Molche

Tigermolch (Ambystoma tigrinum tigrinum)

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Tigermolch (Ambystoma tigrinum tigrinum)

Bildquelle: Miroslav Srb / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Tigermolch ist einer der größten und bekanntesten Salamander Nordamerikas. Sein auffälliges Muster aus gelben oder olivfarbenen Querstreifen auf dunklem Grund erinnert an ein Tigerfell. Die Art kann unter bestimmten Bedingungen Neotenie zeigen und als „Wasserhund" dauerhaft im Larvenstadium verbleiben – ein faszinierendes Phänomen der Entwicklungsbiologie.

Der Tigermolch ist einer der größten und bekanntesten Salamander Nordamerikas. Sein auffälliges Muster aus gelben oder olivfarbenen Querstreifen auf dunklem Grund erinnert an ein Tigerfell. Die Art kann unter bestimmten Bedingungen Neotenie zeigen und als „Wasserhund" dauerhaft im Larvenstadium verbleiben – ein faszinierendes Phänomen der Entwicklungsbiologie.

Steckbrief: Tigermolch (Ambystoma tigrinum tigrinum)
Wissenschaftlicher NameAmbystoma tigrinum tigrinum
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieQuerzahnmolche (Ambystomatidae)
GattungAmbystoma
Größe15–33 cm
Gewicht20–60 g
Lebenserwartung12–15 Jahre
VerbreitungÖstliches Nordamerika
LebensraumTeiche, Feuchtgebiete, Wälder, Wiesen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Tigermolch erreicht eine beeindruckende Gesamtlänge von 15–25 cm und gehört damit zu den größten terrestrischen Salamandern. Der Körperbau ist kräftig und robust mit einem breiten Kopf und kleinen, hervortretenden Augen. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarz mit einem namensgebenden Muster aus gelben, olivgrünen oder bräunlichen Querstreifen und Flecken, das an ein Tigerfell erinnert.

Die Zeichnung variiert stark zwischen Individuen – manche Tiere zeigen breite, gelbe Querstreifen, andere eher unregelmäßige Flecken oder eine netzartige Zeichnung. Die Unterseite ist heller, olivgelb bis grau. Der Schwanz ist seitlich nur leicht abgeflacht. Neotene „Wasserhunde" behalten ihre äußeren Kiemenbüschel und den breiten Schwanzflossensaum zeitlebens bei und können besonders große Körpergrößen erreichen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Tigermolch (A. t. tigrinum) kommt im östlichen Nordamerika vor – von den Großen Seen südwärts bis nach Texas und Florida. Die Art ist vom Meeresniveau bis in Höhenlagen von etwa 1.000 Metern zu finden.

Als Lebensraum bevorzugt der Tigermolch eine Vielzahl offener und halboffener Landschaften: Wälder, Wiesen, landwirtschaftliche Flächen, Parks und Vorstadtgebiete. Als Laichgewässer nutzt er stehende oder langsam fließende Gewässer wie Teiche, Seen, Feuchtgebiete und temporäre Pfützen. An Land verbringt er den Großteil seines Lebens in unterirdischen Verstecken – häufig in verlassenen Nagetierbauten, unter Baumstämmen oder in selbst gegrabenen Erdgängen.

Lebensweise & Verhalten

Der Tigermolch ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag in unterirdischen Verstecken. Er kann sich bis zu 60 cm tief eingraben und nutzt häufig verlassene Nagetierbauten als Unterschlupf. Nur während der Fortpflanzungswanderung und bei starken Regenfällen erscheint er an der Oberfläche.

Eine faszinierende Eigenschaft des Tigermolchs ist seine Fähigkeit zur Neotenie: Unter bestimmten Bedingungen – insbesondere in permanenten Gewässern mit guten Nahrungsressourcen – können Larven die Metamorphose überspringen und als „Wasserhunde" im Larvenstadium geschlechtsreif werden. Diese neotenen Individuen behalten ihre äußeren Kiemen und ihren aquatischen Lebensstil zeitlebens bei, ähnlich dem Axolotl. Die Winterruhe dauert von Oktober bis März und wird in tiefen, frostfreien Erdlöchern verbracht.

Ernährung

Der Tigermolch ist ein opportunistischer Räuber mit einem breiten Nahrungsspektrum. An Land frisst er Insekten, Regenwürmer, Schnecken, Spinnen und gelegentlich auch kleine Mäuse, Frösche und sogar andere Salamander. Im Wasser erbeutet er Mückenlarven, Wasserinsekten, Kaulquappen, kleine Fische und Krebstiere.

Große, neotene „Wasserhunde" können besonders große Beute überwältigen und sind effektive Raubtiere in ihren Gewässern. In Gefangenschaft nimmst du die Art problemlos mit Regenwürmern, großen Heimchen, Grillen und Mückenlarven an. Die kräftigen Kiefer ermöglichen das Festhalten auch größerer Beutetiere.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit liegt im Frühjahr (Februar–Mai), ausgelöst durch warme Regenfälle. Die Tiere wandern nachts zu ihren Laichgewässern, wo die Männchen um die Weibchen werben. Die Balz beinhaltet das Umkreisen des Weibchens, Kopfstöße und das Absetzen von Spermatophoren auf dem Gewässerboden.

Das Weibchen legt 100–1.000 Eier in kleinen Laichballen an Pflanzen oder auf dem Gewässerboden ab. Die Larven schlüpfen nach 2–4 Wochen und durchlaufen die Metamorphose in 2–5 Monaten. In permanenten Gewässern können einige Larven neoten werden und als „Wasserhunde" im Wasser verbleiben. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht, bei neotenen Individuen manchmal schon nach einem Jahr.

Haltung im Aquarium

Der Tigermolch ist ein beliebter und relativ pflegeleichter Pflegling in der Terraristik. Für ein Paar ist ein geräumiges Terrarium ab 100 × 50 cm Grundfläche mit einer dicken Schicht lockerer Erde zum Graben erforderlich. Die Temperatur sollte tagsüber bei 18–22 °C liegen, nachts etwas kühler. Ein flaches Wasserbecken zum Baden ergänzt die Einrichtung.

Neotene „Wasserhunde" werden in einem reinen Aquarium mit kühlem, sauberem Wasser (15–20 °C) und Verstecken aus Steinen und Wurzeln gehalten. Gefüttert wird mit Regenwürmern, großen Heimchen, Grillen und Mückenlarven. Eine Winterruhe bei 5–10 °C über 2–3 Monate fördert die Gesundheit. Die Art ist in den USA legal erhältlich und wird auch in Europa gelegentlich im Fachhandel angeboten.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Tigermolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist insgesamt häufig und weit verbreitet. Lokale Bedrohungen bestehen durch den Verlust von Feuchtgebieten, den Einsatz von Pestiziden, Straßenverkehr während der Wanderzeit und die Einführung von Raubfischen in Laichgewässer.

In einigen US-Bundesstaaten gibt es Beschränkungen für die Sammlung und den Handel. Der Tigermolch ist als Versuchs- und Modelltier in der biologischen Forschung von Bedeutung, insbesondere bei Studien zur Neotenie und Metamorphose. Der Erhalt von Feuchtgebieten und die Vernetzung von Lebensräumen sind für den langfristigen Schutz wichtig.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Ambystoma tigrinumamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Ambystoma tigrinumiucnredlist.org
  3. Petranka, J. W. (1998): Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press.
  4. Conant, R. & Collins, J. T. (1998): Reptiles and Amphibians: Eastern/Central North America. Houghton Mifflin.

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