Der Waldspitzmausfrosch ist ein kleiner, grabender Frosch aus dem subsaharischen Afrika mit einer spitz zulaufenden Schnauze, die ihm das Eingraben in den Boden mit dem Kopf voran ermöglicht. Diese ungewöhnliche Grabmethode unterscheidet ihn von den meisten anderen grabenden Fröschen, die sich rückwärts eingraben. Er betreibt eine bemerkenswerte Brutpflege.
| Wissenschaftlicher Name | Hemisus marmoratus |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Spitzmausfrösche (Hemisotidae) |
| Gattung | Hemisus |
| Größe | 3–5 cm |
| Gewicht | 5–15 g |
| Lebenserwartung | 5–8 Jahre |
| Verbreitung | Subsahara-Afrika (von Westafrika bis Ostafrika) |
| Lebensraum | Savannen, Grasland, lichte Wälder, feuchte Senken |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Waldspitzmausfrosch ist ein kleiner, rundlicher Frosch mit einer Körperlänge von 3–5 cm. Sein auffälligstes Merkmal ist die spitz zulaufende, keilförmige Schnauze, die dem einer Spitzmaus ähnelt – daher der deutsche Name. Der Körperbau ist gedrungen und kompakt, mit kurzen, kräftigen Beinen ohne Schwimmhäute.
Die Oberseite ist braun bis graubraun marmoriert, was eine gute Tarnung auf dem Waldboden bietet. Die Unterseite ist weißlich, oft mit dunklen Flecken. Die Augen sind klein und nach oben gerichtet. Der Kopf ist auffallend hart und verknöchert – eine Anpassung an das Graben mit dem Kopf voran. Die Haut ist glatt bis leicht warzig.
Verbreitung & Lebensraum
Der Waldspitzmausfrosch ist im subsaharischen Afrika weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Westafrika (Senegal, Guinea) über Zentralafrika bis nach Ostafrika (Kenia, Tansania) und südwärts bis nach Mosambik und Südafrika.
Er bewohnt Savannen, Grasland, lichte Wälder und Buschland, bevorzugt in der Nähe von saisonalen Gewässern und feuchten Senken. Als grabende Art ist er auf lockere, grabfähige Böden angewiesen. Während der Trockenzeit lebt er komplett unterirdisch und kommt erst mit Beginn der Regenzeit an die Oberfläche.
Lebensweise & Verhalten
Der Waldspitzmausfrosch ist eine der wenigen Froscharten, die sich kopfvoran in den Boden eingraben. Die spitze, verhärtete Schnauze dient dabei als Grabwerkzeug. Die meisten anderen grabenden Frösche nutzen dagegen ihre Hinterbeine und graben sich rückwärts ein. Diese Vorwärtsgrabmethode ist in der Familie Hemisotidae einzigartig.
Die Art ist nachtaktiv und verbringt den Großteil des Jahres unterirdisch. Nur während der Regenzeit kommt sie an die Oberfläche, um sich fortzupflanzen. Sie ist ein sesshafter Frosch, der sich nur kurze Strecken bewegt. Bei Störung gräbt sich der Frosch schnell in den Boden ein oder bläst sich auf.
Ernährung
Der Waldspitzmausfrosch ernährt sich hauptsächlich von Termiten und Ameisen, die er in ihren unterirdischen Nestern aufspürt. Seine spitze Schnauze ermöglicht es ihm, in Termitengänge einzudringen. Auch andere kleine Wirbellose wie Käferlarven und Würmer werden gefressen.
Im Terrarium fütterst du mit kleinen Grillen, Springschwänzen, Ameisen (sofern verfügbar), Wachsmottenlarven und Regenwurm-Stücken. Die Futtertiere sollten mit Kalzium und Vitaminen bestäubt werden. Füttere 2–3 Mal pro Woche und biete die Nahrung in der Dämmerung oder nachts an.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt. Das Männchen ruft aus einem selbst gegrabenen unterirdischen Tunnel in der Nähe eines temporären Gewässers. Die Paarung und Eiablage finden in einer unterirdischen Kammer statt, in der das Weibchen 100–200 Eier ablegt.
Besonders bemerkenswert ist die Brutpflege des Weibchens: Es bleibt bei den Eiern und bewacht sie, bis die Kaulquappen schlüpfen. Dann gräbt das Weibchen einen Tunnel zum nächsten Gewässer und führt die Kaulquappen dorthin. Die Kaulquappen entwickeln sich im Wasser und metamorphosieren innerhalb von 4–6 Wochen.
Haltung im Terrarium
Der Waldspitzmausfrosch wird selten in der Terraristik gehalten. Für die Haltung eignet sich ein Terrarium ab 60 × 30 × 30 cm mit einer mindestens 10 cm dicken Schicht aus lockerer, leicht feuchter Erde oder einem Kokoshumus-Sand-Gemisch. Der Frosch wird die meiste Zeit vergraben sein und ist nur selten zu sehen.
Die Temperatur sollte tagsüber 24–28 °C betragen, nachts 20–22 °C. Ein flaches Wasserbecken und Verstecke aus Korkrinde sollten vorhanden sein. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 50–70 % liegen. Da die Art spezialisierte Nahrungsbedürfnisse hat und überwiegend unterirdisch lebt, ist sie eher für erfahrene Halter geeignet.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Waldspitzmausfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft. Die Art ist weit verbreitet und kommt in vielen Schutzgebieten vor. Lokale Bedrohungen bestehen durch Lebensraumverlust (Umwandlung von Savannen in Ackerland) und Pestizideinsatz.
Da die Art unterirdisch lebt und relativ anpassungsfähig ist, sind die Populationen insgesamt stabil. Der Erhalt von Savannenhabitaten mit saisonalen Feuchtgebieten ist für den Schutz dennoch wichtig.
Quellen
- AmphibiaWeb: Hemisus marmoratus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Hemisus marmoratus – iucnredlist.org
- Channing, A. (2001): Amphibians of Central and Southern Africa. Cornell University Press.
- Kamei, R. G. et al. (2012): Discovery of a new family of amphibians from northeast India. Proceedings of the Royal Society B, 279, 2396–2401.
- Frost, D. R. (2024): Amphibian Species of the World – amphibiansoftheworld.amnh.org
