Der Schwarze Salamander, auch Alpensalamander genannt, ist ein faszinierender Hochgebirgsspezialist der Europäischen Alpen. Er ist vollständig schwarz gefärbt und eine der wenigen Amphibienarten weltweit, die vollständig lebendgebärend (vivipar) sind – die Jungtiere werden fertig entwickelt an Land geboren. Er lebt in Höhen bis über 2.500 Meter.
| Wissenschaftlicher Name | Salamandra atra |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Salamandra |
| Größe | 10–16 cm |
| Gewicht | 8–20 g |
| Lebenserwartung | 10–20 Jahre |
| Verbreitung | Europäische Alpen (Frankreich bis Albanien) |
| Lebensraum | Alpine Wiesen, Bergwälder, Geröllfelder, 800–2.500 m Höhe |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Schwarze Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–16 cm und ist einheitlich glänzend schwarz gefärbt – ohne jegliche helle Flecken oder Zeichnung. Diese einheitliche Schwarzfärbung ist einzigartig unter den europäischen Salamandern und dient vermutlich der maximalen Absorption von Sonnenwärme in den kühlen Hochgebirgshabitaten.
Der Körper ist gedrungen und robust mit kräftigen Beinen und einem runden Schwanz. Die Haut ist glatt und glänzend mit deutlichen Parotiden hinter den Augen und einer Reihe von Drüsenleisten auf dem Rücken. Die Augen sind dunkel und relativ groß. Im Vergleich zum Feuersalamander ist der Alpensalamander etwas kleiner und gedrungener, mit einem verhältnismäßig breiteren Kopf.
Verbreitung & Lebensraum
Der Schwarze Salamander kommt ausschließlich in den Europäischen Alpen und einigen angrenzenden Gebirgen vor – von den französischen Alpen über die Schweiz, Österreich und Südtirol bis nach Slowenien und in die Dinarischen Alpen. Er besiedelt Höhenlagen von etwa 800 m bis über 2.500 m, wobei die höchsten Vorkommen in den Zentralalpen liegen.
Du findest diesen Salamander auf alpinen Wiesen, in Bergwäldern, auf Geröllfeldern und an feuchten Felshängen. Er ist vollständig unabhängig von stehenden Gewässern – eine einzigartige Anpassung an die Hochgebirgslage, wo Tümpel und Seen oft fehlen oder zu kalt für eine Larvalentwicklung sind. Entscheidend sind feuchte Versteckmöglichkeiten in Spalten, unter Steinen und in der Vegetation.
Lebensweise & Verhalten
Der Schwarze Salamander ist vorwiegend tag- und dämmerungsaktiv – im Gegensatz zu den meisten anderen Salamandern. Diese Aktivitätsmuster ermöglicht ihm die Nutzung der spärlichen Sonnenwärme in den Hochlagen. Er ist besonders nach Regenfällen und bei nebligem Wetter aktiv, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist, um die Hautatmung zu ermöglichen.
Die Art übersteht die langen, kalten Alpenwinter in einer ausgedehnten Winterruhe von Oktober bis April/Mai, die er in tiefen Felsspalten, unter Steinen oder in Erdlöchern verbringt. In den höchsten Lagen kann die aktive Jahreszeit auf nur 3–4 Monate beschränkt sein. Die schwarze Färbung ermöglicht eine effiziente Thermoregulation durch Sonnenabsorption.
Ernährung
Der Schwarze Salamander ernährt sich von alpinen Wirbellosen wie Insekten, Spinnen, Regenwürmern, Schnecken und Asseln. Die Nahrungsverfügbarkeit ist in den Hochlagen oft begrenzt, und die Art muss die kurze Aktivitätsperiode effizient zur Nahrungsaufnahme nutzen.
Die Beute wird durch langsames Absuchen des Bodens und Zupacken erbeutet. Aufgrund der kurzen Vegetationsperiode in den Hochlagen und der damit verbundenen geringeren Insektendichte frisst der Alpensalamander weniger, wächst langsamer und lebt länger als Tiefland-Salamander. Seine gesamte Lebensweise ist auf die extreme Umgebung der Hochalpen abgestimmt.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Schwarzen Salamanders ist eine der bemerkenswertesten im gesamten Tierreich. Er ist vollständig vivipar (lebendgebärend) – das Weibchen bringt nur 1–2 vollständig entwickelte, etwa 4–5 cm lange Jungtiere zur Welt, die keinerlei Larvalmerkmale mehr aufweisen. Es gibt kein Larvenstadium und keinen Kontakt zum Wasser!
Die Tragzeit ist extrem lang und kann je nach Höhenlage 2–3 Jahre dauern – eine der längsten Tragzeiten im gesamten Tierreich bei Wirbeltieren dieser Größe. Im Uterus entwickeln sich zunächst viele Eier, von denen jedoch nur 1–2 überleben und sich von den unbefruchteten Eiern ernähren (Adelphophagie). Diese extreme K-Strategie mit wenigen, aber gut entwickelten Nachkommen ist eine Anpassung an die extremen Lebensbedingungen in den Hochalpen.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Schwarzen Salamanders im Terrarium ist möglich, erfordert aber kühle Temperaturen, die in normalen Wohnräumen schwer zu realisieren sind. Ein Terrarium ab 60 × 30 × 30 cm mit einer Schicht Walderde, Moos, Steinen und Verstecken ist geeignet. Ein Wasserbecken ist nicht nötig, aber die Feuchtigkeit muss hoch sein.
Die Temperatur sollte tagsüber 12–18 °C betragen und darf 20 °C nicht dauerhaft übersteigen – idealerweise steht das Terrarium in einem kühlen Keller oder einem klimatisierten Raum. Eine Winterruhe bei 2–5 °C über 4–5 Monate ist essenziell. Gefüttert wird mit Regenwürmern, Asseln, kleinen Heimchen und Wachsmottenlarven. Die Art ist in Europa streng geschützt und darf nicht der Natur entnommen werden – nur Nachzuchten dürfen gehalten werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Schwarze Salamander wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In den Kernbereichen der Alpen ist er noch relativ häufig. Allerdings stellt der Klimawandel eine zunehmende Bedrohung dar, da steigende Temperaturen das Habitat in höhere Lagen verdrängen, wo irgendwann kein Ausweichraum mehr vorhanden ist.
Die Art ist durch die Berner Konvention, die FFH-Richtlinie (Anhang IV) und nationale Schutzgesetze aller Alpenländer geschützt. Besonders die Unterart S. atra aurorae in Norditalien gilt als vom Aussterben bedroht. Der Schutz alpiner Lebensräume und die Überwachung der Auswirkungen des Klimawandels auf Hochgebirgspopulationen sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Salamandra atra – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Salamandra atra – iucnredlist.org
- Sparreboom, M. (2014): Salamanders of the Old World. KNNV Publishing.
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
