Der Viktoriabuntbarsch ist ein farbenprächtiger Maulbrüter aus dem Victoriasee, dessen Artenvielfalt durch die Einführung des Nilbarsches und andere menschliche Einflüsse dramatisch dezimiert wurde. Die Haltung und Nachzucht dieser Art in Aquarien leistet daher einen wichtigen Beitrag zum Arterhalt.
| Wissenschaftlicher Name | Haplochromis obliquidens |
| Ordnung | Buntbarschartige (Cichliformes) |
| Familie | Buntbarsche (Cichlidae) |
| Gattung | Haplochromis |
| Größe | 8–12 cm |
| Gewicht | 15–40 g |
| Lebenserwartung | 5–8 Jahre |
| Verbreitung | Victoriasee (Ostafrika) |
| Lebensraum | Felsige Uferzonen, Pflanzenbereiche des Victoriasees |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 150 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 7.5–8.5 |
| Wasserhärte | 8–20 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Viktoriabuntbarsch erreicht eine Körperlänge von 8–12 cm und besitzt einen robusten, seitlich abgeflachten Körper. Männchen zeigen eine spektakuläre Färbung: Die Grundfarbe ist leuchtend gelb bis grün, überlagert von schillernden blauen und roten Akzenten. Besonders die Flanken glänzen in einem irisierenden Blaugrün, während Brust und Kehle oft intensiv orange bis rot gefärbt sind.
Weibchen und Jungtiere sind deutlich schlichter gefärbt – sie zeigen eine silbrig-graue Grundfarbe mit dunklen Querstreifen. Die Rückenflosse der Männchen ist blau bis rot gefärbt und trägt oft leuchtende Eiflecken (Eifleck-Attrappen), die bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle spielen. Die Lippen sind kräftig und leicht verdickt.
Verbreitung & Lebensraum
Der Viktoriabuntbarsch ist endemisch im Victoriasee in Ostafrika, der zwischen Tansania, Uganda und Kenia liegt. Der Victoriasee ist der größte tropische See der Welt und war einst Heimat einer einzigartigen Artenvielfalt von über 500 Buntbarscharten, die sich in einem evolutionären Rekordtempo entwickelt hatten.
Die Art bewohnt die felsigen Uferzonen und pflanzenbewachsenen Bereiche des Sees in Tiefen von 1 bis 15 Metern. Sie bevorzugt Bereiche mit moderatem Algenaufwuchs auf Felsen und in der Nähe von Pflanzendickichten, die Schutz und Nahrung bieten.
Lebensweise & Verhalten
Der Viktoriabuntbarsch ist ein territorialer Buntbarsch, dessen Männchen bunte Balzreviere verteidigen. Sie sind tagaktiv und verbringen viel Zeit damit, ihren Aufwuchsgarten auf den Felsen zu pflegen und zu verteidigen. Innerartlich können sie recht aggressiv sein, besonders dominante Männchen gegenüber Rivalen.
In der Natur lebten diese Buntbarsche in einer hochkomplexen Artengemeinschaft mit hunderten verwandten Arten, die unterschiedliche ökologische Nischen besetzten. Die Einführung des Nilbarsches (Lates niloticus) in den 1950er-Jahren führte zu einer der größten Massenauslöschungen der jüngeren Erdgeschichte – über 200 Arten sind seitdem ausgestorben oder vom Aussterben bedroht.
Ernährung
Der Viktoriabuntbarsch ist ein Allesfresser mit einer Vorliebe für Aufwuchsalgen, die er von Felsen und Steinen abraspelt. Ergänzend frisst er kleine Wirbellose, Insektenlarven und Zooplankton. Im Aquarium akzeptiert er bereitwillig hochwertiges Cichliden-Granulat, Flockenfutter und Frostfutter.
Eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit Spirulina-Flocken, Algentabletten und gelegentlichem Frostfutter (Artemia, Mückenlarven) ist ideal. Vermeide zu proteinreiche Kost, da dies zu Verdauungsproblemen und der gefürchteten Malawi-Bloat-Krankheit führen kann, die auch Victoriasee-Cichliden betreffen kann.
Fortpflanzung
Der Viktoriabuntbarsch ist ein maternaler Maulbrüter: Das Weibchen nimmt die befruchteten Eier in sein Maul auf und brütet sie dort 14–21 Tage aus. Die Befruchtung erfolgt über den Eifleck-Mechanismus – das Weibchen schnappt nach den Eifleck-Attrappen auf der Afterflosse des Männchens und nimmt dabei die Spermien auf.
Pro Gelege werden 20–40 Eier produziert. Die Jungfische sind bei der Entlassung bereits selbstständig und können feines Granulat und Artemia-Nauplien fressen. Die Zucht im Aquarium gelingt regelmäßig und ist angesichts der bedrohten Situation vieler Victoriasee-Cichliden besonders wünschenswert.
Haltung im Aquarium
Der Viktoriabuntbarsch benötigt ein Aquarium ab 150 Litern für eine kleine Gruppe. Eine Haremshaltung mit einem Männchen und 2–3 Weibchen ist empfehlenswert, um die Aggression des Männchens zu verteilen. Die Einrichtung sollte aus Felsaufbauten mit Höhlen und Versteckmöglichkeiten bestehen.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 7,5–8,5. Das Wasser des Victoriasees ist mäßig hart und leicht alkalisch. Eine kräftige Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind wichtig. Eine starke Beleuchtung fördert das Algenwachstum auf den Steinen, das den Tieren als natürliche Nahrungsquelle dient.
Die Vergesellschaftung mit anderen Victoriasee-Cichliden oder robusten Buntbarschen ähnlicher Größe ist möglich. Vermeide zu friedliche oder zu kleine Beifische, die vom territorialen Männchen bedrängt werden könnten.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Viktoriabuntbarsch wird von der IUCN derzeit als „Least Concern" eingestuft, allerdings ist die Situation vieler Haplochromis-Arten im Victoriasee insgesamt äußerst besorgniserregend. Über 200 Arten aus dem See gelten als ausgestorben oder vom Aussterben bedroht – die größte Massenauslöschung bei Wirbeltieren in der jüngeren Geschichte.
Hauptursachen sind die Einführung des Nilbarsches, Überfischung, Eutrophierung des Sees und der Verlust von Lebensräumen. Die Haltung und Zucht von Victoriasee-Cichliden in Aquarien spielt eine wichtige Rolle bei der Arterhaltung. Wenn du diese Tiere hältst und züchtest, leistest du einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser einzigartigen Artengruppe.
Quellen
- FishBase: Haplochromis obliquidens – fishbase.se
- Seehausen, O. (1996): Lake Victoria Rock Cichlids. Verduijn Cichlids.
- Witte, F. et al. (1992): Species extinction and concomitant ecological changes in Lake Victoria. Netherlands Journal of Zoology, 42, 214–232.
- IUCN Red List: Haplochromis obliquidens – iucnredlist.org
- Kaufman, L. & Ochumba, P. (1993): Evolutionary and conservation biology of cichlid fishes as revealed by faunal remnants in northern Lake Victoria. Conservation Biology, 7(3), 719–730.
