Der Zebrawels, auch als L046 bekannt, gilt als einer der schönsten Harnischwelse der Welt. Seine atemberaubenden schwarz-weißen Zebrastreifen machen ihn zu einem begehrten Aquarienfisch. Gleichzeitig ist er vom Aussterben bedroht – der Export aus Brasilien ist verboten, und der Bau des Belo-Monte-Staudamms zerstört seinen natürlichen Lebensraum.
| Wissenschaftlicher Name | Hypancistrus zebra |
| Ordnung | Welsartige (Siluriformes) |
| Familie | Harnischwelse (Loricariidae) |
| Gattung | Hypancistrus |
| Größe | 6–8 cm |
| Gewicht | 5–15 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Brasilien (Rio Xingu, Bundesstaat Pará) |
| Lebensraum | Felsige Stromschnellen mit starker Strömung und warmem, sauerstoffreichem Wasser |
| Schutzstatus | Vom Aussterben bedroht (CR) – IUCN; CITES Anhang III |
| Aquarium | ab 80 Liter |
| Temperatur | 26–30 °C |
| pH-Wert | 6,0–7,5 |
| Wasserhärte | 2–12 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Zebrawels erreicht eine Körperlänge von 6–8 cm und besitzt den typischen abgeflachten Körperbau der Harnischwelse mit einem großen Saugmaul an der Unterseite. Sein unverwechselbares Merkmal ist das kontrastreiche Streifenmuster aus abwechselnd weißen und schwarzen Querstreifen, die den gesamten Körper und die Flossen bedecken. Kein Tier gleicht dem anderen – das Muster ist individuell wie ein Fingerabdruck.
Im Vergleich zu den meisten anderen Harnischwelsen hat der Zebrawels einen relativ schmalen, eleganten Körperbau. Die Augen sind klein und sitzen seitlich am Kopf. Die Brustflossen tragen kräftige Odontoden (knöcherne Stacheln), die besonders bei Männchen ausgeprägt sind. Männchen unterscheiden sich von Weibchen durch einen breiteren Kopf und stärkere Odontoden an den Brustflossen und auf dem Interoperculum.
Verbreitung & Lebensraum
Der Zebrawels kommt ausschließlich im Rio Xingu im brasilianischen Bundesstaat Pará vor – einem Nebenfluss des Amazonas. Sein Verbreitungsgebiet ist extrem klein und beschränkt sich auf einen Flussabschnitt von nur etwa 150 km Länge zwischen den Orten Altamira und Belo Monte. In diesem Bereich lebt er in den Stromschnellen (Cachoeiras) zwischen Felsblöcken in stark durchströmtem, warmem Wasser.
Das Wasser im Rio Xingu ist klar, sauerstoffreich und mit Temperaturen von 26–30 °C relativ warm. Der Bodengrund besteht aus Felsen und Kies, zwischen denen sich die Welse in Spalten und Höhlen verstecken. Der Bau des Belo-Monte-Staudamms – des drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt – hat weite Teile dieses Lebensraums zerstört oder verändert und die Art an den Rand des Aussterbens gebracht.
Lebensweise & Verhalten
Der Zebrawels ist ein nachtaktiver Höhlenbewohner, der tagsüber in Felsspalten und Höhlen ruht. Er lebt in kleinen Gruppen und ist gegenüber Artgenossen relativ friedlich, solange genügend Höhlen vorhanden sind. Männchen besetzen Höhlen und verteidigen diese gegen Rivalen, sind aber weniger aggressiv als viele andere Harnischwelsarten.
Im Aquarium zeigt sich der Zebrawels nach einer Eingewöhnungsphase als relativ zutraulicher Wels, der auch tagsüber gelegentlich zu sehen ist. Er bevorzugt starke Strömung und sauerstoffreiches Wasser – eine gute Filterleistung und eine zusätzliche Strömungspumpe sind daher empfehlenswert. Die Tiere sind friedlich und können gut mit anderen nicht zu dominanten Fischen vergesellschaftet werden.
Ernährung
Im Gegensatz zu vielen anderen Harnischwelsen ist der Zebrawels kein reiner Aufwuchsfresser, sondern ein Allesfresser mit Tendenz zur fleischlichen Kost. In der Natur frisst er kleine Wirbellose, Insektenlarven und Biofilme von Felsenflächen. Im Aquarium nimmt er gerne Frostfutter wie Artemia, Mückenlarven und Mysis an.
