Frösche

Wasserpfeilgiftfrosch (Epipedobates tricolor)

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Wasserpfeilgiftfrosch (Epipedobates tricolor)

Bildquelle: Edwin Butter / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Wasserpfeilgiftfrosch ist ein kleiner, farbenprächtiger Pfeilgiftfrosch aus Ecuador, der durch die Entdeckung des Alkaloids Epibatidin weltberühmt wurde. Dieses Hautsekret ist 200-mal stärker schmerzlindernd als Morphin und hat großes medizinisches Forschungsinteresse geweckt. Die Art ist durch Lebensraumverlust gefährdet.

Der Wasserpfeilgiftfrosch ist ein kleiner, farbenprächtiger Pfeilgiftfrosch aus Ecuador, der durch die Entdeckung des Alkaloids Epibatidin weltberühmt wurde. Dieses Hautsekret ist 200-mal stärker schmerzlindernd als Morphin und hat großes medizinisches Forschungsinteresse geweckt. Die Art ist durch Lebensraumverlust gefährdet.

Steckbrief: Wasserpfeilgiftfrosch (Epipedobates tricolor)
Wissenschaftlicher NameEpipedobates tricolor
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamiliePfeilgiftfrösche (Dendrobatidae)
GattungEpipedobates
Größe2–3 cm
Gewicht2–4 g
Lebenserwartung8–12 Jahre
VerbreitungEcuador (Zentralanden, westliche Andenhänge)
LebensraumMontane Nebelwälder, feuchte Bergwälder, bachnahe Vegetation
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Wasserpfeilgiftfrosch ist ein kleiner Frosch mit einer Körperlänge von nur 2–3 cm. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarz mit drei charakteristischen hellen Längsstreifen, die vom Kopf über den Rücken und die Flanken verlaufen – daher der Name „tricolor". Die Streifen können weiß, gelblich oder rötlich gefärbt sein, je nach Population.

Die Unterseite ist dunkel mit hellen Flecken. Die Hinterbeine zeigen häufig rote bis orangefarbene Flecken. Die Augen sind dunkel und relativ groß. Die Haftscheiben an den Zehen sind für einen Dendrobatiden moderat entwickelt. Männchen und Weibchen sind äußerlich schwer zu unterscheiden. Taxonomisch ist die Abgrenzung zwischen E. tricolor und E. anthonyi komplex und wird noch diskutiert.

Verbreitung & Lebensraum

Der Wasserpfeilgiftfrosch kommt in den Zentralanden Ecuadors vor, insbesondere auf den westlichen Andenhängen in Höhenlagen von 800–1.800 m. Sein Verbreitungsgebiet ist relativ begrenzt und fragmentiert. Die Art bewohnt montane Nebelwälder und feuchte Bergwälder mit dichter Vegetation und Zugang zu Fließgewässern.

Er lebt am Waldboden in der Laubstreu und auf Felsen in der Nähe von Bächen. Die Kaulquappen entwickeln sich in langsam fließenden Bachbereichen und ruhigen Wasserbecken. Der Lebensraum ist durch Abholzung und Umwandlung in Landwirtschaftsflächen stark fragmentiert.

Lebensweise & Verhalten

Der Wasserpfeilgiftfrosch ist tagaktiv und lebt bodennah in der Laubstreu des Waldes. Männchen sind territorial und verteidigen kleine Reviere mit Rufen. Der Ruf besteht aus einer Serie schneller, hoher Pieptöne.

Die Art wurde durch die Entdeckung des Alkaloids Epibatidin berühmt, das 1974 vom Chemiker John Daly aus der Haut dieses Froschs isoliert wurde. Epibatidin ist ein extrem potentes Analgetikum, das 200-mal stärker wirkt als Morphin, aber auch hochgiftig ist. Es bindet an Nikotin-Acetylcholin-Rezeptoren und hat intensive pharmazeutische Forschung ausgelöst, um synthetische Analoga ohne die toxischen Nebenwirkungen zu entwickeln. In Gefangenschaft verlieren die Frösche ihre Giftigkeit.

Ernährung

Der Wasserpfeilgiftfrosch ernährt sich von winzigen Wirbellosen, die er in der Laubstreu findet. Zur Hauptnahrung gehören Ameisen, Milben, Springschwänze und andere Mikro-Arthropoden. Diese Beutetiere sind auch die Quelle der Hautalkaloide, einschließlich des Epibatidins.

Im Terrarium fütterst du mit Fruchtfliegen (Drosophila), Springschwänzen und kleinen tropischen Asseln. Die Futtertiere sollten regelmäßig mit Kalzium und Vitaminen bestäubt werden. Füttere täglich in kleinen Mengen, da der hohe Stoffwechsel regelmäßige Nahrungsaufnahme erfordert.

Fortpflanzung

Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Reviergesang an und führt es zu einer geeigneten Eiablagestelle in der Laubstreu. Das Gelege umfasst 15–40 Eier, die auf feuchtem Laub oder unter Steinen abgelegt werden. Das Männchen bewacht die Eier und hält sie feucht.

Nach dem Schlüpfen transportiert das Männchen die Kaulquappen auf seinem Rücken zu einem geeigneten Gewässer – typischerweise ruhige Bereiche eines Bachs oder kleine Wasseransammlungen. Die Kaulquappen entwickeln sich über 2–3 Monate zu kleinen Fröschen. Im Terrarium gelingt die Nachzucht, wenn geeignete Eiablageplätze und ein Wasserteil vorhanden sind.

Haltung im Terrarium

Der Wasserpfeilgiftfrosch kann in einem Regenwaldterrarium ab 50 × 40 × 40 cm gehalten werden. Die Einrichtung sollte eine dichte Bepflanzung, Laubstreu, Verstecke und einen Wasserteil mit flachem Bachlauf oder Wasserbecken umfassen. Die Temperatur sollte tagsüber 22–26 °C betragen, nachts 18–20 °C – die Art verträgt keine starke Hitze.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 75–90 % liegen. Eine moderate Beleuchtung mit UV-Anteil ist empfehlenswert. Die Art ist in der Terraristik beliebt, wird aber oft mit E. anthonyi verwechselt oder unter diesem Namen angeboten. Da die Art als „Vulnerable" eingestuft ist und im CITES-Anhang II gelistet ist, solltest du unbedingt auf dokumentierte Nachzuchten achten.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Wasserpfeilgiftfrosch wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind die Abholzung der Bergwälder in Ecuador für Landwirtschaft und Viehzucht sowie die Fragmentierung des Lebensraums. Das begrenzte Verbreitungsgebiet macht die Art besonders anfällig für Habitatverlust.

Die Art ist im CITES-Anhang II gelistet, und Ecuador hat strenge Exportbeschränkungen. Zuchtprogramme in Zoos und privater Terraristik tragen zum Erhalt der Art bei. Der Schutz der verbliebenen Nebelwälder in den ecuadorianischen Anden ist für das Überleben dieser wissenschaftlich so bedeutsamen Art entscheidend.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Epipedobates tricoloramphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Epipedobates tricoloriucnredlist.org
  3. Spande, T. F. et al. (1992): Epibatidine: A Novel (Chloropyridyl)azabicycloheptane with Potent Analgesic Activity. JACS, 114, 3475–3478.
  4. Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
  5. Daly, J. W. et al. (2005): The chemistry of poisons in amphibian skin. PNAS, 102, 14159–14164.

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