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Weißkehl-Doktorfisch (Acanthurus leucosternon)

4 Min. Lesezeit
Acanthurus leucosternon

Zusammenfassung

Der Weißkehl-Doktorfisch, auch Powder Blue Tang genannt, ist einer der atemberaubendsten Doktorfische und ein Traum vieler Meerwasseraquarianer. Sein intensives Puderblau mit schwarzem Kopf und gelber Rückenflosse macht ihn unverwechselbar – allerdings ist er auch einer der empfindlichsten und krankheitsanfälligsten Doktorfische.

Der Weißkehl-Doktorfisch, auch Powder Blue Tang genannt, ist einer der atemberaubendsten Doktorfische und ein Traum vieler Meerwasseraquarianer. Sein intensives Puderblau mit schwarzem Kopf und gelber Rückenflosse macht ihn unverwechselbar – allerdings ist er auch einer der empfindlichsten und krankheitsanfälligsten Doktorfische.

Steckbrief: Weißkehl-Doktorfisch (Acanthurus leucosternon)
Wissenschaftlicher NameAcanthurus leucosternon
OrdnungBarschartige (Perciformes)
FamilieDoktorfische (Acanthuridae)
GattungAcanthurus
Größe20–23 cm
Gewicht100–250 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungIndischer Ozean (Ostafrika bis Indonesien)
LebensraumKorallenriffe, Riffhänge, Lagunen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 600 Liter
Temperatur24–27 °C
pH-Wert8.1–8.4
Wasserhärte8–12 °dKH

Beschreibung & Aussehen

Der Weißkehl-Doktorfisch erreicht eine Körperlänge von 20–23 cm und besitzt den typischen, hochrückigen und seitlich abgeflachten Doktorfischkörper. Die Färbung ist spektakulär: Der gesamte Körper leuchtet in einem intensiven, puderigen Hellblau (daher „Powder Blue"), das in dieser Reinheit bei kaum einer anderen Fischart zu finden ist.

Der Kopf und die Schnauze sind tiefschwarz gefärbt, die Kehle leuchtend weiß – das namensgebende Merkmal. Die Rückenflosse ist leuchtend gelb, die Afterflosse weiß. Die Schwanzflosse ist weiß mit schwarzem Rand. Am Schwanzstiel sitzt der für Doktorfische typische, scharfe Knochendorn (Skalpell), der zur Verteidigung eingesetzt werden kann und ernsthafte Schnittwunden verursachen kann.

Verbreitung & Lebensraum

Der Weißkehl-Doktorfisch ist auf den Indischen Ozean beschränkt und kommt von der ostafrikanischen Küste über die Malediven und Sri Lanka bis nach Indonesien vor. Er bewohnt flache Korallenriffe und Riffhänge in Tiefen von 1 bis 25 Metern.

In der Natur lebt er in Bereichen mit starker Brandung und klarem, sauerstoffreichem Wasser. Er bevorzugt Riffkanten und Außenriffe mit reichem Algenbewuchs, an dem er den Großteil des Tages weidet. Die Tiere leben territorial in kleinen Gruppen oder einzeln und verteidigen ihre Weidegründe energisch.

Lebensweise & Verhalten

Der Weißkehl-Doktorfisch ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages damit, Algenaufwuchs von Korallen und Felsen abzuweiden. Er ist sehr aktiv und benötigt viel Schwimmraum. Gegenüber Artgenossen und ähnlich aussehenden Doktorfischen ist er ausgesprochen aggressiv – die Haltung mehrerer Exemplare gelingt nur in sehr großen Becken.

Der Powder Blue Tang ist leider auch einer der krankheitsanfälligsten Doktorfische. Er neigt stark zu Weißpünktchenkrankheit (Ichthyophthirius/Cryptocaryon), besonders nach Stress durch Transport, Eingewöhnung oder schlechte Wasserqualität. Eine Quarantänezeit vor dem Einsetzen ins Hauptbecken ist dringend zu empfehlen.

Ernährung

Der Weißkehl-Doktorfisch ist ein überzeugter Herbivore und ernährt sich in der Natur fast ausschließlich von Fadenalgen und Aufwuchsalgen auf Riffstrukturen. Im Aquarium solltest du mehrmals täglich Nori-Algenblätter, Spirulina-Flocken und Algen-Granulat anbieten.

Ergänzend können Frostfutter wie Artemia und Mysis angeboten werden, die zusätzliche Nährstoffe liefern. Eine vitaminreiche Ernährung mit regelmäßiger Vitaminergänzung (besonders Vitamin C) stärkt das Immunsystem und hilft, die Krankheitsanfälligkeit zu reduzieren. Die Tiere müssen ständig grasen können – ein hungernder Powder Blue Tang wird schnell krank.

Fortpflanzung

Die Zucht des Weißkehl-Doktorfischs im Aquarium ist bisher nicht gelungen. In der Natur sind die Tiere Freilaicher, die ihre Eier in der Dämmerung paarweise oder in kleinen Gruppen ins freie Wasser abgeben. Die pelagischen Eier und Larven treiben mit den Strömungen.

Die Larvenstadien (Acronurus-Stadium) verbringen mehrere Monate im offenen Ozean, bevor sie sich als kleine Jungfische am Riff ansiedeln. Diese extrem lange Larvalphase macht eine Nachzucht im Aquarium praktisch unmöglich. Alle im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen.

Haltung im Aquarium

Der Weißkehl-Doktorfisch benötigt ein großes Meerwasseraquarium ab 600 Litern mit viel freiem Schwimmraum und kräftiger Strömung. Lebendgestein mit reichem Algenbewuchs bietet natürliche Weidegründe. Die Wasserqualität muss makellos sein – stabile Temperaturen von 24–27 °C, exzellente Filterung und regelmäßige Wasserwechsel sind Pflicht.

Die Einzelhaltung ist empfehlenswert, da die Art gegenüber anderen Doktorfischen und Artgenossen sehr aggressiv ist. Nur in Becken ab 1.500 Litern kann die Vergesellschaftung mit anderen, deutlich anders aussehenden Doktorfischen gelingen. Eine UV-Sterilisation hilft, Krankheitserreger zu reduzieren.

Der Powder Blue Tang ist kein Anfängerfisch! Nur erfahrene Meerwasseraquarianer mit einem eingefahrenen, stabilen Becken und dem nötigen Wissen über Quarantäne und Krankheitsbehandlung sollten sich an diese anspruchsvolle Art wagen. Die Belohnung ist jedoch einer der schönsten Fische, die das Meer zu bieten hat.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Weißkehl-Doktorfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Indischen Ozean häufig und weit verbreitet. Die Nachfrage durch den Meerwasserhandel kann lokal zu Überfischung führen, insgesamt sind die Bestände jedoch stabil.

Da eine Nachzucht nicht möglich ist, stammen alle Tiere aus Wildfängen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Tieren – einschließlich sorgfältiger Eingewöhnung und optimaler Haltungsbedingungen – ist daher besonders wichtig, um unnötige Verluste zu vermeiden.

Quellen

  1. FishBase: Acanthurus leucosternonfishbase.se
  2. Coral Magazine – Doktorfische im Riffaquarium – coral-magazine.com
  3. Randall, J.E. (2002): Surgeonfishes of Hawaii and the World. Mutual Publishing.
  4. IUCN Red List: Acanthurus leucosternoniucnredlist.org
  5. Debelius, H. & Baensch, H.A. (1997): Meerwasser Atlas. Mergus Verlag.

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