins Maul.

Das Weibchen brütet die 10–40 Eier etwa 14 Tage im Maul aus und frisst in dieser Zeit nicht. Man erkennt brütende Weibchen am geschwollenen Kehlsack und der dunkleren Färbung. Die Jungfische werden vollständig entwickelt entlassen und sind sofort selbstständig. Die Zucht erfordert extrem weiches, saures Wasser (pH unter 5,5) und absolute Ruhe – sie gilt als eine der größten Herausforderungen in der Süßwasseraquaristik.

Haltung im Aquarium

Für eine kleine Gruppe von 4–6 Schokoladeguramis benötigst du ein Aquarium ab 60 Litern. Richte es als Schwarzwasserbiotop ein: dunkler Bodengrund, viele Wurzeln, dichte Bepflanzung und eine großzügige Menge Herbstlaub (Seemandelbaumblätter, Eichenlaub). Schwimmpflanzen sorgen für das bevorzugte gedämpfte Licht. Ein Torf- oder Schwarzwasserfilter hilft bei der Wasserkonditionierung.

Die Wasseransprüche sind extrem: Der pH-Wert muss zwischen 4,0 und 6,5 liegen, die Gesamthärte unter 4 °dGH. Die Verwendung von Osmosewasser ist fast immer notwendig. Die Temperatur sollte bei 24–28 °C liegen. Die Strömung muss minimal sein. Vergesellschafte den Schokoladengurami nur mit kleinen, ruhigen Arten, die ähnliche Wasseransprüche haben – zum Beispiel mit Keilfleckbärblingen, Perlhuhnbärblingen oder Zwergbärblingen.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Schokoladengurami wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Allerdings sind seine Torfsumpf-Lebensräume in Südostasien massiv bedroht: Großflächige Torfwald-Rodungen für Palmölplantagen, Holzeinschlag und Brände zerstören die natürlichen Habitate in rasantem Tempo.

Im Aquarienhandel werden sowohl Wildfänge als auch Nachzuchten angeboten. Die Nachzucht ist schwierig und gelingt nur wenigen Spezialisten, sodass ein erheblicher Teil der Handelstiere aus Wildfängen stammt. Der Schutz der verbliebenen Torfsumpfwälder in Borneo und Sumatra ist für das Überleben der Art und vieler anderer Schwarzwasserspezialisten dringend notwendig.

Quellen

  1. FishBase: Sphaerichthys osphromenoidesfishbase.se
  2. Seriously Fish: Sphaerichthys osphromenoidesseriouslyfish.com
  3. IUCN Red List: Sphaerichthys osphromenoidesiucnredlist.org
  4. Linke, H. (1991): Labyrinthfische – Farbe im Aquarium. Tetra Verlag.
  5. Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.

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