Der Zwergziersalmler ist einer der kleinsten und zierlichsten Ziersalmler der Gattung Nannostomus. Mit seinen markanten horizontalen Längsstreifen und seinem ruhigen Schwimmverhalten ist er ein faszinierender Bewohner für kleine, dicht bepflanzte Aquarien. Wie alle Nannostomus-Arten zeigt er nachts ein verändertes Streifenmuster.
| Wissenschaftlicher Name | Nannostomus marginatus |
| Ordnung | Salmlerartige (Characiformes) |
| Familie | Schlanksalmler (Lebiasinidae) |
| Gattung | Nannostomus |
| Größe | 2–3,5 cm |
| Gewicht | 0,3–1 g |
| Lebenserwartung | 3–5 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Brasilien) |
| Lebensraum | Langsam fließende Schwarzwasserbäche, Überschwemmungsgebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 30 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 5,0–7,0 |
| Wasserhärte | 1–10 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Zwergziersalmler erreicht eine Körperlänge von nur 2–3,5 cm und besitzt einen langgestreckten, schlanken Körper – die typische „Bleistift"-Form der Nannostomus-Arten. Die Grundfärbung ist cremeweiß bis beige mit drei markanten dunklen Längsstreifen: Einer zieht sich von der Schnauze über das Auge bis zur Schwanzflosse, ein weiterer verläuft parallel darunter, und ein dritter ziert die Unterseite.
Die Rücken- und Afterflossen zeigen leuchtend rote Flecken, die besonders bei Männchen auffällig sind. Zwischen den dunklen Streifen schimmern goldene bis cremefarbene Bänder. Nachts verblassen die Längsstreifen und werden durch dunkle Querstreifen ersetzt – ein faszinierendes Phänomen, das bei allen Nannostomus-Arten auftritt. Männchen sind schlanker und intensiver gefärbt als die rundlicheren Weibchen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Zwergziersalmler kommt im nördlichen Südamerika vor – in Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und im nördlichen Brasilien (Amazonasbecken). Sein natürlicher Lebensraum umfasst langsam fließende Schwarzwasserbäche und saisonale Überschwemmungsgebiete im tropischen Regenwald.
Die Gewässer sind typischerweise tanninfarbenes Schwarzwasser mit sehr weichem, saurem Wasser (pH 4,0–6,0). Der Bodengrund ist mit einer dicken Schicht aus Falllaub bedeckt, das Huminstoffe und Gerbsäuren abgibt. Die Vegetation besteht aus Wurzeln, Totholz und Wasserpflanzen, die dem winzigen Fisch reichlich Deckung bieten. Das Wasser ist nährstoffarm und die Sichttiefe oft nur wenige Zentimeter.
Lebensweise & Verhalten
Der Zwergziersalmler ist ein friedlicher Schwarmfisch, der in Gruppen von mindestens 10–12 Tieren gehalten werden sollte. Die Tiere schwimmen in einem lockeren Verband durch die mittlere und untere Wasserzone und bewegen sich bedächtig und elegant – ganz im Gegensatz zu den hektischen Bärblingen oder Neons.
Männchen zeigen ein interessantes Imponierverhalten, bei dem sie sich mit gespreizten Flossen gegenseitig umkreisen und ihre roten Flossenflecke präsentieren. Diese ritualisierten Auseinandersetzungen sind völlig harmlos und faszinierend zu beobachten. Nachts verändern die Tiere ihr Streifenmuster und ruhen regungslos in Pflanzen oder an Dekorationselementen.
Die Art ist etwas schüchtern und sollte nicht mit zu lebhaften oder dominanten Beifischen vergesellschaftet werden. In einem ruhigen, gut bepflanzten Aquarium zeigen die Tiere ihr natürliches Verhalten und ihre schönsten Farben.
Ernährung
Der Zwergziersalmler ernährt sich in der Natur von winzigen Insekten, Insektenlarven und Mikroorganismen. Aufgrund seiner geringen Größe ist er auf sehr feines Futter angewiesen. Im Aquarium nimmt er zerriebenes Flockenfutter, Staubfutter und Mikrogranulat an.
