Der Ziegelrote Salamander ist einer der auffälligsten lungenlosen Salamander der östlichen USA. Seine leuchtend rote Färbung dient als Mimikry – er imitiert die Warnfärbung des giftigen Rotfleck-Molchs und täuscht so Fressfeinde über seine eigene Ungiftigkeit hinweg. Er lebt bevorzugt in der Nähe von Quellbächen und Sickerquellen.
| Wissenschaftlicher Name | Pseudotriton ruber |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Pseudotriton |
| Größe | 10–18 cm |
| Gewicht | 5–15 g |
| Lebenserwartung | 5–15 Jahre |
| Verbreitung | Östliche USA (New York bis Louisiana) |
| Lebensraum | Quellbäche, Sickerquellen, feuchte Wälder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Ziegelrote Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–18 cm und ist kräftig gebaut. Seine auffälligste Eigenschaft ist die leuchtend rote bis korallenrote Grundfarbe, die über den gesamten Körper verteilt mit zahlreichen kleinen, unregelmäßigen schwarzen Flecken versehen ist. Mit zunehmendem Alter dunkelt die Grundfarbe zu einem tieferen, ziegelroten Ton nach.
Der Körper ist robust mit einem breiten Kopf, kurzen Beinen und einem relativ kurzen Schwanz. Die Augen besitzen eine charakteristische goldgelbe Iris. Die Haut ist glatt und feucht. Als lungenloser Salamander (Plethodontidae) atmet er über die Haut und die Mundschleimhaut und besitzt die typische Nasolabialrinne. Im Vergleich zum verwandten Schlamm-Salamander (P. montanus) ist der Rote Salamander intensiver gefärbt und hat eine goldene statt gelbliche Iris.
Verbreitung & Lebensraum
Der Ziegelrote Salamander kommt in den östlichen USA vor – von New York und Pennsylvania im Norden über die Appalachen bis nach Louisiana und Florida im Süden. Sein Verbreitungsgebiet überlappt teilweise mit dem des Schlamm-Salamanders, wobei beide Arten unterschiedliche ökologische Nischen besetzen.
Du findest diesen Salamander bevorzugt entlang klarer Quellbäche, an Sickerquellen und in feuchten Wäldern in der Nähe von sauberem, fließendem Wasser. Er ist semiaquatisch und lebt sowohl im Wasser als auch an feuchten Uferböschungen unter Steinen und morschem Holz. Klare, kühle Gewässer mit steinigem Untergrund bieten optimale Bedingungen.
Lebensweise & Verhalten
Der Ziegelrote Salamander ist vorwiegend nachtaktiv und hält sich tagsüber unter Steinen, morschem Holz oder im weichen Substrat an Quellbächen versteckt. An feuchten Nächten kommt er hervor, um auf dem Waldboden und an Bachufern zu jagen. Er ist eng an feuchte Habitate in der Nähe sauberer Gewässer gebunden.
Die leuchtend rote Färbung ist ein faszinierendes Beispiel für Bates'sche Mimikry: Der ungiftige Rote Salamander imitiert die Warnfärbung des giftigen Rotfleck-Molchs (Notophthalmus viridescens), insbesondere dessen toxisches Eft-Stadium. Experimente haben gezeigt, dass Fressfeinde, die schlechte Erfahrungen mit dem giftigen Eft gemacht haben, auch den harmlosen Roten Salamander meiden. Diese Schutzstrategie ist besonders wirksam in Gebieten, wo beide Arten koexistieren.
Ernährung
Der Ziegelrote Salamander ernährt sich von einer breiten Palette von Wirbellosen. An Land frisst er Insekten, Schnecken, Regenwürmer, Spinnen und Asseln. Im und am Wasser erbeutet er Bachflohkrebse, Insektenlarven und kleine Würmer. Er ist ein aktiver Jäger, der sowohl im Wasser als auch an Land erfolgreich Beute macht.
Die Jagd erfolgt durch die projektile Zunge, die typisch für Plethodontiden ist. Größere Beutetiere werden direkt mit dem Maul gepackt. Die Nahrungssuche konzentriert sich auf die feuchten Nachtstunden, wenn sowohl der Salamander als auch seine Beute am aktivsten sind.
Fortpflanzung
Die Paarung findet im Herbst und Winter statt. Das Weibchen legt im Herbst oder Winter 50–100 Eier einzeln an die Unterseite von Steinen in Quellbereichen oder Sickerquellen ab. Das Weibchen bewacht die Eier über mehrere Monate bis zum Schlupf.
Die Larven leben 1,5–3,5 Jahre vollständig aquatisch in Quellbächen – eine der längsten Larvalentwicklungen unter den nordamerikanischen Salamandern. Sie besitzen äußere Kiemenbüschel und ernähren sich von kleinen Wasserwirbellosen. Nach der Metamorphose nehmen die Jungtiere die leuchtend rote Färbung an. Die Geschlechtsreife wird nach 4–5 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Der Ziegelrote Salamander kann in einem halbaquatischen Terrarium gehalten werden. Ein Aquaterrarium ab 60 × 30 × 30 cm mit einem Wasserbereich mit fließendem, sauberem Wasser und einem feuchten Landteil mit Steinen und Moos ist ideal. Das Wasser sollte gut gefiltert und kühl sein.
Die Temperatur sollte bei 15–20 °C liegen, wobei das Wasser eher am kühleren Ende des Spektrums gehalten werden sollte. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein (80–95 %). Gefüttert wird mit Regenwürmern, Heimchen, Asseln und Wachsmottenlarven; im Wasser mit Mückenlarven und Bachflohkrebsen. Eine kühle Winterphase bei 5–10 °C über 2–3 Monate ist empfehlenswert.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Ziegelrote Salamander wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In geeigneten Habitaten ist er noch relativ häufig. Lokal sind Populationen durch Wasserverschmutzung, Sedimenteintrag in Quellbäche und die Zerstörung von Uferbiotopen bedroht.
Die Art ist ein guter Bioindikator für die Wasserqualität – ihr Vorkommen zeigt saubere, unbelastete Quellbereiche an. Der Schutz natürlicher Quellhabitate und die Vermeidung von Sediment- und Pestizideinträgen sind die wichtigsten Maßnahmen für den Erhalt der Art.
Quellen
- AmphibiaWeb: Pseudotriton ruber – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Pseudotriton ruber – iucnredlist.org
- Petranka, J. W. (1998): Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press.
- Conant, R. & Collins, J. T. (1998): Reptiles and Amphibians: Eastern/Central North America. Houghton Mifflin.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