Ergänzend solltest du Futtertabletten, feines Granulat und gelegentlich pflanzliche Kost anbieten. Der Zebrawels frisst deutlich weniger Algen als die meisten anderen Harnischwelse – verlasse dich also nicht auf ihn als „Algenfresser". Füttere bevorzugt abends oder nachts, wenn die Tiere aktiv werden.
Fortpflanzung
Die Zucht des Zebrawelses gelingt erfahrenen Aquarianern und ist angesichts der Bedrohung der Wildbestände besonders wichtig. Die Tiere sind Höhlenbrüter: Das Männchen besetzt eine enge Höhle und lockt ein Weibchen hinein. Die 7–15 großen, orange gefärbten Eier (ca. 3–4 mm Durchmesser) werden an die Höhlendecke geklebt und vom Männchen bewacht.
Die Brutdauer beträgt bei 28–30 °C etwa 5–7 Tage. Die geschlüpften Larven tragen einen großen Dottersack und werden weitere 10–14 Tage vom Männchen in der Höhle betreut. Erst nach dem vollständigen Aufbrauchen des Dottersacks verlassen die Jungtiere die Höhle und können mit feinem Staubfutter, Artemia-Nauplien und aufgelösten Futtertabletten aufgezogen werden. Die geringe Gelegegröße macht die Zucht wertvoll – jeder erfolgreich aufgezogene Jungfisch zählt.
Haltung im Aquarium
Für die Haltung des Zebrawelses eignet sich ein Aquarium ab 80 Litern mit einer starken Strömung und exzellenter Wasserhygiene. Die Einrichtung sollte zahlreiche enge Höhlen aus Schieferstein, Tonröhren oder speziellen Welsenhöhlen umfassen. Der Bodengrund sollte aus feinem Sand oder Kies bestehen, und die Beleuchtung kann gedämpft sein.
Die Wassertemperatur muss zwischen 26 und 30 °C liegen – der Zebrawels ist wärmeliebend und verträgt keine kühlen Temperaturen. Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen, die Gesamthärte zwischen 2 und 12 °dGH. Eine leistungsstarke Filterung mit hohem Sauerstoffeintrag ist essenziell – idealerweise kombiniert mit einer zusätzlichen Strömungspumpe.
Die Vergesellschaftung gelingt mit friedlichen, nicht zu dominanten Beifischen. Ideal sind Salmler, Bärblinge und friedliche Zwergbuntbarsche. Vermeide aggressive Bodenbewohner oder andere Harnischwelsarten, die die Höhlen streitig machen könnten. Halte den Zebrawels in kleinen Gruppen von 4–6 Tieren, um ein natürliches Sozialverhalten zu fördern.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Zebrawels wird von der IUCN als „Critically Endangered" (vom Aussterben bedroht) eingestuft und ist in CITES Anhang III gelistet. Der Export aus Brasilien ist seit 2004 vollständig verboten. Die größte Bedrohung ist der Belo-Monte-Staudamm, der einen großen Teil des natürlichen Lebensraums im Rio Xingu überflutet oder die Strömungsverhältnisse drastisch verändert hat.
Glücklicherweise gelingt die Nachzucht in Aquarien mittlerweile regelmäßig, sodass die Art im Hobby erhalten bleibt. Nachzuchten sind im Fachhandel erhältlich, wenn auch zu höheren Preisen als die meisten anderen Welse. Wenn du einen Zebrawels hältst, trägst du mit einer erfolgreichen Nachzucht aktiv zum Erhalt dieser faszinierenden Art bei.
Quellen
- FishBase: Hypancistrus zebra – fishbase.se
- Planeta Catfish: Hypancistrus zebra (L046) – planetcatfish.com
- IUCN Red List: Hypancistrus zebra – iucnredlist.org
- Isbrücker, I.J.H. & Nijssen, H. (1991): Hypancistrus zebra, a new genus and species of uniquely pigmented ancistrine loricariid fish. Ichthyological Exploration of Freshwaters, 1(4), 345–350.
- Lujan, N.K. & Chamon, C.C. (2008): Two new species of Loricariidae from the rio Xingu basin. Neotropical Ichthyology, 6(3), 395–402.
