Frösche

Teichfrosch (Pelophylax esculentus)

4 Min. Lesezeit
Teichfrosch (Pelophylax esculentus)

Bildquelle: Michar Peppenster / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Teichfrosch ist einer der häufigsten Wasserfrösche Europas und ein biologisches Unikum: Er ist ein Hybrid (Klepton) aus dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch. Er vermehrt sich durch Hybridogenese, ein einzigartiges Fortpflanzungssystem, bei dem das Genom eines Elternteils eliminiert und durch Paarung mit einer Elternart ersetzt wird.

Der Teichfrosch ist einer der häufigsten Wasserfrösche Europas und ein biologisches Unikum: Er ist ein Hybrid (Klepton) aus dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch. Er vermehrt sich durch Hybridogenese, ein einzigartiges Fortpflanzungssystem, bei dem das Genom eines Elternteils eliminiert und durch Paarung mit einer Elternart ersetzt wird.

Steckbrief: Teichfrosch (Pelophylax esculentus)
Wissenschaftlicher NamePelophylax esculentus
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieEchte Frösche (Ranidae)
GattungPelophylax
Größe6–12 cm
Gewicht20–60 g
Lebenserwartung6–12 Jahre
VerbreitungEuropa (Mittel-, West- und Osteuropa)
LebensraumTeiche, Seen, Gräben, Flussauen, langsam fließende Gewässer
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Teichfrosch ist ein mittelgroßer bis großer Wasserfrosch mit einer Körperlänge von 6–12 cm. In Größe und Aussehen steht er zwischen seinen beiden Elternarten: dem größeren Seefrosch (P. ridibundus) und dem kleineren Kleinen Wasserfrosch (P. lessonae). Die Oberseite ist leuchtend grün bis bräunlich-grün mit dunkelbraunen oder schwarzen Flecken. Ein heller Rückenmittelstreifen ist häufig vorhanden.

Die Unterseite ist weißlich, manchmal mit grauen Flecken. Die Hinterbeine sind lang und kräftig, mit gut entwickelten Schwimmhäuten. Die Schnauze ist mäßig spitz. Männchen besitzen paarige seitliche Schallblasen, die beim Rufen als gelblich-graue Blasen sichtbar werden. Der innere Fersenhöcker ist mittelgroß – größer als beim Seefrosch, kleiner als beim Kleinen Wasserfrosch.

Verbreitung & Lebensraum

Der Teichfrosch ist in weiten Teilen Mittel-, West- und Osteuropas verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich über Deutschland, die Benelux-Länder, Skandinavien bis nach Russland und in den Balkan. Er kommt überall dort vor, wo mindestens eine seiner Elternarten vorkommt.

Als stark aquatische Art lebt der Teichfrosch bevorzugt an stehenden oder langsam fließenden Gewässern – Teichen, Seen, Weihern, Gräben, Altarmen und Flussauen. Er bevorzugt sonnige, vegetationsreiche Gewässer mit flachen Uferbereichen. Selten entfernt er sich weit vom Wasser, außer während der Wanderung zwischen Gewässern.

Lebensweise & Verhalten

Der Teichfrosch ist sowohl tag- als auch nachtaktiv. Tagsüber sonnt er sich gerne am Gewässerufer oder auf Seerosenblättern. Bei Störung springt er mit einem charakteristischen Platschen ins Wasser. Er ist gesellig und bildet oft große Gruppen an geeigneten Gewässern, wo die Männchen besonders in warmen Frühlingsnächten ein ohrenbetäubendes Konzert veranstalten.

Die Art überwintert von Oktober bis März, entweder im Gewässergrund (im Schlamm eingegraben) oder in frostfreien Verstecken an Land. Im Frühjahr werden die Tiere bei Wassertemperaturen ab etwa 10 °C wieder aktiv. Der Teichfrosch ist ein wichtiger Bestandteil vieler europäischer Gewässerökosysteme und dient zahlreichen Raubtieren als Nahrung.

Ernährung

Der Teichfrosch ist ein opportunistischer Jäger und frisst eine breite Palette von Wirbellosen und kleinen Wirbeltieren. Zur Hauptnahrung gehören Insekten (Fliegen, Libellen, Käfer, Mücken), Spinnen, Schnecken, Regenwürmer und Krebstiere. Größere Exemplare fressen auch kleine Fische, Kaulquappen und sogar Jungfrösche.

Die Beute wird vom Ufer oder von schwimmenden Blättern aus erbeutet, oft mit einem blitzschnellen Zungenschlag. Kaulquappen ernähren sich von Algen, Detritus und Biofilmen auf Wasserpflanzen und Steinen.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Teichfroschs ist eines der faszinierendsten Phänomene der Biologie. Als Klepton (Hybridform) vermehrt er sich durch Hybridogenese: Bei der Bildung der Keimzellen wird das Genom einer Elternart vollständig eliminiert, und nur das Genom der anderen Elternart wird an die Nachkommen weitergegeben. Durch Paarung mit der eliminierten Elternart wird das hybride Genom in jeder Generation neu hergestellt.

In der Praxis bedeutet das: Ein Teichfrosch, der das Genom des Seefroschs eliminiert, muss sich mit einem Seefrosch paaren, um Teichfrosch-Nachkommen zu erzeugen. Dieses System ist einzigartig im Tierreich und Gegenstand intensiver Forschung. Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Juni. Die Männchen rufen laut und ausdauernd, und die Weibchen legen 2.000–10.000 Eier in kleinen Laichballen ab.

Die Kaulquappen schlüpfen nach wenigen Tagen und metamorphosieren innerhalb von 2–3 Monaten. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Teichfrosch kann in einem großen Aquaterrarium gehalten werden. Ein Becken ab 120 × 50 × 50 cm mit einem großen Wasserteil (mindestens zwei Drittel der Grundfläche), Schwimmpflanzen und einem erhöhten Landteil ist erforderlich. Die Wassertemperatur sollte 18–24 °C betragen, mit guter Filterung und regelmäßigen Wasserwechseln.

Wichtig sind flache Ausstiegsstellen, Sonnenplätze (UV-Lampe) und Versteckmöglichkeiten. Als europäische Art unterliegt der Teichfrosch strengen Artenschutzbestimmungen. Eine Entnahme aus der Natur ist verboten – nur Nachzuchten dürfen gehalten werden, und je nach Land ist eine Genehmigung erforderlich. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 2–3 Monate ist für die Gesundheit empfehlenswert.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Teichfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft und ist in vielen Teilen Europas noch häufig. Dennoch gehen die Bestände lokal zurück, vor allem durch Lebensraumverlust, Gewässerverschmutzung und die Intensivierung der Landwirtschaft. Die Entwässerung von Feuchtgebieten und der Rückgang der Elternarten bedrohen langfristig auch den Teichfrosch.

In Deutschland ist der Teichfrosch nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Die Erhaltung naturnaher Gewässerlandschaften mit einem Mosaik aus verschiedenen Gewässertypen ist für den Schutz des gesamten Wasserfrosch-Komplexes entscheidend.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Pelophylax esculentusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Pelophylax esculentusiucnredlist.org
  3. Plötner, J. (2005): Die westpaläarktischen Wasserfrösche. Laurenti Verlag.
  4. Graf, J.-D. & Polls Pelaz, M. (1989): Evolutionary genetics of the Rana esculenta complex. In: Evolution and Ecology of Unisexual Vertebrates. New York State Museum Bulletin, 466.
  5. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.

Hat dir dieser Artikel geholfen?

Weitere Ratgeber entdecken