Kröten

Wechselkröte (Bufotes viridis)

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Wechselkröte (Bufotes viridis)

Bildquelle: Rudmer Zwerver / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Wechselkröte ist eine der farbenfrohsten europäischen Krötenarten. Ihr auffälliges Fleckenmuster aus grünen, unregelmäßigen Flecken auf hellem Grund macht sie unverwechselbar. Sie ist besonders an trockene, warme Lebensräume angepasst und kommt häufig auf Brachflächen und in Siedlungsnähe vor.

📚 Steckbrief – Wechselkröte (Bufotes viridis)
Wissenschaftlicher NameBufotes viridis
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieKröten (Bufonidae)
GattungBufotes
Größe5–10 cm
Gewicht15–60 g
Lebenserwartung7–10 Jahre (in Gefangenschaft bis 15 Jahre)
VerbreitungSüd-, Mittel- und Osteuropa, Zentralasien, Nordafrika
LebensraumOffene, trockene Landschaften, Steppen, Brachflächen, Gärten
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Die Wechselkröte ist eine mittelgroße Krötenart mit 5–10 cm Körperlänge. Ihr auffälligstes Merkmal ist das namensgebende, unregelmäßige Fleckenmuster: Leuchtend grüne bis olivgrüne Flecken auf einem hellen, cremefarbenen bis weißlichen Grund. Die Flecken sind scharf abgegrenzt und können von individuell sehr unterschiedlicher Form und Größe sein – kein Tier gleicht dem anderen.

Die Haut ist warzig, die Parotiden hinter den Augen sind flach und oval. Die Unterseite ist weißlich und meist ungefleckt. Die Pupillen sind waagerecht, die Iris grünlich-golden. Männchen sind kleiner als Weibchen und besitzen zur Paarungszeit dunkle Brunftschwielen. Im Gegensatz zur Erdkröte kann die Wechselkröte ihre Grundfarbe je nach Temperatur und Untergrund leicht verändern – daher der Name „Wechselkröte".

Verbreitung & Lebensraum

Die Wechselkröte ist von Nordafrika über Süd- und Mitteleuropa bis nach Zentralasien (Kasachstan, Mongolei) verbreitet. In Deutschland kommt sie vor allem im Osten (Brandenburg, Sachsen-Anhalt) und Süden (Oberrheinebene) vor, ist aber insgesamt selten und rückläufig.

Als wärmeliebende Art bevorzugt die Wechselkröte offene, trockene und sonnenexponierte Lebensräume. Sie kommt auf Brachflächen, Kiesgruben, Ruderalstandorten, in Weinbergen und an Bahndämmen vor. Im Gegensatz zur Erdkröte meidet sie geschlossene Waldgebiete. Als Laichgewässer nutzt sie bevorzugt flache, besonnte Gewässer, auch temporäre Pfützen und Überschwemmungsflächen.

Lebensweise & Verhalten

Die Wechselkröte ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann aber an warmen, feuchten Tagen auch tagsüber beobachtet werden. Sie gräbt sich tagsüber in lockere Böden ein oder versteckt sich unter Steinen und Brettern.

Die Art ist die trockenheitsresistenteste europäische Kröte und kann Wasserverluste von bis zu 60 % ihres Körpergewichts überleben. Sie überwintert von Oktober bis März in frostfreien Verstecken, oft in Erdlöchern, Mauerspalten oder Kellern. Im Frühjahr wandert sie zu den Laichgewässern, wobei die Wanderstrecken kürzer sind als bei der Erdkröte.

Ernährung

Die Wechselkröte ernährt sich von einer breiten Palette wirbelloser Tiere. Hauptbeute sind Ameisen, Käfer, Spinnen, Asseln und kleine Schnecken. Da sie häufig in offenen, trockenen Lebensräumen vorkommt, frisst sie auch viele xerophile (trockenheitsliebende) Insektenarten.

Kaulquappen ernähren sich von Algen, Biofilmen und organischen Partikeln. Sie können auch Eier und Larven anderer Amphibienarten fressen.

Fortpflanzung

Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Juni. Die Männchen rufen mit einem melodischen, trillernden Gesang, der entfernt an einen Kanarienvogel erinnert und über weite Strecken hörbar ist. Der Ruf ist deutlich melodischer als der der Erdkröte.

Die Weibchen legen 5.000–12.000 Eier in doppelreihigen Laichschnüren ab, die um Wasserpflanzen gewickelt werden. Die Entwicklung verläuft bei warmen Wassertemperaturen relativ schnell: Die Kaulquappen schlüpfen nach wenigen Tagen und metamorphosieren bereits nach 6–8 Wochen. Die Jungtiere sind bei der Umwandlung etwa 1,5 cm groß. Die Geschlechtsreife wird mit 2–4 Jahren erreicht.

Haltung im Terrarium

Die Wechselkröte ist in Deutschland streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie) und darf nicht der Natur entnommen werden. Nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden, wobei eine Meldepflicht besteht.

Für die Haltung eignet sich ein Terrarium ab 80 × 40 × 40 cm mit einer Schicht sandiger Erde, flachen Steinen als Versteck und einem Wasserbecken. Die Temperatur sollte tagsüber 22–26 °C betragen, nachts kühler. Eine Winterruhe bei 5–8 °C über 3–4 Monate ist wichtig. Die Art ist relativ robust und kann bei guter Pflege über 15 Jahre alt werden.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Wechselkröte wird global als „Least Concern" eingestuft, ist aber in Mitteleuropa in vielen Regionen stark gefährdet. In Deutschland steht sie auf der Roten Liste als „stark gefährdet" (Kategorie 2). Hauptursachen für den Rückgang sind der Verlust offener, warmer Lebensräume durch Bebauung und Sukzession sowie die Zerstörung flacher Laichgewässer.

Schutzmaßnahmen umfassen die Erhaltung und Neuanlage geeigneter Laichgewässer, die Offenhaltung von Brachflächen und die Vernetzung isolierter Populationen. Die Art profitiert von Kiesgruben, Steinbrüchen und militärischen Übungsgeländen als Sekundärlebensräume.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Bufotes viridis – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Bufotes viridis – www.iucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Bundesamt für Naturschutz: Wechselkröte – www.bfn.de
  5. Rote Liste der Amphibien Deutschlands (2020) – www.rote-liste-zentrum.de

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