Frösche

Wiesenfrosch (Rana latastei)

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Wiesenfrosch (Rana latastei)

Bildquelle: Mario Saccomano / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Wiesenfrosch ist ein seltener europäischer Braunfrosch, der auf ein kleines Verbreitungsgebiet im nördlichen Italien, Slowenien und der Südschweiz beschränkt ist. Er bewohnt feuchte Laubwälder und Auwälder und ist durch Lebensraumverlust und Trockenlegung von Feuchtgebieten gefährdet.

Der Wiesenfrosch ist ein seltener europäischer Braunfrosch, der auf ein kleines Verbreitungsgebiet im nördlichen Italien, Slowenien und der Südschweiz beschränkt ist. Er bewohnt feuchte Laubwälder und Auwälder und ist durch Lebensraumverlust und Trockenlegung von Feuchtgebieten gefährdet.

Steckbrief: Wiesenfrosch (Rana latastei)
Wissenschaftlicher NameRana latastei
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieEchte Frösche (Ranidae)
GattungRana
Größe5–7 cm
Gewicht10–25 g
Lebenserwartung5–8 Jahre
VerbreitungNorditalien, Slowenien, Südschweiz (Tessin)
LebensraumLaubwälder, Auwälder, feuchte Wiesen, Gewässernähe
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Wiesenfrosch ist ein mittelgroßer Braunfrosch mit einer Körperlänge von 5–7 cm. Die Oberseite ist rotbraun bis hellbraun gefärbt, mit einem markanten dunklen Schläfenfleck (Temporalfleck), der typisch für die Gruppe der Braunfrösche ist. Die Schnauze ist relativ spitz, die Hinterbeine lang und schlank.

Die Unterseite ist weißlich bis hellrosa, meist ungefleckt – ein Unterscheidungsmerkmal zu ähnlichen Arten. Die Rückenhaut kann glatt bis leicht warzig sein. Männchen sind etwas kleiner als Weibchen und entwickeln zur Paarungszeit Brunftschwielen an den Daumen und eine bläulich-violette Kehle.

Verbreitung & Lebensraum

Der Wiesenfrosch hat ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet in der Poebene Norditaliens, dem westlichen Slowenien und dem Kanton Tessin in der Südschweiz. Er ist ein Endemit dieser Region und kommt nirgendwo sonst auf der Welt vor. Die Art lebt vorwiegend in Tieflagen unter 400 m.

Als Lebensraum bevorzugt er feuchte Laubwälder, Auwälder entlang von Flüssen und Bächen sowie feuchte Wiesen mit Zugang zu stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Er ist auf intakte Feuchtgebiete angewiesen und reagiert empfindlich auf die Trockenlegung und Fragmentierung seines Lebensraums.

Lebensweise & Verhalten

Der Wiesenfrosch ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber versteckt er sich in der Laubstreu, unter Totholz oder in feuchten Verstecken. Er ist ein geschickter Springer und kann bei Gefahr weite Sprünge machen, um sich in Deckung zu bringen.

Die Winterruhe dauert von Oktober bis Februar, wobei die Tiere in frostfreien Verstecken im Boden oder unter Totholz überwintern. Im zeitigen Frühjahr (Februar–März) wandern sie zu den Laichgewässern, wobei sie manchmal beträchtliche Strecken zurücklegen. Die Art ist standorttreu und kehrt Jahr für Jahr zu denselben Laichplätzen zurück.

Ernährung

Der Wiesenfrosch ernährt sich von Insekten, Spinnen, Schnecken, Regenwürmern und anderen Wirbellosen, die er am Waldboden findet. Er ist ein opportunistischer Jäger, der die Beute mit einem schnellen Zungenschlag oder durch direktes Zupacken erbeutet.

Kaulquappen ernähren sich von Algen, Detritus und Biofilmen auf Wasserpflanzen. Die Jungtiere nach der Metamorphose fressen zunächst sehr kleine Wirbellose wie Springschwänze und Blattläuse.

Fortpflanzung

Die Laichzeit ist kurz und explosiv – sie dauert nur wenige Wochen im Februar bis März, bei Wassertemperaturen ab etwa 8 °C. Die Männchen treffen als erste am Laichgewässer ein und umklammern die Weibchen im Amplexus. Es bilden sich oft große Laichgesellschaften.

Das Weibchen legt 500–1.500 Eier in einem kompakten Laichballen ab, der an Unterwasserpflanzen oder Ästen befestigt wird. Die Kaulquappen schlüpfen nach 2–3 Wochen und metamorphosieren innerhalb von 2–3 Monaten. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Terrarium

Die Haltung des Wiesenfroschs im Terrarium ist aufgrund seines strengen Schutzstatus in der Praxis kaum möglich. Die Art ist durch die FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) und die Berner Konvention geschützt. Jede Entnahme aus der Natur ist streng verboten, und es gibt praktisch keine Nachzuchten im Handel.

Theoretisch bräuchte man ein kühles Waldterrarium mit einer dicken Laubschicht, Versteckmöglichkeiten, einem Wasserbecken und Temperaturen von 15–22 °C. Eine Winterruhe bei 4–6 °C wäre zwingend erforderlich. Der Fokus liegt jedoch klar auf dem Schutz der Wildpopulationen, nicht auf der Terraristik.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Wiesenfrosch wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Populationen gehen vor allem durch die Zerstörung und Fragmentierung der Auwälder in der Poebene zurück. Die intensive Landwirtschaft, Urbanisierung und Gewässerregulierung haben große Teile seines Lebensraums zerstört.

Die Art ist im Anhang II und IV der europäischen FFH-Richtlinie und im Anhang II der Berner Konvention gelistet. In Italien und Slowenien gibt es mehrere Schutzprojekte, die sich auf die Erhaltung und Wiederherstellung von Auwald-Lebensräumen konzentrieren. Die Vernetzung der verbliebenen Populationen durch Biotopkorridore ist eine wichtige Schutzmaßnahme.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Rana latasteiamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Rana latasteiiucnredlist.org
  3. Lanza, B. et al. (2007): Fauna d'Italia – Amphibia. Calderini Verlag.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Sindaco, R. et al. (2006): Atlante degli Anfibi e dei Rettili d'Italia. Societas Herpetologica Italica.

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