Der Schwarze Pacu, auch Tambaqui genannt, ist einer der größten Süßwasserfische Südamerikas und ein enger Verwandter der Piranhas – allerdings mit einer fundamental anderen Ernährungsweise. Seine menschenähnlichen Mahlzähne sind perfekt an das Knacken von Nüssen und Früchten angepasst. Mit bis zu einem Meter Länge und über 30 kg Gewicht ist er für private Aquarien absolut ungeeignet.
| Wissenschaftlicher Name | Colossoma macropomum |
| Ordnung | Salmlerartige (Characiformes) |
| Familie | Sägesalmler (Serrasalmidae) |
| Gattung | Colossoma |
| Größe | 50–100 cm |
| Gewicht | 10–30+ kg |
| Lebenserwartung | 20–25 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Amazonas- und Orinoco-Becken) |
| Lebensraum | Große Flüsse, Überschwemmungswälder (Várzea und Igapó) |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | Nicht für private Aquarienhaltung geeignet |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 5,5–7,5 |
| Wasserhärte | 2–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Schwarze Pacu ist ein massiger, hochrückiger Fisch, der eine beeindruckende Länge von 50–100 cm und ein Gewicht von über 30 kg erreichen kann. Der Körper ist seitlich abgeflacht und oval geformt, ähnlich wie bei Piranhas, jedoch deutlich größer und kräftiger. Die Grundfärbung adulter Tiere ist dunkelgrau bis schwarz, wobei die Bauchregion etwas heller sein kann.
Das auffälligste Merkmal sind die menschenähnlichen Mahlzähne, die in zwei Reihen im Ober- und Unterkiefer stehen und zum Zermalmen von Hartschalenfrüchten und Nüssen dienen. Die Kiefer sind extrem kräftig und können Paranüsse mit Leichtigkeit knacken. Der Kopf ist breit und massiv, die Augen relativ klein. Jungtiere ähneln oberflächlich Piranhas und zeigen eine silbrige Färbung mit dunklen Flecken.
Verbreitung & Lebensraum
Der Schwarze Pacu kommt im Amazonas- und Orinoco-Becken vor und ist in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien verbreitet. Er ist einer der wichtigsten Speisefische der Region und wird auch in großem Maßstab in Aquakultur gezüchtet.
In der Natur besiedelt der Pacu die großen Hauptströme und ihre Überschwemmungsgebiete. Während der Regenzeit wandert er in die überfluteten Wälder (Várzea und Igapó), wo er von den ins Wasser fallenden Früchten, Nüssen und Samen der Bäume lebt. Diese Wanderbewegung macht ihn zu einem wichtigen Samenverbreiter der tropischen Waldökosysteme. Er ist ein Schlüsselarten für die Waldregeneration im Amazonasgebiet.
Lebensweise & Verhalten
Der Schwarze Pacu ist ein friedlicher Riese, der trotz seiner Verwandtschaft mit Piranhas keine Gefahr für andere Fische darstellt. Er lebt in lockeren Gruppen und durchstreift große Gebiete auf der Suche nach Nahrung. Die Art ist überwiegend dämmerungsaktiv und legt während der saisonalen Wanderungen Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück.
Sein Hörsinn ist außergewöhnlich gut entwickelt: Der Pacu kann das Geräusch fallender Früchte auf der Wasseroberfläche wahrnehmen und reagiert darauf, indem er zur Nahrungsquelle schwimmt. In der Regenzeit kann man das charakteristische Knacken seiner Zähne hören, wenn er Hartschalenfrüchte zermalmt. Trotz seines friedlichen Wesens kann sein kräftiger Biss bei unsachgemäßem Umgang schmerzhafte Verletzungen verursachen.
Ernährung
Der Schwarze Pacu ist der größte überwiegend herbivore Fisch Südamerikas. In der Natur ernährt er sich hauptsächlich von Früchten, Nüssen, Samen und pflanzlichem Material, das während der Überflutung von den Bäumen ins Wasser fällt. Gummi-Baumfrüchte, Paranüsse und verschiedene Palmfrüchte gehören zu seinen Hauptnahrungsquellen.
Daneben frisst er auch Zooplankton, Insekten und gelegentlich kleinere Fische, besonders in der Trockenzeit, wenn Früchte knapper sind. Die Art spielt eine wichtige ökologische Rolle als Samenverbreiter: Viele Samen passieren den Verdauungstrakt unbeschädigt und werden an neuen Standorten ausgeschieden, was zur Verbreitung zahlreicher Baumarten in den Überschwemmungswäldern beiträgt.
Fortpflanzung
Der Schwarze Pacu ist ein Freilaicher, der zur Fortpflanzungszeit zu Beginn der Regenzeit in die Zuflüsse und Überschwemmungsgebiete wandert. Die Weibchen geben große Mengen an Eiern (bis zu einer Million pro Laichakt) ins Freiwasser ab, die vom Männchen befruchtet werden.
Die Eier sind pelagisch und treiben mit der Strömung. Die Larven schlüpfen nach etwa 18–20 Stunden und ernähren sich zunächst von Zooplankton. In der Aquakultur wird der Schwarze Pacu erfolgreich gezüchtet und ist einer der wichtigsten Zuchtfische Brasiliens. Im privaten Aquarium ist eine Nachzucht aufgrund der enormen Größe der Tiere und der Platzerfordernisse unmöglich.
Haltung im Aquarium
Der Schwarze Pacu ist für die Haltung in privaten Aquarien absolut ungeeignet. Trotzdem werden Jungtiere, die Piranhas ähneln, leider regelmäßig im Handel angeboten – oft ohne angemessene Aufklärung über die Endgröße. Ein einzelnes adultes Tier benötigt ein Becken von mehreren tausend Litern, was in Privathaushalten nicht realisierbar ist.
Wer dennoch ein Jungtier erwirbt, steht innerhalb weniger Jahre vor dem Problem, einen über 50 cm großen Fisch unterbringen zu müssen. Öffentliche Aquarien und Zoos sind oft überfüllt mit abgegebenen Pacus. Kaufe keinen Schwarzen Pacu, wenn du nicht über ein professionelles Großaquarium verfügst. Wenn du einen piranha-ähnlichen Fisch halten möchtest, wähle eine der kleinbleibenden Metynnis-Arten (Scheibensalmler), die ähnlich aussehen, aber nur 15 cm groß werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Schwarze Pacu wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Amazonas- und Orinoco-Becken weit verbreitet und wird in großem Maßstab in Aquakultur gezüchtet. Die Wildpopulationen sind jedoch durch Überfischung, Staudammbau und die Zerstörung der Überschwemmungswälder lokal zurückgegangen.
Staudämme sind eine besonders ernste Bedrohung, da sie die saisonalen Wanderungen zu den Laich- und Nahrungsgebieten unterbrechen. Da der Pacu als Samenverbreiter eine Schlüsselrolle im Ökosystem der Überschwemmungswälder spielt, hat sein Rückgang auch weitreichende Folgen für die Waldregeneration im Amazonasgebiet.
Quellen
- FishBase: Colossoma macropomum – fishbase.se
- IUCN Red List: Colossoma macropomum – iucnredlist.org
- Araújo-Lima, C. A. R. M. & Goulding, M. (1997): So Fruitful a Fish: Ecology, Conservation, and Aquaculture of the Amazon's Tambaqui. Columbia University Press.
- Goulding, M. (1980): The Fishes and the Forest: Explorations in Amazonian Natural History. University of California Press.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
