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Wüstengrundel (Chlamydogobius eremius)

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Wüstengrundel (Chlamydogobius eremius)

Bildquelle: Pavaphon Supanantananont / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Wüstengrundel ist ein außergewöhnlich widerstandsfähiger kleiner Fisch aus den artesischen Quellen Zentralaustraliens. Sie toleriert extreme Temperaturschwankungen von 15 bis 35 °C und überlebt selbst in leicht salzhaltigem Wasser – eine faszinierende Anpassung an das Leben in der Wüste.

Die Wüstengrundel ist ein außergewöhnlich widerstandsfähiger kleiner Fisch aus den artesischen Quellen Zentralaustraliens. Sie toleriert extreme Temperaturschwankungen von 15 bis 35 °C und überlebt selbst in leicht salzhaltigem Wasser – eine faszinierende Anpassung an das Leben in der Wüste.

Steckbrief: Wüstengrundel (Chlamydogobius eremius)
Wissenschaftlicher NameChlamydogobius eremius
OrdnungGrundelartige (Gobiiformes)
FamilieGrundeln (Gobiidae)
GattungChlamydogobius
Größe4–6 cm
Gewicht2–5 g
Lebenserwartung3–5 Jahre
VerbreitungZentralaustralien (Wüstenquellen)
LebensraumArtesische Quellen, Wüstenbäche, thermale Gewässer
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN
Aquariumab 40 Liter
Temperatur15–35 °C
pH-Wert7,0–8,5
Wasserhärte10–30 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Die Wüstengrundel erreicht eine Körperlänge von 4–6 cm und besitzt den typischen grundelartigen Körperbau mit einem breiten, abgeflachten Kopf und einem leicht gedrungenen Rumpf. Die Grundfärbung der Männchen variiert von olivgrün bis bräunlich und zeigt während der Balz leuchtend blaue Flecken und gelbe Flossenränder. Weibchen sind unauffälliger graubraun gefärbt.

Die Bauchflossen sind zu einer Saugscheibe verwachsen, mit der sich der Fisch an Steinen und Substrat festhalten kann. Die Augen sind relativ groß und sitzen hoch am Kopf, was dem Tier eine gute Rundumübersicht ermöglicht. Männchen werden etwas größer als Weibchen und entwickeln zur Paarungszeit eine intensivere Färbung mit auffälligen blauen Markierungen auf den Flanken und Flossen.

Verbreitung & Lebensraum

Die Wüstengrundel ist in den artesischen Quellen und Wüstenbächen Zentralaustraliens endemisch. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst das Lake-Eyre-Becken in South Australia, wo sie in isolierten Thermalquellen, sogenannten Mound Springs, vorkommt. Diese Quellen werden vom Great Artesian Basin gespeist und bilden winzige Oasen inmitten der australischen Wüste.

Der natürliche Lebensraum ist geprägt von extremen Bedingungen: Wassertemperaturen können von unter 15 °C in kühlen Nächten bis über 35 °C an heißen Tagen schwanken. Das Wasser ist oft leicht brackig und kann einen erhöhten Salzgehalt aufweisen. Die Quellpools sind meist klein, flach und mit Algenmatten und spärlicher Vegetation bewachsen. Diese extremen Lebensbedingungen haben die Wüstengrundel zu einem der härtesten Aquarienfische der Welt gemacht.

Lebensweise & Verhalten

In der Natur lebt die Wüstengrundel in kleinen Gruppen in den flachen Quellpools. Männchen sind revierbildend und verteidigen kleine Höhlen oder Unterschlüpfe unter Steinen, die als Laichplätze dienen. Gegenüber Artgenossen können die Männchen recht territorial sein, während Weibchen und Jungtiere friedlicher miteinander umgehen.

Die Art ist an extreme Umweltbedingungen angepasst wie kaum ein anderer Aquarienfisch. Sie toleriert Temperaturen von 5 bis über 40 °C, überlebt in leicht salzhaltigem Wasser und kommt mit stark schwankenden Wasserwerten zurecht. In der Natur sind die Tiere überwiegend tagaktiv und verbringen viel Zeit mit der Nahrungssuche am Bodengrund.