Besonders wichtig sind regelmäßige Gaben von Lebendfutter wie frisch geschlüpften Artemia-Nauplien, Mikrowürmern und Cyclops. Diese proteinreiche Kost fördert die Farbentwicklung und das Wohlbefinden erheblich. Der Zwergziersalmler frisst bevorzugt Futter, das im Wasser schwebt – sinkendes Futter wird oft ignoriert.
Fortpflanzung
Die Zucht des Zwergziersalmlers gelingt in sehr weichem, saurem Wasser (pH 5,0–6,0, GH unter 3 °dGH) bei Temperaturen von 26–28 °C. Die Art ist ein Freilaicher, der einzelne Eier zwischen feinfiedrigen Pflanzen, Javamoos oder Laichmopp ablegt. Die Elterntiere betreiben keine Brutpflege und können Laichräuber sein.
Die Eier sind winzig und lichtempfindlich – das Zuchtbecken sollte abgedunkelt werden. Die Larven schlüpfen nach 24–36 Stunden und sind extrem klein. Die Erstfütterung erfolgt mit Infusorien und Paramecien, nach etwa 10 Tagen können frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien angeboten werden. Die Aufzucht erfordert Geduld und sorgfältige Pflege, da die winzigen Jungfische empfindlich auf Wasserqualitätsschwankungen reagieren.
Haltung im Aquarium
Der Zwergziersalmler eignet sich für kleine bis mittelgroße Aquarien ab 30 Litern. Die Einrichtung sollte dicht bepflanzt sein und Wurzeln, Falllaub und Moospolster umfassen. Ein dunkler Bodengrund und gedämpftes Licht durch Schwimmpflanzen schaffen eine naturnahe Schwarzwasser-Atmosphäre, in der die Tiere ihre schönsten Farben zeigen.
Die Wasserwerte sollten weich und sauer sein: Temperatur 24–28 °C, pH 5,0–7,0, Gesamthärte 1–10 °dGH. Die Zugabe von Erlenzapfen, Seemandelbaumblättern oder Torf erzeugt das typische bernsteinfarbene Schwarzwasser und fördert das Wohlbefinden. Eine sanfte Filterung mit geringer Strömung ist wichtig.
Die Vergesellschaftung sollte sorgfältig gewählt werden: Nur ruhige, friedliche Arten ähnlicher Größe kommen infrage. Ideale Beifische sind andere Nannostomus-Arten, Boraras-Bärblinge, kleine Panzerwelse, Otocinclus und Zwergbuntbarsche. Vermeide lebhafte oder große Beifische, die den schüchternen Ziersalmler einschüchtern und ihm das Futter wegschnappen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Zwergziersalmler wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet häufig und kommt in einer Vielzahl von Schwarzwasser-Lebensräumen vor. Die Hauptbedrohung besteht in der Abholzung des tropischen Regenwaldes und der damit verbundenen Veränderung der Gewässer.
Im Aquarienhandel sind sowohl Wildfänge als auch zunehmend Nachzuchten erhältlich. Die Art gewinnt an Beliebtheit bei Aquarianern, die sich für Schwarzwasser-Biotope und Nano-Aquaristik interessieren. Ein verantwortungsvoller Aquarienhandel und die Nachzucht in Gefangenschaft tragen zum Schutz der Wildpopulationen bei.
Quellen
- FishBase: Nannostomus marginatus – fishbase.se
- Seriously Fish: Nannostomus marginatus – seriouslyfish.com
- Weitzman, S.H. & Cobb, J.S. (1975): A revision of the South American fishes of the genus Nannostomus. Smithsonian Contributions to Zoology, 186.
- IUCN Red List: Nannostomus marginatus – iucnredlist.org
- Zarske, A. (2009): Nannostomus – Die Ziersalmler. Aquaristik Fachmagazin, 207, 24–32.
