Der Zebraschnepfenmesserfisch ist einer der ungewöhnlichsten Meerwasserfische überhaupt: Er schwimmt permanent kopfüber in vertikaler Position! Mit seinem rasiermesserdünnen Körper und den markanten Längsstreifen tarnt er sich zwischen den Stacheln von Seeigeln und in Seegraswiesen.
| Wissenschaftlicher Name | Aeoliscus strigatus |
| Ordnung | Seenadelartige (Syngnathiformes) |
| Familie | Schnepfenmesserfische (Centriscidae) |
| Gattung | Aeoliscus |
| Größe | 10–15 cm |
| Gewicht | 5–15 g |
| Lebenserwartung | 3–5 Jahre |
| Verbreitung | Indopazifik (Rotes Meer bis Japan und Australien) |
| Lebensraum | Korallenriffe, Seegraswiesen, Lagunen |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 200 Liter |
| Temperatur | 24–27 °C |
| pH-Wert | 8,1–8,4 |
| Wasserhärte | 7–11 °dKH |
| Salinität | 1,023–1,026 |
Beschreibung & Aussehen
Der Zebraschnepfenmesserfisch besitzt einen extrem schmalen, seitlich stark abgeflachten Körper, der an eine Rasierklinge erinnert. Er erreicht eine Länge von 10–15 cm und zeigt eine silbrige bis gelbliche Grundfärbung mit einem markanten dunklen Längsstreifen, der vom Kopf bis zur Schwanzspitze verläuft. Die Schnauze ist lang und röhrenförmig ausgezogen – eine Anpassung an die spezialisierte Ernährung.
Das auffälligste Merkmal ist die Schwimmhaltung: Der Fisch schwimmt permanent in einer senkrechten Position mit dem Kopf nach unten. Die Rückenflosse ist zur Körperunterseite verlagert und dient als Hauptantrieb. Diese bizarre Körperhaltung dient der Tarnung – zwischen den langen Stacheln von Diademseeigeln ist der vertikal orientierte Fisch nahezu unsichtbar.
Verbreitung & Lebensraum
Der Zebraschnepfenmesserfisch ist im gesamten tropischen Indopazifik verbreitet – vom Roten Meer und der ostafrikanischen Küste über den Indischen Ozean bis nach Japan, Australien und zu den pazifischen Inseln. Du findest ihn in Korallenriffen, Seegraswiesen und geschützten Lagunen in Tiefen von 1–20 Metern.
In der Natur lebt die Art in kleinen Gruppen von 5–20 Tieren, die sich bevorzugt zwischen den langen Stacheln von Diademseeigeln (Diadema) aufhalten. Dort sind sie vor Raubfischen geschützt und finden gleichzeitig Nahrung. Wenn keine Seeigel verfügbar sind, nutzen sie auch Seegras, Gorgonien oder dicht verzweigte Korallen als Deckung.
Lebensweise & Verhalten
Das Verhalten des Zebraschnepfenmesserfisches ist faszinierend und einzigartig in der Fischwelt. Die Tiere schwimmen stets in ihrer charakteristischen Kopf-nach-unten-Position und bewegen sich dabei erstaunlich elegant und koordiniert durch das Wasser. In der Gruppe bewegen sie sich synchron und richten ihre Körper parallel zu den Seeigel-Stacheln aus.
Bei Gefahr „tauchen" die Fische tiefer zwischen die Seeigel-Stacheln oder ziehen sich in dichte Korallenbüsche zurück. Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche. Nachts ruhen die Tiere regungslos zwischen ihren Versteckplätzen.
Im Aquarium zeigen Zebraschnepfenmesserfische ihr natürliches Schwimmverhalten besonders gut in kleinen Gruppen. Einzeln gehaltene Tiere sind oft schüchtern und verstecken sich viel. Eine Gruppe von mindestens 3–5 Tieren fühlt sich deutlich wohler und zeigt das faszinierende synchrone Schwimmverhalten.
