Süßwasserschnecken

Süßwasserschnecken

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Kristallrote Zwerggarnele

Foto: Andrea Bernd

Zusammenfassung

Süßwasserschnecken sind faszinierende Bewohner des Aquariums, die weit mehr als nur „Mitbewohner" sind. Sie fressen Algen, verwerten Futterreste und lockern den Bodengrund auf. Von der winzigen Blasenschnecke bis zur imposanten Apfelschnecke bieten sie eine erstaunliche Vielfalt an Formen, Farben und Lebensweisen.

Was sind Süßwasserschnecken?

Süßwasserschnecken gehören zur Klasse der Gastropoda (Bauchfüßer) und besiedeln Süßgewässer auf allen Kontinenten. In der Aquaristik spielen sie eine wichtige Rolle als nützliche Helfer: Sie fressen Algenaufwuchs, verwerten abgestorbene Pflanzenteile und Futterreste und tragen so zur biologischen Balance im Aquarium bei. Einige Arten wie die Turmdeckelschnecke lockern zudem den Bodengrund auf und verhindern Fäulniszonen.

Die Haltung von Süßwasserschnecken hat in den letzten Jahren deutlich an Popularität gewonnen. Neben den „klassischen" Arten wie Posthornschnecke und Blasenschnecke, die oft als blinde Passagiere ins Aquarium gelangen, werden inzwischen viele attraktive Arten gezielt gehalten und gezüchtet – darunter farbenprächtige Rennschnecken, Teufelshörnchen und Apfelschnecken.

Merkmale

Süßwasserschnecken besitzen einen weichen Körper, der von einem spiralförmig gewundenen oder napfförmigen Gehäuse geschützt wird. Der Körper gliedert sich in Kopf, Fuß und Eingeweidesack. Am Kopf sitzen Fühler (Tentakel) und Augen, wobei die Augenposition je nach Art variiert – bei Lungenschnecken an der Basis der Fühler, bei Kiemenschnecken an der Fühlerspitze. Der breite, muskulöse Fuß dient der Fortbewegung und hinterlässt eine Schleimspur.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das Vorhandensein oder Fehlen eines Deckels (Operculum). Deckelschnecken wie Turmdeckelschnecken und Rennschnecken können ihr Gehäuse mit diesem hornigen oder kalkigen Deckel verschließen, was sie vor Austrocknung und Fressfeinden schützt. Lungenschnecken wie Posthornschnecken und Blasenschnecken besitzen keinen Deckel, können dafür aber atmosphärische Luft atmen.

Die Gehäuseformen sind äußerst vielfältig: Von der flachen Scheibe der Posthornschnecke über das turmförmig-spitze Gehäuse der Turmdeckelschnecke bis zum kugelrunden Gehäuse der Apfelschnecke. Die Färbung reicht von schlicht braun über gestreift und gefleckt bis hin zu leuchtend gelb, orange oder schwarz.

Beliebte Arten

Zu den beliebtesten Süßwasserschnecken in der Aquaristik gehören:

  • Rennschnecke (Neritina natalensis): Hervorragender Algenfresser mit hübschen Streifenmustern, vermehrt sich nicht im Süßwasser.
  • Teufelshörnchen (Clithon corona/diadema): Kleine Neritidae mit markanten Hörnchen am Gehäuse, ebenfalls ein fleißiger Algenfresser.
  • Apfelschnecke (Pomacea diffusa): Friedliche, farbenprächtige Schnecke in gelb, blau, weiß oder gestreift.
  • Posthornschnecke (Planorbarius corneus): Robuste heimische Art mit flachem, scheibenförmigem Gehäuse.
  • Malaiische Turmdeckelschnecke (Melanoides tuberculata): Nachtaktiver Bodenbewohner, der den Bodengrund auflockert.
  • Zebra-Apfelschnecke (Asolene spixi): Attraktive, kleinere Apfelschnecke mit Streifenmuster.

Haltung im Aquarium

Die meisten Süßwasserschnecken sind pflegeleicht und stellen keine besonderen Ansprüche an die Haltung. Wichtig ist ein gut eingefahrenes Aquarium mit stabilen Wasserwerten. Viele Arten bevorzugen mittelhartes bis hartes Wasser (GH 8–20 °dGH), da sie Kalk für den Aufbau ihres Gehäuses benötigen. Zu weiches, saures Wasser kann zu Gehäusekorrosion führen – die Schale wird dann löchrig und dünn.

Der pH-Wert sollte idealerweise im neutralen bis leicht alkalischen Bereich liegen (7,0–8,5). Kupfer ist für Schnecken hochgiftig – achte daher darauf, dass Dünger, Medikamente und Wasseraufbereiter kupferfrei sind. Viele Schneckenarten können aus dem Aquarium klettern, daher ist eine Abdeckung empfehlenswert, besonders bei Apfelschnecken.

Fütterung

Die meisten Süßwasserschnecken sind Allesfresser und ernähren sich von Algenaufwuchs, Biofilmen, abgestorbenen Pflanzenteilen und Futterresten. In gut eingefahrenen Aquarien finden sie oft ausreichend Nahrung. Bei höherem Besatz oder in sauberen Becken solltest du zufüttern: Überbrühtes Gemüse (Zucchini, Gurke, Spinat, Brennnessel), Seemandelbaumblätter, spezielle Schneckensticks und gelegentlich Proteinreiches wie Frostfutter oder Fischfuttertabletten.

Kalk ist für den Gehäuseaufbau essenziell. Du kannst Sepiaschalen, Eierschalen oder spezielle Mineralsteine ins Aquarium geben, um eine ausreichende Kalziumversorgung sicherzustellen. Besonders bei weichem Wasser ist eine Kalziumergänzung wichtig.

Schneckenplage vermeiden

Eine „Schneckenplage" ist in Wirklichkeit meist ein Zeichen für ein Überangebot an Nahrung im Aquarium. Schnecken vermehren sich genau so stark, wie es das Nahrungsangebot zulässt. Wenn du die Futtermenge reduzierst und regelmäßig Mulm absaugst, reguliert sich die Population von selbst. Neue Pflanzen solltest du vor dem Einsetzen gründlich abspülen oder in einer Alaun-Lösung baden, um blinde Passagiere zu entfernen.

Natürliche Fressfeinde wie Raubschnecken (Anentome helena) oder bestimmte Fischarten (Schmerlen, Kugelfische) können ebenfalls helfen, eine Schneckenpopulation zu kontrollieren. Chemische Schneckenbekämpfungsmittel solltest du jedoch vermeiden, da sie auch andere Wirbellose schädigen und die Wasserqualität belasten können.

Zucht

Die Zucht von Süßwasserschnecken variiert stark je nach Art. Lungenschnecken (Posthornschnecken, Blasenschnecken) sind Zwitter und vermehren sich oft massenhaft im Aquarium. Sie legen gallertartige Eigelege an Scheiben, Pflanzen und Dekorationsgegenständen ab. Deckelschnecken sind getrenntgeschlechtlich – du benötigst also Männchen und Weibchen für die Zucht.

Besonders interessant: Neritidae (Rennschnecken, Teufelshörnchen) legen zwar Eier im Süßwasser ab, die Larven benötigen jedoch Brackwasser für ihre Entwicklung. Eine Vermehrung im normalen Aquarium ist daher praktisch ausgeschlossen. Turmdeckelschnecken vermehren sich durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) – ein einzelnes Weibchen kann bereits eine Population gründen.

Quellen

  1. Gloer, P. (2019): Süßwassermollusken. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung.
  2. Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
  3. Gastropods.com – gastropods.com
  4. IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org

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