Der Teichmolch ist die häufigste und am weitesten verbreitete Molchart Europas. Er besiedelt eine Vielzahl von Gewässern – von Gartenteichen über Waldtümpel bis hin zu wassergefüllten Gräben. Das Männchen besticht zur Paarungszeit durch einen gewellten Rückenkamm und eine kontrastreiche Bauchfärbung. Als anpassungsfähiger Kulturfolger ist er oft der erste Molch, der neue Gartenteiche besiedelt.
| Wissenschaftlicher Name | Lissotriton vulgaris vulgaris |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Lissotriton |
| Größe | 7–11 cm |
| Gewicht | 3–6 g |
| Lebenserwartung | 10–14 Jahre |
| Verbreitung | Europa (weit verbreitet) |
| Lebensraum | Teiche, Gartenteiche, Tümpel, Gräben |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Teichmolch ist mit 7–11 cm Gesamtlänge einer der kleineren europäischen Molche. Die Oberseite ist olivbraun bis braun, beim Männchen mit dunklen Flecken, die auch auf dem Kopf deutlich ausgeprägt sind. Die Unterseite ist bei beiden Geschlechtern orange bis gelblich mit runden dunklen Flecken. Die Kehle ist hell mit dunklen Punkten.
Männchen entwickeln während der Wasserphase einen gewellten (nicht gezackten) Rückenkamm, der nahtlos in den Schwanzflossensaum übergeht. Die Zehen der Hinterfüße bilden Schwimmlappen aus. An den Kopfseiten verlaufen dunkle Streifen durch die Augen. Weibchen sind schlichter gefärbt, ohne Kamm, aber mit einer feinen gelblichen Rückenlinie. In der Landphase sind beide Geschlechter matter gefärbt mit samtig-trockener Haut.
Verbreitung & Lebensraum
Der Teichmolch hat das größte Verbreitungsgebiet aller europäischen Molche. Er kommt von Großbritannien und Irland über ganz Mittel- und Osteuropa bis nach Westsibirien vor, südlich bis Norditalien und den Balkan. Mehrere Unterarten bewohnen verschiedene Teile dieses riesigen Areals.
Die Art ist extrem anpassungsfähig und besiedelt nahezu jedes stehende Gewässer – Gartenteiche, Waldtümpel, Entwässerungsgräben, Bewässerungskanäle, Pfützen, Regentonnen und sogar Kellerfundamente. Als Landlebensraum nutzt er Gärten, Parks, Wälder, Wiesen und Hecken. Er ist ein ausgesprochener Kulturfolger und oft die erste Amphibienart, die neu angelegte Gartenteiche besiedelt.
Lebensweise & Verhalten
Der Teichmolch führt eine amphibische Lebensweise. Im Frühjahr (März–Mai) wandert er zu seinen Laichgewässern, wo er 2–4 Monate verbringt. In der Wasserphase ist er sowohl tag- als auch nachtaktiv und zeigt sein elegantes Balzverhalten. Männchen fächeln mit dem Schwanz Duftstoffe zu den Weibchen und präsentieren ihren Kamm und die bunte Bauchseite.
Nach der Fortpflanzungszeit kehrt der Teichmolch an Land zurück und lebt versteckt unter Steinen, Brettern, in Komposthaufen und unter der Laubstreu. Die Winterruhe dauert von Oktober/November bis Februar/März und wird in frostfreien Verstecken (Keller, Steinhaufen, Erdlöcher) verbracht. In milden Wintern kann der Teichmolch auch im Gewässer überwintern, wobei er dann auf Hautatmung umstellt.
Ernährung
Der Teichmolch ernährt sich von einer breiten Palette kleiner Wirbelloser. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Hüpferlinge, kleine Schnecken und Würmer. An Land stehen Insekten, Spinnen, Regenwürmer, Nacktschnecken und Milben auf dem Speiseplan. Der Teichmolch ist ein opportunistischer Fresser und nimmt alles, was er überwältigen kann.
In Gefangenschaft nimmst du die Art problemlos mit roten und schwarzen Mückenlarven, Tubifex, Enchyträen und kleinen Regenwürmern an. Auch lebende Wasserflöhe werden gern gefressen. Die Fütterung erfolgt 2–3 Mal pro Woche. Jungmolche werden am besten täglich mit kleinsten Wasserflöhen und frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis Juni. Das Männchen führt ein faszinierendes Balzritual durch: Es präsentiert sich seitlich vor dem Weibchen, richtet seinen Kamm auf und fächelt mit dem Schwanz rhythmisch Pheromone in Richtung des Weibchens. Dabei schlägt es den Schwanz kräftig zur Seite und berührt damit manchmal die Flanke des Weibchens. Nach erfolgreicher Balz setzt es eine Spermatophore auf dem Gewässerboden ab.
Das Weibchen legt 200–300 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet die Blätter sorgfältig um jedes Ei – ein charakteristisches Merkmal der Gattung. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und entwickeln sich über 2–3 Monate. Die Jungmolche verlassen das Wasser nach der Metamorphose und erreichen die Geschlechtsreife mit 2–3 Jahren. Der Teichmolch ist einer der vermehrungsfreudigsten europäischen Molche.
Haltung im Aquarium
Der Teichmolch eignet sich gut für die Haltung im Aquaterrarium und ist aufgrund seiner Robustheit ein guter Einstiegsmolch. Ein Becken ab 60 × 30 cm Grundfläche mit einem Wasserstand von 15–20 cm und einem Landteil eignet sich für 2–3 Tiere. Die Wassertemperatur sollte 15–20 °C betragen, im Sommer nicht über 22 °C.
Die Einrichtung sollte reichlich Wasserpflanzen (Hornkraut, Wasserpest, Javamoos) als Eiablageplätze, sowie Steine und Wurzeln als Verstecke enthalten. Der Landteil besteht aus feuchtem Moos und Korkrinde. Gefüttert wird mit Mückenlarven, Tubifex und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 2–3 Monate ist empfehlenswert. WICHTIG: In Deutschland und den meisten europäischen Ländern steht der Teichmolch unter Naturschutz – nur Nachzuchten dürfen gehalten werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Teichmolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft und ist insgesamt die häufigste Molchart Europas. Dennoch gehen die Bestände in vielen Regionen zurück. Hauptursachen sind der Verlust von Kleingewässern, die Intensivierung der Landwirtschaft, Pestizideinsatz und die Zuschüttung von Tümpeln und Gräben.
In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist der Teichmolch durch das Bundesnaturschutzgesetz und die FFH-Richtlinie (Anhang V in einigen Ländern) geschützt. Die Anlage von Gartenteichen und die Erhaltung von Kleingewässern in der Kulturlandschaft sind die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz dieser Art. Jeder naturnahe Gartenteich kann einen Beitrag zum Teichmolch-Schutz leisten.
Quellen
- AmphibiaWeb: Lissotriton vulgaris – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Lissotriton vulgaris – iucnredlist.org
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
