Der Speleomantes-Salamander, auch Strinatis Höhlensalamander genannt, ist der einzige europäische Vertreter der lungenlosen Salamander (Plethodontidae) – einer Familie, die sonst fast ausschließlich in Amerika vorkommt. Er lebt in Höhlen, Felsspalten und an schattigen Felswänden in den ligurischen Alpen und den Seealpen.
| Wissenschaftlicher Name | Speleomantes strinatii |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Speleomantes |
| Größe | 10–13 cm |
| Gewicht | 4–8 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Nordwestitalien, Südostfrankreich |
| Lebensraum | Höhlen, Felsspalten, schattige Felswände |
| Schutzstatus | Potenziell gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Speleomantes-Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–13 cm und besitzt einen schlanken, leicht abgeflachten Körper mit gut entwickelten Beinen. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis grauschwarz mit variablen helleren Flecken oder Marmorierungen auf dem Rücken. Die Unterseite ist heller, meist grau mit dunkler Sprenkelung.
Die Zehen sind an den Spitzen leicht verbreitert und mit Schwimmhäuten verbunden – Anpassungen an das Klettern auf feuchten Felswänden. Der Schwanz ist rund und kann bei Bedrohung abgeworfen werden. Als einziger europäischer lungenloser Salamander besitzt er keine Lungen und atmet ausschließlich über die Haut und die Mundschleimhaut. Die Nasolabialrinne, typisch für Plethodontiden, ist gut sichtbar.
Verbreitung & Lebensraum
Der Speleomantes-Salamander kommt in einem relativ kleinen Gebiet in Nordwestitalien (Ligurien, Piemont) und im angrenzenden Südostfrankreich (Alpes-Maritimes) vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst die ligurischen Alpen und die Seealpen in Höhenlagen von Meeresniveau bis etwa 2.400 m.
Du findest diesen Salamander vorwiegend in Höhlen, Felsspalten, an schattigen und feuchten Felswänden sowie unter Steinen in felsigem Gelände. Er bevorzugt Kalksteingebiete mit zahlreichen natürlichen Hohlräumen. In Höhlen dringt er manchmal tief in die Dunkelzone vor. Auch alte Steinmauern, Brunnen und feuchte Keller können als Lebensraum genutzt werden.
Lebensweise & Verhalten
Der Speleomantes-Salamander ist überwiegend nachtaktiv und verlässt seine Felsverstecke bei feuchtem Wetter, um an Felswänden und auf dem Boden zu jagen. Er ist ein geschickter Kletterer und kann an vertikalen und sogar überhängenden Felswänden klettern. Die verbreiterten Zehenspitzen und Schwimmhäute ermöglichen ein Haften auf nassen Felsenflächen.
Besonders bemerkenswert ist seine projizierbare Zunge, die er mit enormer Geschwindigkeit herausschleudern kann, um Beutetiere aus der Entfernung zu fangen. Die Zunge kann auf eine Distanz von mehr als der Körperlänge geschleudert werden und kehrt mit der Beute in weniger als 10 Millisekunden zurück – einer der schnellsten Bewegungen im gesamten Tierreich!
Ernährung
Die Nahrung des Speleomantes-Salamanders besteht aus kleinen Wirbellosen, die er an Felswänden und in Höhlen erbeutet. Zu den Beutetieren zählen Insekten, Spinnen, Asseln, Hundertfüßer und Höhlen-Wirbellose wie Springschwänze und Höhlenspinnen. In Höhlen nutzt er das ganzjährig stabile Nahrungsangebot.
Die extrem schnelle, projizierbare Zunge ermöglicht die effiziente Jagd auf Beute an Felswänden und Decken. Der Salamander kann ruhig auf einer Felsfläche sitzen und blitzschnell zuschlagen, wenn ein Beutetier in Reichweite kommt. Diese Jagdstrategie ist besonders in der Dunkelheit von Höhlen effektiv, wo die Beute den lauernden Jäger nicht sehen kann.
Fortpflanzung
Die Paarung findet im Herbst oder Frühjahr statt. Das Männchen führt einen Balztanz auf und setzt ein Spermatophor ab, das vom Weibchen aufgenommen wird. Das Weibchen legt eine geringe Anzahl großer Eier (5–15) in feuchten Höhlennischen oder Felsspalten ab und bewacht diese während der gesamten Entwicklungszeit.
Die Entwicklung verläuft direkt ohne aquatisches Larvenstadium. Die Jungtiere schlüpfen nach mehreren Monaten als vollständig metamorphosierte Miniatur-Salamander. Die Reproduktionsrate ist niedrig, und die Weibchen pflanzen sich vermutlich nur alle 2–3 Jahre fort. Die langsame Reproduktion wird durch eine relativ hohe Lebenserwartung kompensiert. Die Geschlechtsreife wird nach 3–5 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Speleomantes-Salamanders ist aufgrund seines Schutzstatus und seiner speziellen Ansprüche eine Herausforderung. Ein Terrarium ab 40 × 30 × 40 cm mit zahlreichen Felsstücken, Spalten und Kletteroberflächen ist erforderlich. Die Rückwand kann mit strukturierter Korkrinde oder Naturstein gestaltet werden, um vertikale Kletterflächen zu bieten.
Die Temperatur sollte bei 12–18 °C liegen – höhere Temperaturen sind schädlich. Die Luftfeuchtigkeit muss sehr hoch sein (80–95 %), wobei stehendes Wasser vermieden werden sollte. Gefüttert wird mit kleinen Heimchen, Drosophila, Springschwänzen und Asseln. Die Art steht unter europäischem Schutz, und eine Haltung erfordert Genehmigungen. Nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Speleomantes-Salamander wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind Lebensraumverlust durch touristische Erschließung von Höhlen, Steinbrüche, Straßenbau und der Klimawandel. Die zunehmende Trockenheit im Mittelmeerraum kann die Feuchtigkeitsverhältnisse in den oberflächennahen Habitaten negativ beeinflussen.
Die Art ist durch die Berner Konvention (Anhang II), die FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) und nationale Schutzgesetze in Italien und Frankreich geschützt. Mehrere Höhlen in seinem Verbreitungsgebiet sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Der Schutz der Höhlenhabitate vor touristischer Übernutzung und Vandalismus ist besonders wichtig.
Quellen
- AmphibiaWeb: Speleomantes strinatii – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Speleomantes strinatii – iucnredlist.org
- Lanza, B. et al. (2006): Fauna d'Italia – Amphibia. Calderini, Bologna.
- Sparreboom, M. (2014): Salamanders of the Old World. KNNV Publishing.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
