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Zwergkärpfling (Heterandria formosa)

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Zwergkärpfling (Heterandria formosa)

Bildquelle: Vladimir Wrangel / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Zwergkärpfling ist eines der kleinsten Wirbeltiere der Welt – Männchen werden nur 1–2 cm groß! Diese faszinierende Art aus dem Südosten der USA vermehrt sich durch Superfötation: Das Weibchen trägt gleichzeitig Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien und gebärt über Wochen hinweg einzelne Jungfische.

Der Zwergkärpfling ist eines der kleinsten Wirbeltiere der Welt – Männchen werden nur 1–2 cm groß! Diese faszinierende Art aus dem Südosten der USA vermehrt sich durch Superfötation: Das Weibchen trägt gleichzeitig Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien und gebärt über Wochen hinweg einzelne Jungfische.

Steckbrief: Zwergkärpfling (Heterandria formosa)
Wissenschaftlicher NameHeterandria formosa
OrdnungZahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
FamilieLebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae)
GattungHeterandria
Größe1–3 cm (Weibchen bis 3 cm, Männchen nur 1–2 cm)
Gewicht0,2–0,5 g
Lebenserwartung2–3 Jahre
VerbreitungSüdöstliche USA (North Carolina bis Florida und Louisiana)
LebensraumFlache, pflanzenreiche Süßgewässer, Sümpfe, Gräben
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 20 Liter
Temperatur20–26 °C
pH-Wert6,5–8,0
Wasserhärte8–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Zwergkärpfling gehört zu den kleinsten Wirbeltieren der Welt. Weibchen erreichen maximal 3 cm, während Männchen mit nur 1–2 cm noch deutlich kleiner bleiben. Der Körper ist schlank und leicht gestreckt, die Grundfärbung olivbraun bis graugelb. Ein dunkler Längsstreifen zieht sich von der Schnauze bis zur Schwanzflosse und ist das auffälligste Merkmal.

Die Flossen sind transparent bis leicht gelblich. Männchen besitzen ein zu einem Gonopodium umgewandeltes Afterflossenorgan, das als Begattungsorgan dient – ein typisches Merkmal aller lebendgebärenden Zahnkarpfen. Weibchen zeigen einen dunklen Trächtigkeitsfleck in der Analregion, wenn sie tragend sind. Trotz seiner winzigen Größe ist der Zwergkärpfling ein robuster und langlebiger kleiner Fisch.

Verbreitung & Lebensraum

Der Zwergkärpfling kommt im Südosten der USA vor – von North Carolina entlang der Atlantikküste über Georgia und Florida bis nach Louisiana am Golf von Mexiko. Sein Lebensraum umfasst flache, pflanzenreiche Süßgewässer wie Sümpfe, Gräben, langsam fließende Bäche und die Uferbereiche von Seen und Flüssen.

Die Gewässer sind oft dicht mit Schwimmpflanzen und Unterwasservegetation bewachsen, die dem winzigen Fisch Schutz vor Fressfeinden bieten. Das Wasser kann weich bis hart und leicht sauer bis alkalisch sein – die Art ist erstaunlich anpassungsfähig. In Florida kommt er auch in leicht brackigem Wasser vor.

Lebensweise & Verhalten

Der Zwergkärpfling ist ein friedlicher, geselliger Fisch, der in kleinen Gruppen lebt. Trotz seiner Zugehörigkeit zu den Lebendgebärenden ist er deutlich ruhiger und weniger aufdringlich als Guppys oder Platys. Die Tiere halten sich bevorzugt in pflanzenreichen Bereichen auf, wo sie nach Nahrung suchen.

Eine Besonderheit ist die Superfötation – ein Phänomen, das unter Wirbeltieren extrem selten ist. Das Weibchen kann gleichzeitig Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien tragen. Dadurch gebärt es nicht einen großen Wurf auf einmal, sondern über mehrere Wochen hinweg einzelne oder wenige Jungfische pro Tag. Diese Strategie erhöht die Überlebenschancen der Nachkommen.

