Die Spitzschlammschnecke ist die größte heimische Süßwasserschnecke und eine faszinierende Art für Kaltwasseraquarien und Gartenteiche. Mit ihrem spitz zulaufenden, turmförmigen Gehäuse und einer Länge von bis zu 6 cm ist sie kaum zu verwechseln.
| Wissenschaftlicher Name | Lymnaea stagnalis |
| Ordnung | Basommatophora |
| Familie | Schlammschnecken (Lymnaeidae) |
| Gattung | Lymnaea |
| Größe | 4–6 cm (Gehäuselänge) |
| Lebenserwartung | 2–3 Jahre |
| Verbreitung | Europa, Nordasien, Nordamerika |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Gewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) |
| Aquarium | ab 30 Liter |
| Temperatur | 4–25 °C |
| pH-Wert | 6,5–8,5 |
| Wasserhärte | 5–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Spitzschlammschnecke ist mit einer Gehäuselänge von 4–6 cm die größte Süßwasser-Lungenschnecke Europas. Das Gehäuse ist rechtsgewunden, schlank-kegelförmig mit einem spitzen Apex und 7–8 Windungen. Die letzte Windung ist deutlich größer als die vorherigen. Die Gehäusefarbe reicht von hellbraun über hornfarben bis grünlich-braun, oft durchscheinend.
Der Weichkörper ist graubraun bis dunkeloliv mit hellen Flecken und Punkten. Charakteristisch sind die breiten, flachen, dreieckigen Fühler, die eher an Ohren erinnern – ein typisches Merkmal der Schlammschnecken. Die Augen sitzen an der Innenbasis der Fühler. Ein Deckel fehlt. Die Spitzschlammschnecke ist eine Lungenschnecke und steigt regelmäßig zur Oberfläche, um Luft zu atmen.
Verbreitung & Lebensraum
Die Spitzschlammschnecke ist in ganz Europa, Nordasien und Teilen Nordamerikas verbreitet. Sie gehört zu den häufigsten und bekanntesten Süßwasserschnecken der gemäßigten Breiten. Die Art bewohnt stehende und langsam fließende Gewässer – Teiche, Seen, Gräben, Altarme und ruhige Flussbuchten.
Sie bevorzugt pflanzenreiche, nährstoffreiche Gewässer mit schlammigem Grund. In der Natur findet man sie oft an der Wasseroberfläche, an Wasserpflanzen oder an Steinen im Uferbereich. Die Art ist ausgesprochen kältetolerant und übersteht strenge Winter unter der Eisdecke. In Gartenteichen ist sie ein häufiger und willkommener Bewohner.
Lebensweise & Verhalten
Die Spitzschlammschnecke ist überwiegend tagaktiv und eine der mobilsten Süßwasserschnecken. Sie bewegt sich auf ihrem breiten Fuß über Pflanzen, Steine und den Gewässergrund. Häufig ist sie auch an der Wasseroberfläche zu beobachten, wo sie sich hängend an der Unterseite des Wasserfilms fortbewegt – ein faszinierendes Verhalten, das als „surface crawling" bezeichnet wird.
Als Lungenschnecke steigt sie regelmäßig zur Oberfläche, um ihre Lungenhöhle zu belüften. Der Atemvorgang ist als charakteristisches Knacken hörbar. Die Art ist ein wichtiger Modellorganismus in der Neurobiologie – ihr relativ einfaches Nervensystem mit großen, leicht zugänglichen Nervenzellen wird seit Jahrzehnten für Lernforschung und Gedächtnisstudien genutzt.
Ernährung
Die Spitzschlammschnecke ist ein Allesfresser mit einer Tendenz zu pflanzlicher Kost. Sie frisst Algenaufwuchs, abgestorbene Pflanzenteile, Aas, Futterreste und Biofilme. Im Gegensatz zu manchen anderen Schnecken kann sie auch lebende Wasserpflanzen anfressen, besonders weichblättrige Arten wie Wasserlinsen und zarte Stängelpflanzen.
Im Aquarium oder Gartenteich kannst du mit überbrühtem Gemüse (Salat, Zucchini, Gurke), Welstabletten und Fischfutter zufüttern. Proteinreiches Futter wird gerne angenommen. Kalziumquellen wie Sepiaschalen oder Eierschalen sollten stets verfügbar sein, um den Gehäuseaufbau zu unterstützen.
Fortpflanzung
Die Spitzschlammschnecke ist ein Zwitter und kann sich sowohl selbst befruchten als auch mit Partnern paaren. Bei der Paarung übernimmt ein Tier die männliche, das andere die weibliche Rolle. Die Eiablage erfolgt in länglichen, gallertartigen Laichschnüren, die an Pflanzen, Steinen und anderen Oberflächen befestigt werden.
Jede Laichschnur enthält 50–120 Eier. Die Entwicklung dauert je nach Temperatur 10–25 Tage. Die Jungschnecken sind beim Schlupf etwa 3 mm lang und wachsen schnell heran. Die Geschlechtsreife wird nach 2–3 Monaten erreicht. Unter günstigen Bedingungen kann die Art mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen.
Haltung im Aquarium
Die Spitzschlammschnecke eignet sich besonders für Kaltwasseraquarien und Gartenteiche. Ein Becken ab 30 Liter ist ausreichend. Die Wassertemperatur kann zwischen 4 und 25 °C liegen – die Art ist nicht für dauerhaft tropische Temperaturen geeignet. Der pH-Wert sollte zwischen 6,5 und 8,5 liegen.
Beachte, dass die Spitzschlammschnecke weichblättrige Pflanzen anfressen kann. Für bepflanzte Aquarien mit empfindlichen Pflanzen ist sie daher nur bedingt geeignet. In Gartenteichen und Kaltwasserbecken mit robusten Pflanzen fühlt sie sich dagegen wohl. Eine Abdeckung ist empfehlenswert, da die Schnecke kletterfreudig ist. Die Art ist in der Natur sehr häufig und kann auch aus dem Gartenteich oder von seriösen Züchtern bezogen werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Spitzschlammschnecke ist in Europa weit verbreitet und insgesamt nicht gefährdet. Die IUCN führt sie als „Least Concern". Lokale Bestandsrückgänge können durch Gewässerverschmutzung, den Verlust von Kleingewässern und intensive Landwirtschaft auftreten.
In der wissenschaftlichen Forschung spielt die Art eine wichtige Rolle als Modellorganismus für Neurobiologie und Ökotoxikologie. Sie wird in Laboratorien weltweit gezüchtet und untersucht. Als heimische Art unterliegt sie dem allgemeinen Artenschutz, ist aber nicht besonders geschützt.
Quellen
- Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
- Benjamin, P.R. & Kemenes, G. (2008): Lymnaea stagnalis – a model for learning and memory. Scholarpedia.
- Gastropods.com – Lymnaeidae – gastropods.com
- AquaInfo: Spitzschlammschnecke – aqua-info.de
