Molche

Sibirischer Winkelzahnmolch (Salamandrella keyserlingii)

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Sibirischer Winkelzahnmolch (Salamandrella keyserlingii)

Bildquelle: Miroslav Hlavko / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Sibirische Winkelzahnmolch besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Salamander weltweit – von Nordosteuropa über ganz Sibirien bis nach Japan und Korea. Diese bemerkenswerte Art überlebt Temperaturen von bis zu -40 °C und ist hervorragend an das extreme Klima der sibirischen Taiga angepasst. Er gehört zur urtümlichen Familie der Winkelzahnmolche.

Der Sibirische Winkelzahnmolch besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Salamander weltweit – von Nordosteuropa über ganz Sibirien bis nach Japan und Korea. Diese bemerkenswerte Art überlebt Temperaturen von bis zu -40 °C und ist hervorragend an das extreme Klima der sibirischen Taiga angepasst. Er gehört zur urtümlichen Familie der Winkelzahnmolche.

Steckbrief: Sibirischer Winkelzahnmolch (Salamandrella keyserlingii)
Wissenschaftlicher NameSalamandrella keyserlingii
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieWinkelzahnmolche (Hynobiidae)
GattungSalamandrella
Größe9–13 cm
Gewicht3–8 g
Lebenserwartung8–12 Jahre
VerbreitungSibirien, Nordostasien (größtes Verbreitungsgebiet aller Salamander)
LebensraumTaiga-Wälder, Teiche, Tümpel
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Sibirische Winkelzahnmolch erreicht eine Gesamtlänge von 8–13 cm und hat einen schlanken, leicht seitlich abgeflachten Körperbau. Die Grundfarbe variiert von graubraun über olivbraun bis dunkelbraun, manchmal mit einem bronzefarbenen Schimmer. Entlang des Rückens verläuft oft ein hellerer, goldbrauner Dorsalstreifen. Die Unterseite ist heller, cremefarben bis gelblich.

Der Kopf ist breit und leicht abgeflacht mit relativ großen, hervortretenden Augen. Die Haut ist glatt und feucht. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und etwa so lang wie der Rumpf. Eine Besonderheit der Winkelzahnmolche sind die namensgebenden winkelig angeordneten Zähne am Gaumenbein. Die Art besitzt nur vier Zehen an den Hinterfüßen, im Gegensatz zu fünf bei den meisten anderen Schwanzlurchen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Sibirische Winkelzahnmolch hat das weiteste Verbreitungsgebiet aller Salamander der Welt. Es erstreckt sich von Nordosteuropa (Archangelsk-Region) über ganz Sibirien bis nach Japan, Korea und Nordostchina. Das Areal umfasst über 10.000 km in Ost-West-Richtung und ist das einzige Salamander-Verbreitungsgebiet, das den Polarkreis überquert.

Die Art bewohnt hauptsächlich Taiga-Wälder (Nadel- und Mischwälder), kommt aber auch in Waldsteppen, Tundra-Randgebieten und sogar in städtischen Parks vor. Als Laichgewässer nutzt sie flache, stehende Gewässer wie Waldtümpel, überschwemmte Wiesen, Gräben und flache Teiche. Die erstaunliche Frosttoleranz – die Art überlebt Temperaturen bis -40 °C durch die Produktion von Kryoprotektoren – ermöglicht das Überleben im extremsten Klima aller Salamander.

Lebensweise & Verhalten

Der Sibirische Winkelzahnmolch ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Er verbringt den Tag unter Baumstämmen, Steinen, in der Moos- und Laubschicht oder in Nagetierbauten. In den kurzen Sommern der Taiga kann er auch tagsüber aktiv beobachtet werden, besonders während der Fortpflanzungszeit.

Die Winterruhe ist bei dieser Art besonders bemerkenswert. In den extremen sibirischen Wintern friert der Molch in seinem Versteck teilweise ein – sein Körper produziert Glycerin und andere Kryoprotektoren, die die Zellen vor Frostschäden schützen. Tiere, die im Permafrostboden eingeschlossen waren, konnten nach dem Auftauen wieder zum Leben erweckt werden. Die Winterruhe kann in den nördlichsten Verbreitungsgebieten 7–8 Monate dauern.

Ernährung

Der Sibirische Winkelzahnmolch ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser. An Land frisst er Insekten, Spinnen, Regenwürmer, Asseln und Schnecken. Im Wasser erbeutet er Mückenlarven, Wasserflöhe und andere aquatische Wirbellose. Die kurze Aktivitätsperiode im Sommer erfordert eine intensive Nahrungsaufnahme.

In Gefangenschaft nimmst du die Art mit kleinen Regenwürmern, Heimchen, Mückenlarven und Enchyträen an. Die Fütterung erfolgt 2–3 Mal pro Woche während der Aktivitätsphase. Vor der Winterruhe solltest du die Fütterung erhöhen, damit die Tiere ausreichend Reserven aufbauen können. Während der Winterruhe wird nicht gefüttert.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt unmittelbar nach dem Auftauen der Gewässer im Frühjahr – je nach Breitengrad von April bis Juni. Die Tiere wandern zu flachen Waldtümpeln und überschwemmten Senken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schwanzlurchen praktiziert der Sibirische Winkelzahnmolch eine äußere Befruchtung: Das Weibchen legt Laichballen ab, die vom Männchen anschließend besamt werden.

Jedes Weibchen legt zwei sichelförmige Laichballen mit jeweils 30–120 Eiern, die an Pflanzen oder Äste im Wasser geheftet werden. Die Larvenentwicklung ist aufgrund der kurzen Sommer schnell und dauert nur 2–3 Monate. Die Jungmolche metamorphosieren noch im selben Sommer und suchen dann Landlebensräume auf. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Sibirische Winkelzahnmolch ist ein anspruchsloser, aber kälteliebender Pflegling. Ein Terrarium ab 60 × 30 cm Grundfläche mit einer feuchten Erdschicht, Moos, Laub und einem flachen Wasserbecken eignet sich für ein Paar. Die Temperatur sollte 10–18 °C betragen – diese Art verträgt keine Temperaturen über 20 °C und muss im Sommer zwingend kühl gehalten werden.

Gefüttert wird mit kleinen Regenwürmern, Heimchen, Mückenlarven und Enchyträen. Eine lange Winterruhe bei 0–5 °C über 4–6 Monate ist essenziell und entspricht den natürlichen Bedingungen. Die Art ist im europäischen Handel nur selten erhältlich, wird aber gelegentlich von Spezialisten nachgezüchtet. Die extreme Kältetoleranz macht sie zu einem faszinierenden, aber in warmen Räumen schwierig zu haltenden Pflegling.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Sibirische Winkelzahnmolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Aufgrund seines riesigen Verbreitungsgebiets und der großen Gesamtpopulation gilt die Art als nicht bedroht. In einigen Randgebieten der Verbreitung können lokale Bestände durch Lebensraumverlust und Gewässerverschmutzung zurückgehen.

Langfristig könnte der Klimawandel eine Rolle spielen: Steigende Temperaturen könnten die Art in nördlichere Gebiete verdrängen, während die Erwärmung der Permafrostböden die Winterruhe beeinflussen könnte. In Russland und anderen Herkunftsländern ist die Art durch nationale Naturschutzgesetze geschützt.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Salamandrella keyserlingiiamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Salamandrella keyserlingiiiucnredlist.org
  3. Poyarkov, N. A. & Kuzmin, S. L. (2008): Phylogeography of the Siberian newt Salamandrella keyserlingii. Molecular Ecology, 17, 2637–2651.
  4. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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