Die Sumpfdeckelschnecke ist eine faszinierende heimische Schneckenart mit einer Besonderheit: Sie ist lebendgebärend! Statt Eier zu legen, bringt sie fertig entwickelte Jungschnecken zur Welt. Mit ihrem konischen Gehäuse und den markanten dunklen Spiralbändern ist sie ein attraktiver Bewohner für Kaltwasseraquarien.
| Wissenschaftlicher Name | Viviparus viviparus |
| Ordnung | Architaenioglossa |
| Familie | Sumpfdeckelschnecken (Viviparidae) |
| Gattung | Viviparus |
| Größe | 3–4 cm (Gehäuselänge) |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Europa |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Gewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) |
| Aquarium | ab 54 Liter |
| Temperatur | 4–25 °C |
| pH-Wert | 7,0–8,5 |
| Wasserhärte | 8–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Sumpfdeckelschnecke besitzt ein konisch-kegelförmiges Gehäuse mit einer Höhe von 3–4 cm. Das Gehäuse ist rechtsgewunden, dickwandig und besteht aus 5–6 Windungen. Die Grundfarbe ist gelbbraun bis olivgrün mit 3 markanten, dunklen Spiralbändern, die über alle Windungen verlaufen. Die Gehäuseoberfläche ist glatt mit feinen Zuwachsstreifen.
Ein kräftiger, horniger Deckel (Operculum) verschließt die Gehäuseöffnung. Der Weichkörper ist dunkelgrau bis schwarz mit goldenen Punkten. Am Kopf sitzen zwei schlanke Fühler – beim Männchen ist der rechte Fühler verdickt und dient als Begattungsorgan (Penis). Dies macht die Geschlechtsbestimmung bei dieser Art relativ einfach. Die Art ist ein reiner Kiemenatmer.
Verbreitung & Lebensraum
Die Sumpfdeckelschnecke ist in weiten Teilen Europas verbreitet – von Großbritannien über Mitteleuropa bis nach Westsibirien. In Deutschland kommt sie in Flüssen, Seen, Kanälen und Teichen vor, bevorzugt in langsam fließenden oder stehenden Gewässern mit schlammigem Grund.
Die Art lebt sowohl auf dem Gewässergrund als auch auf Steinen und Wasserpflanzen. Sie bevorzugt eher nährstoffreiche, kalkhaltige Gewässer und meidet stark saure oder sehr weiche Gewässer. In natürlichen Populationen kann sie in hoher Dichte vorkommen, besonders in Altarmen und ruhigen Flussbuchten mit reichlich organischem Material.
Lebensweise & Verhalten
Die Sumpfdeckelschnecke ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegt sich gemächlich über den Gewässergrund und auf Steinen. Als Kiemenatmer ist sie auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen und kommt nicht an die Oberfläche zum Atmen. Sie kann bei schlechten Bedingungen ihren Deckel verschließen und in eine Ruhephase eintreten.
Im Winter reduziert die Sumpfdeckelschnecke ihre Aktivität deutlich und gräbt sich teilweise in den Schlamm ein. Sie ist kältetolerant und übersteht auch strenge Winter unter Eis. Die Art ist langlebig – unter guten Bedingungen können Sumpfdeckelschnecken 5–10 Jahre alt werden, was sie von den kurzlebigen Lungenschnecken deutlich unterscheidet.
Ernährung
Die Sumpfdeckelschnecke ernährt sich von Algenaufwuchs, Biofilmen, Detritus (organisches Material) und abgestorbenen Pflanzenteilen. Sie ist ein effizienter Filtrierer und kann auch Nahrungspartikel aus dem freien Wasser filtern – eine Fähigkeit, die nur wenige Süßwasserschnecken besitzen.
Lebende Pflanzen werden nicht angefressen, was die Art für bepflanzte Becken geeignet macht. Im Aquarium kannst du mit Welstabletten, Spirulina-Tabs, überbrühtem Gemüse und Seemandelbaumblättern zufüttern. Die Art ist genügsam und findet in gut eingefahrenen Becken mit etwas Mulm meist ausreichend Nahrung.
Fortpflanzung
Die namensgebende Besonderheit der Sumpfdeckelschnecke ist ihre Lebendgeburt (Viviparie). Im Gegensatz zu den meisten anderen Schnecken legt sie keine Eier, sondern die Embryonen entwickeln sich im Muttertier und werden als fertig entwickelte Jungschnecken geboren. Der Name „Viviparus" (lateinisch: „lebendig gebärend") bezieht sich auf diese einzigartige Fortpflanzungsweise.
Die Art ist getrenntgeschlechtlich. Nach der Befruchtung entwickeln sich die Embryonen im Uterus des Weibchens über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Ein Weibchen bringt 10–30 Jungschnecken pro Wurf zur Welt, die bei der Geburt bereits 5–8 mm groß sind. Die Geschlechtsreife wird erst nach 2–3 Jahren erreicht. Die langsame Vermehrung macht eine Schneckenplage praktisch unmöglich.
Haltung im Aquarium
Die Sumpfdeckelschnecke eignet sich hervorragend für Kaltwasser- und temperierte Aquarien. Ein Becken ab 54 Liter ist empfehlenswert, da die Art relativ groß wird. Die Wassertemperatur sollte zwischen 4 und 25 °C liegen – dauerhaft tropische Temperaturen werden nicht vertragen. Der pH-Wert sollte im alkalischen Bereich (7,0–8,5) liegen.
Hartes, kalkhaltiges Wasser (GH 8–25) wird bevorzugt. Als Kiemenatmer benötigt die Art eine gute Filterung und Sauerstoffversorgung. Der Bodengrund sollte sandig bis fein kiesig sein. Die Sumpfdeckelschnecke lässt sich gut mit heimischen Fischen, Garnelen und anderen Schnecken vergesellschaften. Die langsame Vermehrung ist ein großer Vorteil – eine Überpopulation tritt nicht auf.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Sumpfdeckelschnecke ist in Europa insgesamt noch verbreitet, geht aber in vielen Regionen durch Gewässerverschmutzung und -verbauung zurück. In einigen deutschen Bundesländern steht sie auf der Vorwarnliste oder der Roten Liste. Die langsame Vermehrungsrate macht die Art anfällig für Bestandsrückgänge.
Eine Entnahme aus der Natur ist in vielen Bundesländern genehmigungspflichtig. Für die Aquarienhaltung solltest du auf Nachzuchten zurückgreifen. Die Art profitiert von Gewässerrenaturierungen und der Verbesserung der Wasserqualität in europäischen Flüssen und Seen.
Quellen
- Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
- Jakubik, B. & Lewandowski, K. (2007): Life strategy of Viviparus viviparus. Folia Malacologica.
- Gastropods.com – Viviparidae – gastropods.com
- AquaInfo: Sumpfdeckelschnecke – aqua-info.de
