Der Seegras-Geisterpfeifenfisch ist ein meisterhafter Tarnkünstler der tropischen Meere. Mit seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu Seegrasblättern und seiner schwebenden Haltung mit dem Kopf nach unten gehört er zu den faszinierendsten Fischen des Indopazifiks.
| Wissenschaftlicher Name | Solenostomus cyanopterus |
| Ordnung | Seenadelartige (Syngnathiformes) |
| Familie | Geisterpfeifenfische (Solenostomidae) |
| Gattung | Solenostomus |
| Größe | 10–17 cm |
| Lebenserwartung | 1–2 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Rotes Meer bis Fidschi, Japan bis Australien) |
| Lebensraum | Seegraswiesen, Algenfelder, sandige Riffbereiche |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 200 Liter (Spezialistenbecken) |
| Temperatur | 24–27 °C |
| Salinität | 1,023–1,025 |
Beschreibung & Aussehen
Der Seegras-Geisterpfeifenfisch erreicht eine Körperlänge von 10–17 cm und besitzt einen langgestreckten, seitlich abgeflachten Körper mit einer langen, röhrenförmigen Schnauze. Sein gesamtes Erscheinungsbild ist perfekt an die Tarnung zwischen Seegras und treibenden Algen angepasst. Die Färbung variiert stark und kann grün, braun, gelblich oder rötlich sein – immer passend zur jeweiligen Umgebung.
Die großen, fächerförmigen Bauchflossen sind ein besonderes Merkmal und dienen dem Weibchen als Brutraum für die Eier. Der Körper ist mit zahlreichen hautartigen Anhängen und Fransen besetzt, die die Konturen auflösen und die Tarnung perfektionieren. Die Schwanzflosse ist gerundet, die Rückenflosse zweigeteilt. Im Gegensatz zu echten Seenadeln besitzen Geisterpfeifenfische eine freie, nicht mit dem Körper verwachsene Rückenflosse.
Verbreitung & Lebensraum
Du findest den Seegras-Geisterpfeifenfisch im gesamten tropischen Indopazifik, vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik. Er lebt in Tiefen von 1–25 Metern in der Nähe von Seegraswiesen, Algenfeldern und sandigen Riffbereichen.
Die Tiere halten sich bevorzugt in geschützten Buchten und Lagunen auf, wo Seegras und Makroalgen in ausreichender Menge vorhanden sind. Sie schweben meist senkrecht oder schräg mit dem Kopf nach unten zwischen den Pflanzen und sind durch ihre perfekte Tarnung selbst für erfahrene Taucher extrem schwer zu entdecken.
Lebensweise & Verhalten
Der Seegras-Geisterpfeifenfisch ist ein Meister der Tarnung. Er schwebt nahezu regungslos zwischen Seegrasblättern und ahmt deren Bewegung im Wasser perfekt nach. Selbst die Farbe passt er seiner Umgebung an. Die Tiere leben meist paarweise und sind tagaktiv, bewegen sich jedoch äußerst langsam und bedächtig.
Anders als bei den verwandten Seenadeln und Seepferdchen ist es beim Geisterpfeifenfisch das Weibchen, das die Eier trägt. Sie werden in einer Bruttasche zwischen den vergrößerten Bauchflossen gehalten und dort bis zum Schlupf bewacht. Die Tiere haben vermutlich nur eine kurze Lebensspanne von ein bis zwei Jahren.
Ernährung
In der Natur ernährt sich der Seegras-Geisterpfeifenfisch von winzigen Krebstieren und Zooplankton, die er mit seiner röhrenförmigen Schnauze einsaugt. Die Beute wird durch blitzschnelles Aufreißen des Mauls angesaugt – eine Technik, die für Seenadelartige typisch ist.
Die Haltung im Aquarium ist extrem anspruchsvoll, da die Tiere häufig nur Lebendfutter akzeptieren. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Copepoden und Mysis-Larven sind die wichtigsten Futtertiere. Eine Umgewöhnung an Frostfutter gelingt nur selten und erfordert viel Geduld. Mehrmals tägliche Fütterung mit kleinen Portionen ist unerlässlich.
Fortpflanzung
Bei der Fortpflanzung des Seegras-Geisterpfeifenfischs nimmt das Weibchen eine besondere Rolle ein: Es trägt die befruchteten Eier in einer Bruttasche, die von den vergrößerten Bauchflossen gebildet wird. Dies unterscheidet die Geisterpfeifenfische von den verwandten Seenadeln und Seepferdchen, bei denen das Männchen die Brutpflege übernimmt.
Das Weibchen kann mehrere hundert Eier gleichzeitig tragen. Die Entwicklung dauert je nach Wassertemperatur mehrere Wochen. Die geschlüpften Jungfische sind winzig und treiben zunächst als Plankton im freien Wasser. Eine Nachzucht im Aquarium ist bisher nicht gelungen, alle Tiere im Handel sind Wildfänge.
Haltung im Aquarium
Der Seegras-Geisterpfeifenfisch ist ein absoluter Spezialist und nur für sehr erfahrene Aquarianer geeignet. Ein Spezialbecken ab 200 Litern mit reichlich Makroalgen oder künstlichem Seegras als Versteck- und Ruheplatz ist erforderlich. Die Strömung sollte sehr sanft sein, da die Tiere keine starken Strömungen vertragen.
Die größte Herausforderung ist die Ernährung: Die meisten Geisterpfeifenfische akzeptieren nur Lebendfutter und verhungern ohne eine zuverlässige Versorgung mit Copepoden und Artemia-Nauplien. Ein angeschlossenes Refugium zur Planktonproduktion ist sehr empfehlenswert.
Vergesellschafte sie nur mit ruhigen, langsamen Arten wie Seepferdchen oder Mandarinfischen. Schnelle oder aggressive Mitbewohner stressen die empfindlichen Tiere enorm. Aufgrund der hohen Ansprüche und der kurzen Lebenserwartung ist die Art für die Aquarienhaltung nur bedingt empfehlenswert.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Seegras-Geisterpfeifenfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Indopazifik weit verbreitet, jedoch aufgrund ihrer hervorragenden Tarnung schwer zu erfassen. Lokale Bedrohungen bestehen durch die Zerstörung von Seegraswiesen und Küstenlebensräumen.
Für den Aquarienhandel werden die Tiere ausschließlich als Wildfänge gesammelt. Die Nachfrage ist gering, da die Haltung extrem anspruchsvoll ist. Dennoch sollte der Fang verantwortungsvoll erfolgen, um lokale Populationen nicht zu gefährden. Nachzuchten existieren bislang nicht.
Quellen
- FishBase: Solenostomus cyanopterus – fishbase.se
- IUCN Red List: Solenostomus cyanopterus – iucnredlist.org
- Kuiter, R. H. (2009): Seahorses and their Relatives. Aquatic Photographics.
- Debelius, H. (1999): Indian Ocean Reef Guide. IKAN-Unterwasserarchiv.
- Froese, R. & Pauly, D. (Hrsg.): FishBase – fishbase.org