Im Aquarium zeigt die Wüstengrundel ein lebhaftes Verhalten. Männchen besetzen Höhlen und balzen intensiv um Weibchen, wobei sie ihre Farben deutlich verstärken. Du solltest pro Männchen mindestens zwei bis drei Weibchen halten, um Stress zu vermeiden.

Ernährung

Die Wüstengrundel ist ein Allesfresser, der in der Natur Algen, kleine Wirbellose, Insektenlarven und organischen Detritus frisst. Im Aquarium nimmt sie problemlos alle gängigen Futtersorten an – von Flockenfutter über Granulat bis hin zu Frost- und Lebendfutter wie Artemia, Mückenlarven und Daphnien.

Aufgrund ihrer geringen Größe solltest du darauf achten, dass das Futter fein genug ist. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit regelmäßigen Gaben von Lebend- oder Frostfutter fördert die Farbentwicklung, besonders bei den Männchen. Die Art frisst auch gerne Aufwuchs und Biofilme von Steinen und Dekorationen.

Fortpflanzung

Die Zucht der Wüstengrundel gelingt im Aquarium relativ problemlos. Das Männchen richtet eine Höhle unter einem Stein, einer Kokosnussschale oder einem Tonrohr als Laichplatz ein und lockt Weibchen mit intensiver Balz dorthin. Die Eier werden an der Decke der Höhle befestigt und vom Männchen bewacht und befächelt.

Ein Gelege umfasst 50–200 Eier, die je nach Temperatur nach 7–14 Tagen schlüpfen. Das Männchen betreibt intensive Brutpflege und verteidigt das Gelege aggressiv gegen alle Eindringlinge. Die geschlüpften Larven sind sehr klein und benötigen zunächst Infusorien oder Staubfutter, bevor sie nach etwa einer Woche frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien fressen können.

Haltung im Aquarium

Für die Haltung der Wüstengrundel eignet sich bereits ein Aquarium ab 40 Litern. Die Einrichtung sollte viele Verstecke in Form von Steinhöhlen, Tonröhren und Kokosnussschalen bieten – besonders wenn du mehrere Männchen hältst. Sandiger Bodengrund und einige robuste Pflanzen wie Javafarn oder Anubias vervollständigen die Einrichtung.

Die Art ist extrem tolerant gegenüber unterschiedlichen Wasserwerten und Temperaturen, was sie ideal für Einsteiger macht. Ein Temperaturbereich von 15–35 °C wird vertragen, wobei 22–28 °C für die dauerhafte Haltung optimal sind. Der pH-Wert darf zwischen 7,0 und 8,5 liegen, die Gesamthärte zwischen 10 und 30 °dGH. Eine leichte Salzzugabe wird toleriert, ist aber nicht notwendig.

Die Vergesellschaftung mit friedlichen, ähnlich großen Fischen ist möglich, solange das Aquarium genügend Strukturen und Verstecke bietet. Gut geeignete Beifische sind kleine Regenbogenfische, Reisfische oder andere robuste Arten. Vermeide zu ruhige oder scheue Arten, da die Grundeln recht lebhaft sein können.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Wüstengrundel wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die größte Bedrohung für die Art ist der Rückgang der artesischen Quellen in Zentralaustralien durch übermäßige Wasserentnahme aus dem Great Artesian Basin. Viele der isolierten Quellpools, in denen die Art vorkommt, sind bereits ausgetrocknet oder stark geschrumpft.

Zusätzlich bedrohen eingeführte Arten wie der Westliche Moskitofisch (Gambusia affinis) die Bestände durch Konkurrenz und Prädation. Schutzmaßnahmen umfassen die Sicherung der verbleibenden Quellhabitate und Zuchtprogramme in Aquarien. Durch die erfolgreiche Nachzucht in Gefangenschaft ist die Art im Aquarienhandel gut verfügbar, sodass Wildfänge nicht notwendig sind.

Quellen

  1. FishBase: Chlamydogobius eremiusfishbase.se
  2. IUCN Red List: Chlamydogobius eremiusiucnredlist.org
  3. Seriously Fish: Chlamydogobius eremiusseriouslyfish.com
  4. Unmack, P.J. (2001): Biogeography of Australian Freshwater Fishes. Journal of Biogeography, 28(9), 1053–1089.
  5. Australian Museum: Desert Goby – australian.museum

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