Der Titicaca-Riesenfrosch ist ein einzigartiger, vollständig aquatischer Frosch, der ausschließlich im Titicacasee in den Hochanden lebt. Er ist berühmt für seine extrem faltige, lose Haut, die wie ein überdimensionierter Anzug aussieht und der Sauerstoffaufnahme in der dünnen Höhenluft dient. Die Art ist vom Aussterben bedroht.
| Wissenschaftlicher Name | Telmatobius culeus |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Telmatobiidae |
| Gattung | Telmatobius |
| Größe | 7–14 cm |
| Gewicht | 100–350 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Titicacasee (Peru, Bolivien) |
| Lebensraum | Titicacasee und Zuflüsse, in Höhen von 3.800–4.500 m |
| Schutzstatus | Vom Aussterben bedroht (CR) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Titicaca-Riesenfrosch ist ein großer, vollständig aquatischer Frosch mit einer Körperlänge von 7–14 cm und einem Gewicht von bis zu 350 g – historische Berichte erwähnen sogar Exemplare von über 1 kg. Sein auffälligstes Merkmal ist die extrem faltige, übergroße Haut, die in zahlreichen Falten und Lappen vom Körper hängt und dem Frosch ein „geschrumpftes" Aussehen verleiht.
Diese überschüssige Haut ist keine Laune der Natur, sondern eine geniale Anpassung: Sie vergrößert die Körperoberfläche enorm und ermöglicht eine effiziente Sauerstoffaufnahme über die Haut in den sauerstoffarmen Gewässern auf über 3.800 m Höhe. Die Färbung variiert von olivgrün über braun bis fast schwarz, die Unterseite ist heller. Die Hinterbeine sind kräftig mit voll ausgebildeten Schwimmhäuten.
Verbreitung & Lebensraum
Der Titicaca-Riesenfrosch kommt ausschließlich im Titicacasee und einigen seiner Zuflüsse auf der Grenze zwischen Peru und Bolivien vor. Der See liegt auf 3.812 m Höhe in den Anden und ist der höchstgelegene schiffbare See der Welt. Die Art lebt in Tiefen von wenigen Metern bis zu über 100 m.
Er bevorzugt kühle, sauerstoffreiche Bereiche des Sees mit felsigem oder sandigem Untergrund. Besonders hohe Dichten finden sich in der Nähe von Unterwasserquellen und Zuflüssen, wo das Wasser kälter und sauerstoffreicher ist. Die Wassertemperaturen im Titicacasee liegen ganzjährig bei 10–14 °C.
Lebensweise & Verhalten
Der Titicaca-Riesenfrosch ist vollständig aquatisch und verlässt das Wasser niemals. Er atmet fast ausschließlich über die Haut und wurde dabei beobachtet, wie er auf dem Seegrund „Liegestütze" macht – rhythmische Auf- und Abbewegungen des Körpers, die den Wasseraustausch über der Hautoberfläche verbessern und so die Sauerstoffaufnahme steigern.
Die Art ist überwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber unter Steinen und in Felsspalten am Seegrund. Er ist ein langsamer, bodenbewohnender Frosch, der sich eher kriechend als schwimmend fortbewegt. Bei Bedrohung kann er sich jedoch erstaunlich schnell in tieferes Wasser zurückziehen.
Ernährung
Der Titicaca-Riesenfrosch ernährt sich hauptsächlich von Amphipoden (Flohkrebsen), Schnecken, Insektenlarven und anderen wirbellosen Tieren, die er am Seegrund findet. Auch kleine Fische und Kaulquappen gehören gelegentlich zur Beute.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Aufsaugen und Zupacken. Die Art ist ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems im Titicacasee und hilft, die Populationen von Wirbellosen zu regulieren.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Titicaca-Riesenfroschs ist vergleichsweise wenig bekannt. Die Paarung findet vermutlich ganzjährig statt, mit einem Schwerpunkt während der Regenzeit. Die Eier werden in großen Gelegen an Steine oder Vegetation am Seegrund geheftet.
Die Kaulquappen entwickeln sich im kalten Seewasser und benötigen mehrere Monate für die Metamorphose. Aufgrund der niedrigen Temperaturen und der hohen Lage verläuft die Entwicklung deutlich langsamer als bei Froscharten in wärmeren Regionen. Zuchtprogramme in Peru und Bolivien bemühen sich um die Nachzucht in Gefangenschaft, um den Fortbestand der Art zu sichern.
Haltung im Aquarium
Die Haltung des Titicaca-Riesenfroschs in privaten Aquarien ist aufgrund seines kritischen Schutzstatus und seiner speziellen Anforderungen nicht möglich. Die Art ist in CITES Anhang I gelistet, was den internationalen Handel vollständig verbietet. Nur autorisierte Zuchtprogramme und wissenschaftliche Einrichtungen dürfen die Art halten.
Die Haltung erfordert kaltes Wasser (10–14 °C) mit hohem Sauerstoffgehalt, große Aquarien mit felsigem Aufbau und eine spezielle Ernährung. Zuchtprogramme im Denver Zoo, im Museo de Historia Natural in La Paz und anderen Einrichtungen arbeiten an der Nachzucht und Auswilderung.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Titicaca-Riesenfrosch ist eine der am stärksten bedrohten Amphibienarten der Welt und wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Die Populationen sind in den letzten Jahrzehnten um über 80 % zurückgegangen. Die Hauptbedrohungen sind die Verschmutzung des Titicacasees durch ungeklärte Abwässer, die Überfischung (der Frosch wird lokal als Nahrungsmittel und für traditionelle Medizin genutzt) und die Einführung von Regenbogenforellen.
Der „Froschsaft" (jugo de rana), ein Getränk aus püriertem Frosch, wird in der lokalen Volksmedizin als Heilmittel angepriesen und hat zu einem dramatischen Rückgang geführt. Internationale Schutzprogramme, lokale Aufklärungskampagnen und die Einrichtung von Schutzgebieten im See sind dringend notwendig, um das Aussterben dieser einzigartigen Art zu verhindern.
Quellen
- AmphibiaWeb: Telmatobius culeus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Telmatobius culeus – iucnredlist.org
- Genova, M. K. et al. (2022): Conservation of the Lake Titicaca Frog (Telmatobius culeus). Amphibian & Reptile Conservation, 16, 1–18.
- Barrionuevo, J. S. (2017): Frogs of the genus Telmatobius in Peru. Zootaxa, 4243, 1–42.
- Denver Zoo: Lake Titicaca Frog Conservation – denverzoo.org
