Molche

Türkischer Bergmolch (Neurergus strauchii)

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Türkischer Bergmolch (Neurergus strauchii)

Bildquelle: Wirestock Creators / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Türkische Bergmolch ist ein attraktiver Schwanzlurch aus den Bergregionen der Osttürkei. Seine dunkelbraune bis schwarze Grundfarbe mit gelben bis orangefarbenen Fleckenreihen macht ihn zu einer auffälligen Erscheinung. Die Art lebt an kühlen Bergbächen und ist durch Wasserentnahme und Lebensraumverlust gefährdet.

Der Türkische Bergmolch ist ein attraktiver Schwanzlurch aus den Bergregionen der Osttürkei. Seine dunkelbraune bis schwarze Grundfarbe mit gelben bis orangefarbenen Fleckenreihen macht ihn zu einer auffälligen Erscheinung. Die Art lebt an kühlen Bergbächen und ist durch Wasserentnahme und Lebensraumverlust gefährdet.

Steckbrief: Türkischer Bergmolch (Neurergus strauchii)
Wissenschaftlicher NameNeurergus strauchii
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungNeurergus
Größe12–17 cm
Gewicht8–15 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungOsttürkei
LebensraumBergbäche, Quellgewässer
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Türkische Bergmolch erreicht eine Gesamtlänge von 12–16 cm und ist damit der größte Vertreter der Gattung Neurergus. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarz, durchbrochen von zwei Reihen gelber bis orangefarbener Flecken, die sich entlang der Flanken erstrecken. Auf dem Rücken können zusätzliche kleine helle Punkte vorhanden sein.

Der Körperbau ist schlank und langgestreckt mit einem seitlich abgeflachten Schwanz. Der Kopf ist relativ schmal mit großen Augen. Die Haut ist glatt bis fein körnig. Männchen sind zur Paarungszeit an einer geschwollenen Kloakenregion erkennbar und können einen niedrigen Schwanzflossensaum entwickeln. Im Vergleich zum Kaisermolch (N. kaiseri) ist der Türkische Bergmolch größer und weniger kontrastreich gefärbt.

Verbreitung & Lebensraum

Der Türkische Bergmolch kommt ausschließlich in der Osttürkei vor, hauptsächlich in den Provinzen Hakkâri, Van und Siirt. Die Art lebt in Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.500 Metern an klaren, kühlen Bergbächen und Quellgewässern.

Die Art bewohnt felsige Bergbäche, die durch offene Berglandschaften oder lichte Eichenwälder fließen. Die Gewässer haben steinigen Untergrund und kühle Wassertemperaturen. Außerhalb der aquatischen Phase verbergen sich die Molche unter Steinen und in Felsspalten in der Nähe der Bäche. Das Klima ist kontinental mit kalten Wintern und heißen, trockenen Sommern.

Lebensweise & Verhalten

Der Türkische Bergmolch zeigt einen stark saisonal geprägten Aktivitätszyklus. Die aquatische Phase findet im Frühjahr statt (April–Juni), wenn Schneeschmelze und Regenfälle die Bergbäche füllen. In dieser Zeit sind die Tiere aktiv im Wasser und pflanzen sich fort.

Während der heißen Sommermonate und im kalten Winter zieht sich die Art in tiefe Felsspalten und unter große Steine zurück, wo sie estiviert bzw. hiberniert. Die Tiere sind während der Aktivitätsphase sowohl tag- als auch nachtaktiv. Wie die anderen Neurergus-Arten ist der Türkische Bergmolch friedfertig und kann in kleinen Gruppen angetroffen werden.

Ernährung

Der Türkische Bergmolch ernährt sich von kleinen aquatischen und terrestrischen Wirbellosen. Im Wasser frisst er Bachflohkrebse, Mückenlarven, Eintagsfliegenlarven, kleine Schnecken und Würmer. An Land nimmt er Insekten, Spinnen und andere kleine Gliedertiere auf.

In Gefangenschaft nimmst du die Art mit Mückenlarven, Enchyträen, Tubifex und kleinen Regenwürmern an. Die Fütterung erfolgt 2–3 Mal pro Woche während der Aktivitätsphase. Während der Ruheperioden wird nicht gefüttert. Eine Supplementierung mit Kalzium und Vitaminen ist empfehlenswert.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit liegt im Frühjahr (April–Juni). Die Balz findet im Wasser statt, wobei das Männchen das Weibchen umwirbt. Nach der Balz wird eine Spermatophore übertragen. Das Weibchen legt 30–80 Eier unter Steine in fließendem Wasser ab.

Die Larven schlüpfen nach einigen Wochen und entwickeln sich vollständig aquatisch im kühlen Bachwasser. Die Metamorphose dauert mehrere Monate. In Gefangenschaft gelingt die Nachzucht bei sorgfältiger Simulation der natürlichen Jahreszeitenrhythmik. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Türkische Bergmolch kann in einem kühlen Aquarium mit Bachlaufcharakter gehalten werden. Ein Becken ab 80 × 40 cm mit einem Wasserstand von 10–15 cm, leichter Strömung und vielen Steinen als Verstecke eignet sich für ein Paar. Die Wassertemperatur sollte 12–18 °C betragen und im Sommer nicht über 20 °C steigen.

Die Einrichtung sollte Steine, Schieferplatten, Kies und einige Moose umfassen. Ein leistungsfähiger Filter sorgt für sauberes, sauerstoffreiches Wasser. Eine Sommerruhe bei trockener, kühler Haltung und eine Winterruhe bei 4–8 °C sind für die Gesundheit essenziell. Beachte, dass der Handel mit Neurergus-Arten reguliert sein kann – erkundige dich über die geltenden Vorschriften.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Türkische Bergmolch wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind die Wasserentnahme aus Bergbächen für die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung, Dammbau, Überweidung und Entwaldung. Auch der Klimawandel mit zunehmenden Dürren gefährdet die wasserabhängige Art.

Die Art ist in der Türkei durch nationale Gesetze geschützt. Der Schutz der Bergbach-Ökosysteme in der Osttürkei ist für das Überleben dieser Art entscheidend. Nachzuchtprogramme in Zoos und spezialisierten Einrichtungen könnten zur Bestandssicherung beitragen. Die politische Instabilität in Teilen des Verbreitungsgebiets erschwert jedoch effektive Schutzmaßnahmen.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Neurergus strauchiiamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Neurergus strauchiiiucnredlist.org
  3. Steinfartz, S. et al. (2002): Molecular phylogeny of the salamandrid genus Neurergus. Molecular Phylogenetics and Evolution, 23(3), 508–516.
  4. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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