Der Netz-Pfeilgiftfrosch ist einer der kleinsten Frösche der Welt – mit nur 1,2–1,6 cm Körperlänge ist er kaum größer als ein Fingernagel. Trotz seiner winzigen Größe besticht er durch ein leuchtend rotes Rückenmuster auf schwarzem Grund mit einem charakteristischen netzartigen Muster an den Beinen, das ihm seinen Namen gibt.
| Wissenschaftlicher Name | Ranitomeya reticulata |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae) |
| Gattung | Ranitomeya |
| Größe | 1,2–1,6 cm |
| Gewicht | 0,5–1,5 g |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Peru, Ecuador (westliches Amazonasbecken) |
| Lebensraum | Tropischer Tieflandregenwald, Bromelien, Baumstämme |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Netz-Pfeilgiftfrosch gehört mit einer Körperlänge von nur 1,2–1,6 cm und einem Gewicht von 0,5–1,5 g zu den kleinsten Fröschen der Welt. Trotz seiner winzigen Größe ist er auffällig gefärbt: Der Rücken und der Kopf sind leuchtend rot bis orangerot, während die Beine und Flanken schwarz sind mit einem feinen, netzartigen Muster aus blauen bis türkisfarbenen Linien – das namensgebende „Retikulat".
Die Unterseite ist schwarz mit blauen Flecken. Die Haut ist glatt und glänzend. Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf groß und dunkel. Die Haftscheiben an den Zehen sind gut entwickelt und ermöglichen das Klettern auf glatten Oberflächen. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden.
Verbreitung & Lebensraum
Der Netz-Pfeilgiftfrosch ist im westlichen Amazonasbecken verbreitet, in Peru (Loreto) und im östlichen Ecuador. Er bewohnt tropische Tieflandregenwälder in Höhenlagen von 100–400 m über dem Meeresspiegel.
Die Art lebt arborikol (baumbewohnend) und hält sich bevorzugt an Baumstämmen, in Bromelien und in der niedrigen Vegetation auf. Als Mikrohabitat dienen Bromelien-Achseln und andere Phytotelmata, in denen die Kaulquappen aufgezogen werden. Der Frosch bewegt sich hauptsächlich in den unteren 2–3 Metern der Vegetation.
Lebensweise & Verhalten
Der Netz-Pfeilgiftfrosch ist tagaktiv und verbringt die meiste Zeit an Baumstämmen und in der niedrigen Vegetation, wo er nach Nahrung sucht. Männchen sind territorial und verteidigen kleine Reviere mit leisen, insektenartigen Rufen. Die Art ist relativ aktiv und bewegt sich häufig über kleine Strecken.
Wie alle Pfeilgiftfrösche besitzt er Hautalkaloide, die er über seine Nahrung aufnimmt. Die auffällige rot-schwarze Warnfärbung (Aposematismus) signalisiert Fressfeinden die Giftigkeit. Die Art zeigt Brutpflegeverhalten: Das Männchen transportiert die Kaulquappen zu geeigneten Wasseransammlungen, und das Weibchen legt Nähreier für die Larven ab.
Ernährung
Der Netz-Pfeilgiftfrosch ernährt sich aufgrund seiner extrem geringen Größe von den kleinsten Wirbellosen: Ameisen, Milben, Springschwänze und andere Mikro-Arthropoden. Die Beute muss sehr klein sein – selbst Fruchtfliegen der größeren Art sind für adulte Tiere oft schon an der oberen Grenze.
Im Terrarium fütterst du mit Springschwänzen (die wichtigste Futterquelle), kleinen Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) und tropischen Zwergasseln. Die Futtertiere müssen mit Kalzium und Vitaminen bestäubt werden. Füttere täglich, da der winzige Frosch einen sehr hohen Stoffwechsel hat und schnell verhungern kann.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung ähnelt der anderer Ranitomeya-Arten. Das Männchen lockt das Weibchen mit leisen Rufen an und führt es zu einer geeigneten Eiablagestelle. Das Gelege umfasst nur 2–4 Eier, die auf Blättern oder in Blattachseln abgelegt werden.
Das Männchen bewacht die Eier und transportiert die Kaulquappen nach dem Schlüpfen einzeln auf dem Rücken zu Bromelien-Achseln oder anderen kleinen Wasseransammlungen. Das Weibchen besucht die Kaulquappen regelmäßig und legt unbefruchtete Nähreier ab. Die Metamorphose dauert 6–8 Wochen. Die Jungfrösche sind bei der Umwandlung nur etwa 8–10 mm groß.
Haltung im Terrarium
Der Netz-Pfeilgiftfrosch eignet sich für ein kleines, gut bepflanztes Regenwaldterrarium. Ein Terrarium ab 30 × 30 × 40 cm reicht für ein Paar aus. Die Einrichtung sollte Bromelien (als Fortpflanzungsstätten), Moose, dichte Bepflanzung und Kletterstrukturen aus Korkrinde umfassen. Die Temperatur sollte tagsüber 24–27 °C betragen, nachts 20–22 °C.
Die Luftfeuchtigkeit muss bei 80–95 % liegen. Eine Beregnungsanlage ist sehr empfehlenswert. Aufgrund seiner winzigen Größe muss besonders auf die Ausbruchsicherheit des Terrariums geachtet werden – selbst kleinste Spalten können als Fluchtweg dienen. Die Art ist als Nachzucht im spezialisierten Fachhandel erhältlich und im CITES-Anhang II gelistet.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Netz-Pfeilgiftfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft. Die Art hat ein relativ großes Verbreitungsgebiet im Amazonasbecken und kommt in einigen Schutzgebieten vor. Die Hauptbedrohung ist die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes für Landwirtschaft und Holzgewinnung.
Die Art ist im CITES-Anhang II gelistet, was den internationalen Handel reguliert. Die Nachzucht in der Terraristik ist gut etabliert und reduziert den Wildfangdruck. Der Schutz der Amazonas-Regenwälder ist für den langfristigen Erhalt dieser und zahlreicher anderer Pfeilgiftfroscharten von entscheidender Bedeutung.
Quellen
- AmphibiaWeb: Ranitomeya reticulata – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Ranitomeya reticulata – iucnredlist.org
- Brown, J. L. et al. (2011): A taxonomic revision of the Neotropical poison frog genus Ranitomeya. Zootaxa, 3083, 1–120.
- Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
- Frost, D. R. (2024): Amphibian Species of the World – amphibiansoftheworld.amnh.org
