Die Venezolanische Turmdeckelschnecke trägt trotz ihres deutschen Namens keine Verbindung zu Venezuela – sie stammt aus Südostasien. Mit ihrem gedrungenen, kegelförmigen Gehäuse und den körnigen Rippen unterscheidet sie sich deutlich von der schlankeren Malaiischen Turmdeckelschnecke.
| Wissenschaftlicher Name | Melanoides granifera |
| Ordnung | Sorbeoconcha |
| Familie | Turmdeckelschnecken (Thiaridae) |
| Gattung | Melanoides |
| Größe | 2–3 cm |
| Lebenserwartung | 2–3 Jahre |
| Verbreitung | Südostasien (trotz des deutschen Namens) |
| Lebensraum | Stehende und fließende Süßgewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet |
| Aquarium | ab 30 Liter |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 7,0–8,5 |
| Wasserhärte | 8–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Venezolanische Turmdeckelschnecke besitzt ein gedrungenes, kegelförmiges Gehäuse mit einer Länge von 2–3 cm. Im Vergleich zur verwandten Malaiischen Turmdeckelschnecke (M. tuberculata) ist das Gehäuse kürzer, breiter und stärker gewölbt – es erinnert eher an einen gedrungenen Kegel als an einen schlanken Turm. Die Oberfläche zeigt deutliche körnige Rippen und Knötchen (granifera = körnchentragend).
Die Gehäusefarbe variiert von hellbraun über rötlichbraun bis dunkelbraun, oft mit helleren Bändern oder Flecken. Ein kräftiger, horniger Deckel verschließt die Gehäuseöffnung. Der Weichkörper ist graubraun mit dunklen Flecken. Die Art ist deutlich seltener im Handel als die Malaiische Turmdeckelschnecke, aber bei Liebhabern beliebt.
Verbreitung & Lebensraum
Trotz ihres deutschen Namens stammt Melanoides granifera nicht aus Venezuela, sondern aus Südostasien. Der irreführende Name hat sich in der Aquaristik eingebürgert und ist vermutlich auf eine frühe Fehlzuordnung zurückzuführen. Die natürlichen Vorkommen liegen in Malaysia, Indonesien, den Philippinen und angrenzenden Regionen.
Die Art bewohnt stehende und fließende Süßgewässer mit sandigem oder schlammigem Grund. Wie ihre Verwandte lebt sie bevorzugt im Bodengrund eingegraben und kommt bei Dunkelheit an die Oberfläche. Sie ist weniger kosmopolitisch verbreitet als M. tuberculata und in vielen Regionen deutlich seltener.
Lebensweise & Verhalten
Die Venezolanische Turmdeckelschnecke zeigt ein ähnliches Verhalten wie die Malaiische Art: Sie lebt tagsüber eingegraben im Bodengrund und kommt nachts an die Oberfläche, um zu fressen. Durch ihre Grabaktivität lockert sie den Boden auf und verhindert anaerobe Zonen.
Im Vergleich zur Malaiischen Turmdeckelschnecke ist die Venezolanische Art etwas aktiver und zeigt sich häufiger auch tagsüber. Sie ist friedlich und stellt keine Gefahr für Pflanzen oder andere Aquarienbewohner dar. Bei schlechter Wasserqualität oder Sauerstoffmangel kommen die Schnecken massenhaft an die Oberfläche – ein nützliches Warnsignal für den Aquarianer.
Ernährung
Die Venezolanische Turmdeckelschnecke ernährt sich von Algen, Biofilmen, Detritus und organischem Material im Bodengrund. Sie ist ein effizienter Resteverwerter und trägt zur Sauberhaltung des Aquariums bei. Lebende Pflanzen werden nicht angefressen.
In gut eingefahrenen Aquarien findet die Art meist ausreichend Nahrung. Bei Bedarf kannst du mit Welstabletten, Spirulina-Tabs und Seemandelbaumblättern zufüttern. Die Futtermenge kontrolliert die Populationsgröße: Weniger Futter bedeutet weniger Schnecken.
Fortpflanzung
Wie die Malaiische Turmdeckelschnecke vermehrt sich auch M. granifera durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) – ein einzelnes Weibchen kann ohne Befruchtung Nachwuchs produzieren. Die Art ist lebendgebärend (ovovivipar): Die Jungschnecken entwickeln sich im Muttertier und werden als fertige Miniaturschnecken geboren.
Die Vermehrungsrate ist etwas geringer als bei M. tuberculata, aber bei reichlichem Nahrungsangebot kann die Population dennoch deutlich anwachsen. Die Jungschnecken sind bei der Geburt 2–3 mm groß und graben sich sofort in den Bodengrund ein.
Haltung im Aquarium
Die Haltung der Venezolanischen Turmdeckelschnecke ist unkompliziert. Ein Aquarium ab 30 Liter mit sandigem oder feinem Kiesboden ist ideal, da sich die Tiere darin eingraben. Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 7,0 und 8,5. Hartes Wasser wird bevorzugt.
Die Art ist ein nützlicher Bodenbewohner, der den Bodengrund auflockert und Fäulniszonen verhindert. Sie eignet sich für alle Typen von Süßwasseraquarien und lässt sich mit friedlichen Fischen, Garnelen und anderen Schnecken vergesellschaften. Die gedrungene Gehäuseform macht sie optisch interessanter als die schlankere Malaiische Verwandte.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Schutzstatus von Melanoides granifera ist nicht formell bewertet, die Art gilt jedoch als nicht gefährdet. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Südostasien ist sie in geeigneten Habitaten verbreitet. Im Vergleich zu M. tuberculata ist sie weniger invasiv und hat sich weniger stark weltweit ausgebreitet.
In der Aquaristik ist die Art seltener erhältlich als die Malaiische Turmdeckelschnecke, wird aber von spezialisierten Händlern und Züchtern angeboten. Wie alle Aquarientiere sollte sie niemals in natürliche Gewässer entlassen werden.
Quellen
- Pointier, J.P. (1999): Invading freshwater gastropods. Memorias do Instituto Oswaldo Cruz.
- Gastropods.com – Thiaridae – gastropods.com
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- AquaInfo: Turmdeckelschnecken – aqua-info.de
