Die Weißstirn-Mormyride, auch Elefantenrüsselfisch genannt, ist einer der faszinierendsten Süßwasserfische überhaupt. Sie besitzt ein elektrisches Organ zur Navigation und Kommunikation, eine rüsselartige Verlängerung des Unterkiefers und gilt als einer der intelligentesten Fische – ihr Gehirn hat im Verhältnis zum Körper eine ähnliche Größe wie das menschliche.
| Wissenschaftlicher Name | Gnathonemus petersii |
| Ordnung | Knochenzünglerartige (Osteoglossiformes) |
| Familie | Nilhechte (Mormyridae) |
| Gattung | Gnathonemus |
| Größe | 15–25 cm |
| Gewicht | 30–100 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Zentral- und Westafrika (Kongo, Niger, Kamerun) |
| Lebensraum | Langsam fließende, dicht bewachsene Flüsse und Bäche |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 200 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 6.0–7.5 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Weißstirn-Mormyride erreicht eine Körperlänge von 15–25 cm und besitzt einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper in einem einheitlichen Dunkelbraun bis Schwarz. Das auffälligste Merkmal ist die namensgebende rüsselartige Verlängerung des Unterkiefers (Chin-Appendage), die dem Fisch den populären Namen „Elefantenrüsselfisch" eingebracht hat.
Dieser „Rüssel" ist kein echtes Geruchsorgan, sondern dient als hochsensibles Tastorgan, mit dem der Fisch den Bodengrund nach Nahrung durchsucht. Die Rücken- und Afterflosse sitzen weit hinten am Körper und sind nahezu symmetrisch angeordnet. Zwischen ihnen, am Schwanzstiel, befindet sich das elektrische Organ, das schwache elektrische Impulse erzeugt. Die Schwanzflosse ist tief gegabelt. Zwei helle, bogige Binden zwischen Rücken- und Afterflosse sind ein weiteres Erkennungsmerkmal.
Verbreitung & Lebensraum
Die Weißstirn-Mormyride stammt aus Zentral- und Westafrika und kommt in den Flusssystemen des Kongo, Niger und Kameruns vor. Ihr Verbreitungsgebiet ist relativ groß und umfasst verschiedene tropische Gewässersysteme.
In der Natur bewohnt sie langsam fließende, dicht bewachsene Flüsse und Bäche mit weichem, oft schlammigem Bodengrund. Sie bevorzugt trübe oder stark bewachsene Gewässer mit vielen Versteckmöglichkeiten. In diesen lichtarmen Umgebungen kommt ihre Fähigkeit zur Elektroortung besonders zum Tragen – sie navigiert und kommuniziert über ihr elektrisches Feld, statt auf das Sehvermögen angewiesen zu sein.
Lebensweise & Verhalten
Die Weißstirn-Mormyride ist vorwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag versteckt in Höhlen, Röhren oder zwischen Wurzeln. In der Dämmerung und nachts wird sie aktiv und durchsucht mit ihrem Rüssel systematisch den Bodengrund nach Nahrung. Dabei erzeugt sie ständig schwache elektrische Impulse (0,5–5 Volt), die von Elektroreceptoren in der Haut empfangen werden.
Dieses elektrische Feld dient der Navigation, der Nahrungssuche und der Kommunikation mit Artgenossen. Die Weißstirn-Mormyride gilt als einer der intelligentesten Fische – ihr Gehirn macht etwa 3 % des Körpergewichts aus, vergleichbar mit dem Verhältnis beim Menschen. Im Aquarium zeigt sie Lernfähigkeit, erkennt ihren Pfleger und kann trainiert werden. Die Tiere können in kleinen Gruppen oder einzeln gehalten werden, wobei Artgenossen gelegentlich über ihre elektrischen Signale kommunizieren.
Ernährung
Die Weißstirn-Mormyride ernährt sich in der Natur von kleinen Wirbellosen, Insektenlarven (besonders Zuckmückenlarven), Würmern und Krebstierchen, die sie mit ihrem sensiblen Rüssel im Schlamm aufspürt. Im Aquarium ist sie ein wählerischer Fresser, der Lebendfutter bevorzugt.
Rote und weiße Mückenlarven, Tubifex, Daphnien und fein gehackte Regenwürmer sind die ideale Nahrung. Frostfutter wird nach einer Gewöhnung meist akzeptiert, Trockenfutter jedoch oft verschmäht. Füttere bevorzugt in der Dämmerung oder bei gedämpftem Licht, wenn die Tiere aktiv werden. Eine regelmäßige, abwechslungsreiche Ernährung ist entscheidend für die Gesundheit dieser empfindlichen Art.
Fortpflanzung
Die Zucht der Weißstirn-Mormyride im Aquarium ist äußerst selten gelungen und gilt als große Herausforderung. In der Natur laichen die Tiere vermutlich während der Regenzeit in überfluteten Uferbereichen. Über das genaue Laichverhalten ist wenig bekannt.
Die Geschlechtsunterscheidung ist schwierig – es wird vermutet, dass die Form der Afterflosse bei Männchen und Weibchen leicht variiert. In den wenigen dokumentierten Zuchterfolgen wurde das Laichen durch die Simulation von Regenzeiten mit Temperaturabsenkung und erhöhter Wasserwechselfrequenz ausgelöst. Die Eier sind klein und klebrig. Alle im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen.
Haltung im Aquarium
Die Weißstirn-Mormyride benötigt ein Aquarium ab 200 Litern mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten in Form von Röhren (PVC-Rohre, Tonröhren), Wurzeln und dichten Pflanzengruppen. Der Bodengrund sollte aus feinem Sand bestehen, da der Fisch mit seinem Rüssel darin nach Nahrung sucht – grober Kies kann zu Verletzungen führen.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,0–7,5. Gedämpfte Beleuchtung und eine ruhige Umgebung sind wichtig, da die nachtaktiven Tiere empfindlich auf Stress reagieren. Schwimmpflanzen und Mondlichtbeleuchtung ermöglichen die Beobachtung des faszinierenden Nachtlebens.
Vermeide die Vergesellschaftung mit hektischen oder aggressiven Fischen. Ruhige Beifische wie Fadenfische, Buntbarsche mittlerer Größe und Welse sind geeignet. Beachte, dass andere elektrische Fische (z. B. Messerfische) die Kommunikation der Mormyriden stören können. Medikamente auf Kupferbasis sind für Mormyriden tödlich – halte sie niemals in einem Becken ein, das zuvor damit behandelt wurde.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Weißstirn-Mormyride wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in ihrem afrikanischen Verbreitungsgebiet häufig. Die Entnahme für den Aquarienhandel hat keinen erkennbaren negativen Einfluss auf die Gesamtpopulation.
Da eine Nachzucht im Aquarium praktisch nicht stattfindet, stammen alle Tiere aus Wildfängen. Ein besonders sorgfältiger Umgang mit diesen intelligenten und empfindlichen Fischen ist daher geboten. Informiere dich vor dem Kauf gründlich über die speziellen Haltungsanforderungen.
Quellen
- FishBase: Gnathonemus petersii – fishbase.se
- Seriously Fish: Gnathonemus petersii – seriouslyfish.com
- Hopkins, C.D. (1988): Neuroethology of electric communication. Annual Review of Neuroscience, 11, 497–535.
- IUCN Red List: Gnathonemus petersii – iucnredlist.org
- Moller, P. (1995): Electric Fishes: History and Behavior. Chapman & Hall.