Ernährung
Der Zebraschnepfenmesserfisch ernährt sich in der Natur von winzigen Krebstieren (Copepoden, Mysis), Fischlarven und Zooplankton, die er mit seiner röhrenförmigen Schnauze aufsaugt. Diese spezialisierte Ernährungsweise macht die Haltung im Aquarium anspruchsvoll.
Im Aquarium solltest du mehrmals täglich kleine Portionen Lebendfutter anbieten – frisch geschlüpfte Artemia, lebende Mysis und Copepoden werden am besten angenommen. Viele Exemplare gewöhnen sich mit Geduld auch an feines Frostfutter wie Artemia, Cyclops und Mysis. Die Umstellung auf Frostfutter erfordert Geduld und erfolgt am besten schrittweise. Trockenfutter wird in der Regel abgelehnt.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Zebraschnepfenmesserfisches im Aquarium ist bisher nicht gelungen und auch in der Natur nur wenig erforscht. Aus Beobachtungen ist bekannt, dass die Tiere in der Natur während der warmen Monate laichen. Die Eier werden vermutlich im freien Wasser abgegeben.
Die Larven durchlaufen eine pelagische Phase, in der sie im offenen Wasser treiben und sich von Plankton ernähren. Die Jungtiere nehmen die typische vertikale Schwimmhaltung erst ab einer Größe von etwa 2–3 cm an. Aufgrund der komplexen Larvalentwicklung und der spezialisierten Ernährungsansprüche ist eine Nachzucht in Gefangenschaft derzeit nicht möglich.
Haltung im Aquarium
Die Haltung des Zebraschnepfenmesserfisches ist anspruchsvoll und erfahrenen Meerwasseraquarianern vorbehalten. Du benötigst ein Aquarium ab 200 Litern mit stabil laufender Technik und exzellenter Wasserqualität. Die Wassertemperatur sollte zwischen 24 und 27 °C liegen, der Salzgehalt bei 1,023–1,026 und der pH-Wert bei 8,1–8,4.
Die Einrichtung sollte Seeigel (Diadema) oder alternativ dicht verzweigte Korallen und Seegras-Imitate bieten, zwischen denen sich die Tiere verstecken können. Eine moderate Strömung ist vorteilhaft. Die Beleuchtung sollte nicht zu intensiv sein, da die Art eher schattige Bereiche bevorzugt.
Die Vergesellschaftung gelingt mit ruhigen, friedlichen Riffbewohnern. Vermeide aggressive oder zu schnelle Fresskonkurrenten, da die Schnepfenmesserfische beim Fressen sehr langsam sind. Gut geeignete Beifische sind Seepferdchen, Mandarinfische und ruhige Grundeln. Halte die Art bevorzugt in kleinen Gruppen von 3–5 Tieren.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Zebraschnepfenmesserfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im gesamten Indopazifik häufig und unterliegt keinen besonderen Schutzbestimmungen. Die Hauptbedrohung für die Bestände ist die Zerstörung von Korallenriffen durch Klimawandel und Umweltverschmutzung.
Im Aquarienhandel stammen alle verfügbaren Tiere aus Wildfängen, da eine Nachzucht bisher nicht gelungen ist. Aufgrund der schwierigen Haltungsansprüche ist die Nachfrage jedoch gering, sodass kein nennenswerter Druck auf die natürlichen Bestände besteht.
Quellen
- FishBase: Aeoliscus strigatus – fishbase.se
- Kuiter, R.H. & Tonozuka, T. (2001): Pictorial Guide to Indonesian Reef Fishes. Zoonetics.
- Allen, G.R. & Erdmann, M.V. (2012): Reef Fishes of the East Indies. Tropical Reef Research.
- IUCN Red List: Aeoliscus strigatus – iucnredlist.org
- Randall, J.E. (2005): Reef and Shore Fishes of the South Pacific. University of Hawaii Press.