Ernährung

Der Zwergkärpfling ernährt sich in der Natur von winzigen Wirbellosen, Algen, Aufwuchs und organischem Detritus. Aufgrund seiner extrem kleinen Größe ist er auf sehr feines Futter angewiesen. Im Aquarium nimmt er zerriebenes Flockenfutter, Staubfutter und Mikrogranulat an.

Besonders gerne werden lebende Mikroorganismen wie Artemia-Nauplien, Mikrowürmer, Grindal-Würmer und Paramecien gefressen. Regelmäßiges Lebendfutter fördert die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft. Der Zwergkärpfling frisst auch gerne Biofilme und Mikroalgen, die sich auf Pflanzen und Dekoration bilden – ein gut eingelaufenes Becken mit reichlich Aufwuchs bietet ihm eine natürliche Nahrungsergänzung.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Zwergkärpflings ist dank der Superfötation einzigartig unter den Aquarienfischen. Das Weibchen wird vom Männchen intern befruchtet und kann Spermien über Monate speichern. Durch die Superfötation trägt es gleichzeitig Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien – wie ein „Fließband" werden über Wochen einzelne Jungfische geboren.

Ein Wurf besteht typischerweise aus nur 1–5 winzigen Jungfischen, die etwa alle 1–3 Tage geboren werden. Die Neugeborenen sind mit nur 5–7 mm Länge extrem klein, aber sofort selbstständig und können frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien fressen. Da die Eltern kaum Kannibalismus zeigen, können die Jungfische oft im selben Becken aufwachsen – ein dichter Pflanzenbestand bietet ausreichend Schutz.

Haltung im Aquarium

Der Zwergkärpfling ist ein idealer Bewohner für Nano-Aquarien ab 20 Litern. Die Einrichtung sollte dicht bepflanzt sein und viele feinfiedrige Pflanzen, Moospolster und Schwimmpflanzen umfassen, die den Tieren Schutz und Nahrung bieten. Ein gut eingelaufenes Becken mit reichlich Aufwuchs ist ideal.

Die Wasserwerte sind flexibel: Temperatur 20–26 °C (verträgt auch kühlere Temperaturen bis 15 °C!), pH 6,5–8,0, Gesamthärte 8–20 °dGH. Die Art ist damit auch für unbeheizte Aquarien in Wohnräumen geeignet. Eine sanfte Filterung mit geringer Strömung ist empfehlenswert.

Halte den Zwergkärpfling in Gruppen von mindestens 6–8 Tieren mit einem Überschuss an Weibchen. Die Vergesellschaftung muss sorgfältig geplant werden, da der winzige Fisch leicht von größeren Arten gefressen werden kann. Ideale Mitbewohner sind Zwerggarnelen, andere Kleinstfische wie Boraras-Arten und kleine Schnecken.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Zwergkärpfling wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im Südosten der USA häufig und kommt in vielen verschiedenen Gewässertypen vor. Lokale Bedrohungen bestehen durch Habitatzerstörung, Wasserverschmutzung und die Verdrängung durch eingeführte Arten wie den Moskitofisch (Gambusia).

Im Aquarienhandel ist der Zwergkärpfling als Nachzucht gut verfügbar, wenn auch nicht so häufig wie populärere Lebendgebärende. Die einfache Zucht in Gefangenschaft macht Wildfänge überflüssig. Die Art gewinnt zunehmend an Beliebtheit bei Nano-Aquaristik-Enthusiasten, die winzige Fische mit faszinierender Biologie schätzen.

Quellen

  1. FishBase: Heterandria formosafishbase.se
  2. Seriously Fish: Heterandria formosaseriouslyfish.com
  3. Travis, J. et al. (1987): Superfetation in Heterandria formosa. Copeia, 1987(1), 55–64.
  4. IUCN Red List: Heterandria formosaiucnredlist.org
  5. Page, L.M. & Burr, B.M. (2011): Peterson Field Guide to Freshwater Fishes of North America. Houghton Mifflin Harcourt.

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